"Sie sind wahrlich vom Weg abgekommen."
Millionärssohn Bruce Wayne (Christian Bale) ist auf abwegen. Selbst nach Jahren nach der Ermordung seiner Eltern plagen ihn Schuldgefühle, dass er Auslöser, wegen einer Phobie gegenüber Fledermäusen, ist und seine Eltern in den Tod führte. Nachdem der Täter aus dem Gefängnis entlassen und direkt ebenso ermordet wird, verlässt Bruce Gotham City und schlägt sich als Bettler und Klein-Krimineller durch die Welt, bis er im asiatischen Raum selbst im Gefängnis landet. Dort wird er erstmals auf Henri Ducard (Liam Neeson) aufmerksam, der ihn später in einem Bergpalast einer aufwändigen Ausbildung zum Ninja unterzieht. Drastische Meinungsverschiedenheiten über den Gerechtigkeitssinn lassen den Bund allerdings brechen, wodurch Bruce nach Gotham zurückkehrt. Sein Butler Alfred (Michael Caine) begrüßt ihn mit offenen Armen und baut mit ihm zusammen unter dem Familien-Anwesen eine Höhle zu einem Verbrechensbekämpfungs-Stützpunkt aus. Bruce legt sich für seine neue Tätigkeit eine Maskierung an und lässt sich von dem Technikexperten Lucius Fox (Morgan Freeman) diverse Hilfsmittel geben um in der Nacht als Batman gegen das hohe Maß an Korruption in Gotham anzutreten. Sein erster ernstzunehmender Gegner stellt der Psychologe Jonathan Crane (Cillian Murphy) dar. Unter dem Decknamen Scarecrow setzt er seine Mandanten einem starken Halluzinogen aus, welches die größten Ängste eines Menschen verstärkt.
Der Comicfigur Batman wurde Anfang der 90er mit zwei düsteren Verfilmungen von Tim Burton ("Frankenweenie", "Sleepy Hollow") ansprechende Leinwandumsetzungen gegönnt, schließlich aber beinahe ebenso schnell wieder zu Grabe getragen. Joel Schuhmacher ("8mm - Acht Millimeter ") trug mit ebenso zwei Filmen dazu bei, dass die bodenständige Figur absolut ins lächerliche gezogen wurde und sich kein Studio mehr traute, die Reihe fortzuführen. Eine erfolgreiche Welle an anderen Comicverfilmungen war nötig, um die angestaubte Figur in der Hälfte der 2000er wieder aus der Versenkung zu ziehen.
"Batman Begins" stellt in vielerlei Hinsicht einen Neuanfang dar. Nicht nur die Handlung beginnt von vorn, auch die Erzählweise und die Besetzung ist eine völlig neue. Regisseur Christopher Nolan ("Memento", "Inception") setzt auf eine sehr realitätsnahe Aufarbeitung der Comicfigur. Somit werden die Ausrüstungsgegenstände, die Vorgehensweise und die Technik der Schurken glaubhaft dargestellt. Dies geht so weit, dass man sich schon beinahe ein wenig an die "James Bond"-Filme erinnert fühlt.
Bis der titelgebende Superheld seine Tätigkeit aufnimmt, vergehen über 40 Minuten. Den Neuanfang nutzen die Produzenten, um die Entstehung von Batman zu erläutern. Hierbei geht die Handlung nicht nur auf den Mord im Kindesalter des Protagonisten ein, sondern auch auf seine Ängste, Unsicherheiten, seinen Gerechtigkeitssinn und dessen Ausbildung.
Desweiteren befasst sich "Batman Begins" mit zahlreichen Großstadtproblemen. Dem Arbeitsmangel, Armut, Kriminalität und Korruption. Der daraus entstehende Rahmen ist ein düsteres Abbild einer sehr geteilten Gesellschaft. Nicht immer ist dies schlüssig, da die Vielzahl an Charakteren eher für die Handlungsfortführung genutzt wird.
Ein paar Längen muss man der Comicverfilmung schon vorwerfen. Viel Zeit geht für die Verhältnisse der Charaktere untereinander drauf. Ebenso, für den Weltenaufbau. Durch das erzählerische Tempo ist "Batman Begins" zwar selten langeweilig, allerdings häufig doch so überladen, dass das Folgen schwer fällt.
Ein weiteres Problem ist dann auch noch die Tatsache, dass dem Superhelden kein gleichaufer Gegenspieler geboten wird. Crane bzw. Scarecrow ist weder physisch noch aus seinem Intellekt heraus eine Bedrohung für den Helden, zumal er auch nur einen kleinen Teil der Handlung für sich einnimmt. Dafür hat "Batman Begins" ein paar Überraschungen parat.
Die Actionszenen sind gut in die lange Laufzeit verteilt, vermitteln aber keinen ausgereiften Eindruck. Die digitalen Effekte sind als solche schnell enttarnt und die kurzen Handgefecht leiden unter einem hektischen Schnitt. Unübersichtliche Bilder sind der Standard, der nicht gänzlich zufrieden stellt. Auch wenn einige Szenen angenehm brachial sind.
Besser dagegen macht es der orchestrale Soundtrack von Hans Zimmer. In Kombination zur düsteren Optik stellt sich mit ihm eine dichte Atmosphäre ein.
Sehr harmonisch interagieren die Darsteller untereinander. Christian Bale ("The Machinist", "Equilibrium") ist eine ideale Besetzung für die doch sehr wechselnden Ansprüche an seine Hauptrolle. Die Dynamik zwischen ihm und den sehr bekannten Schauspielern Michael Caine ("The Weather Man"), Liam Neeson ("Schindlers Liste", "96 Hours"-Reihe), Gary Oldman ("Harry Potter"-Reihe, "Air Force One"), Morgan Freeman ("Million Dollar Baby", "Die Verurteilten"), Tom Wilkinson ("Der Patriot") und Rutger Hauer ("Blade Runner") ist stimmig, wenn auch überwiegend nur kurzzeitig. Ein Jammer, dass dies nicht auch bei Katie Holmes ("Thank You for Smoking") der Fall ist, da sie die leicht eingebettete romantische Ausrichtung so garnicht zum Ausdruck bringt.
Cillian Murphy ("Sunshine", "28 Days Later") und Ken Watanabe ("Last Samurai") ergänzen die große Starbesetzung haben aber zu eingeschränkte Rollen um groß aufzufallen.
Für eine Comicverfilmung fehlt es "Batman Begins" an wirklich spektakulärer und mitreißender Action. Dafür bietet der Film etwas, dass es so in diesem Genre bislang selten bis garnicht gab: Eine detaillierte Charakterzeichnung des Superhelden und eine wahrlich intelligente und ausformulierte Handlung, die sogar einen gewissen Anspruch erreicht. Ein paar Längen weniger und dafür besser inszenierte Actionszenen hätten diesem Neustart eine ganz besondere Note gegeben.
8 / 10