Filme, in denen schwere Krankheiten thematisiert werden gibt es viele. Man denke nur an "Rain Man" mit Dustin Hoffmann, "Zeit des Erwachens" mit Robert De Niro oder "The Mighty", um nur mal drei gute Beispiele zu nennen. Wenn es darum geht, den Zuschauern Menschen nahezubringen, die mit Krankheiten zu leben und zu kämpfen haben, ist Hollywood ganz vorne dabei, wenn auch leider viel zu oft bloßes Betroffenheitskino dabei herauskommt. "Saving Milly", eine Verfilmung des Lebens der an Parkinson erkrankten Aktivistin Milly Kondrake schlägt in die selbe Kerbe, wenn auch das Ganze dennoch recht packend und wachrüttelnd in Szene gesetzt wurde.
"Saving Milly" erzählt, wie gerade erwähnt, von der Aktivistin Milly. In den 60er Jahren lernt sie den Journalisten Mort Kondracke kennen und trotz einiger Reibereien finden sie zusammen und gründen eine Familie. Doch eines Jahres zu Weihnachten erkennt Milly, dass etwas nicht ganz mit ihrer Körperbeherrschung stimmt, denn ihr kleiner Finger zuckt unkontrolliert. Schon bald bricht bei ihr die Parkinsonkrankheit in all ihren Facetten aus und ein Kampf um Leben und Tod beginnt. Nicht nur für Milly, sondern auch für ihre ganze Familie... Wer jetzt aus der wahren Geschichte herausliest, dass hier alles stark auf Emotionskino gesetzt wird, der hat definitiv recht. Auf Grundlage der wahren Geschichte von Milly, erstellte Drehbuchautor Jeff Arch, nach dem Buch von Morton Kondracke, so ziemlich genau das, was man aus Hollywood kennt. Sprich es wird vor allem die Krankheit stark in den Mittelpunkt gestellt, viele äußerst rührselige Szenen präsentiert und ein höchstes Maß an Sympathie für die Figuren aufgebaut, damit der Zuschauer auch wirklich zu Tränen gerührt wird, wenn die Hauptfigur mit ihrer Krankheit zu kämpfen hat. Wirkliche Spannung kann bei diesem Schablonenverfahren aber nicht aufkommen und eine gewisse Vorhersehbarkeit ist auch vorhanden. Aber nun gut.
Das "Saving Milly" insgesamt trotzdem funktioniert, liegt vor allem an der ehrlichen Umgangsweise mit der Krankheit. Die Parkinsonsche Krankheit, unter der auch viele bekannte Stars wie Michael J. Fox oder auch Muhammad Ali zu leiden haben, wird hier wirklich in all ihren Stadien gezeigt. Vom anfänglichen Zucken im kleinen Finger, bis hin zur völligen Unfähigkeit den eigenen Körper zu beherrschen, werden hier die einzelnen Stadien komplett aufgezeigt und sehr sensibel und mit Respekt zum Zuschauer geführt. Zudem wird auch die Machtlosigkeit und die äußerst geringfügige finanzielle Unterstützung der Forschung porträtiert und die Tatsache, dass die Krankheit noch immer nicht wirklich behandelt werden kann. Ohne dem Zuschauer dabei zu sagen, "los mach was", wird dabei auf eine Moralkeule verzichtet, was dem Ganzen ebenfalls sehr zu Gute kommt.
Aber das "Tränendrüßendrückprogramm" steht alles in allem aber eben doch immer wieder im Vordergrund. Von weinenden Managern, die über den Vortag des Ehemanns zu Tränen gerührt sind, über einige arg schwülstige Dialoge, bis hin zur extrem rührseligen Musik, drückt Regisseur Dan Curtis wirklich auf alle Knöpfe, die es braucht um den Zuschauer zum heulen zu bringen. Das dies aber eher den gegenteiligen Effekt hat, merkt man vor allem in der ersten Stunde, in dem einen das Geschehen, trotz des ernsten Inhaltes, erschreckend kalt lässt. Erst in der letzten halben Stunde, wenn die Krankheit vollkommen das Geschehen eingenommen hat, und man sich mit den Figuren in Einklang gebracht hat, rüttelt einem das Gezeigte auf, vor allem wenn sich dann auch Michael J. Fox in das Geschehen mit einklingt und glaubwürdig die Botschaft an den Zuschauer bringt. Hätte man von Anfang an dieses Niveau gebracht, hätte "Saving Milly" vielleicht ein richtiges Highlight werden können. Schade!
Für den ganz knappen Erfolg, im Wertungsbereich trotzdem noch im guten überdurchschnittlichen Bereich zu liegen, sind zudem die Darsteller verantwortlich, die wirklich allesamt rigoros ihre Figuren dem Publikum übermitteln. Bruce Greenwood und Madeleine Stowe gehören vielleicht nicht zu den ganz Großen in Hollywood, doch als Charakterdarsteller beweisen sie hier einmal mehr ihr Können. Vor allem Stowe stellt ihren erkrankten Charakter mit einer Glaubwürdigkeit dar, die fast schon Oscarverdächtig erscheint. Aber auch alle Nebendarsteller können überzeugen.
Fazit: Extrem auf Betroffenheitskino gebürstetes Drama, um eine der schlimmsten Krankheiten, mit der die Menschheit noch immer zu kämpfen hat: Parkinson. Sehr ehrlich im Umgang mit der schlimmen Krankheit und mit glaubwürdigen Charakteren besetzt, kann das Drama vor allem auch durch seine Hauptdarsteller überzeugen. Schade nur, das vor allem die erste Stunde sehr dickflüssig ausgefallen ist und erst die letzte halbe Stunde das Ziel, den Zuschauer emotional aufzurühren, erreicht. Aufgrund des wichtigen Inhaltes ist der Streifen sicher bedenkenlos zu empfehlen, aber auf eine Ablenkung für die erste Filmhälfte und auf Taschentücher in der zweiten Filmhälfte kann dabei dennoch nicht verzichtet werden.
Wertung: 6,5+/10 Punkte