Review

„Gewidmet Russ Meyer in aller Freundschaft“

Diese Texttafel eröffnet einen Film, der es sich zur Aufgabe gemacht hat, die deutsche Seelenlage nach der Wiedervereinigung im möglichst trashigen Kostüm abzubilden.
Wer sich bei so einer Ausgangsidee nicht am Kopf kratzt, darf sich gerne als aufgeschlossen gegenüber abseitigen Filmen bezeichnen. Man glaube aber nicht, dies reiche aus, um den Film dann zu einem persönlichen Fest werden zu lassen, denn selbst mit der härtesten Es-ist-Trash-und-das-macht-Spaß-Einstellung wird man hier nicht weit kommen.
Dazu ist der Film einfach zu schlecht. Haha.
Vordergründig verpflanzt der Film Wilhelm Buschs bekannteste Lausbubengeschichte in die Jetztzeit, indem er aus Max und Moritz zwei 13-jährige Vertreter neudeutschen „Subproletariats“ macht, die ihr Dasein mit ihrer alleinerziehenden sexsüchtigen Mutter nur ertragen, indem sie im Alkopop-Rausch Autos und Schaufenster knacken.
Als sie es dann mit einem gestohlenen Fahrzeug und einem sexuellen Übergriff auf zwei Töchter eines Hamburger Senators endgültig zu weit treiben, werden sie kurzerhand in ein Boot-Camp nach Thüringen verfrachtet, wo ihnen von zwei schwulen Ex-NVAlern ein paar soziale Werte anerzogen werden sollen.
Unter dieser sich offen zum totalen Schwachsinn bekennenden Oberfläche läuft leider nichts, was diesen Film auch nur ansatzweise anschaubar gestalten könnte.
Die Dramaturgie humpelt vor sich hin, Szene wird an Szene gereiht, an allen Ecken und Enden fehlt es an Tempo, welches die strunzdummen Einfälle des Drehbuchs wenigstens kaschieren könnte. Als einziges inszenatorisches Merkmal sind die unzähligen Farbfilter auszumachen, die Thüringens Natur auch schon mal in eine gelbflimmernde Wüste verwandeln (ein Kommentar zu Kohls „Blühenden Landschaften“, dünkt mir). Seine Grundidee, die Auslotung deutsch-deutscher Befindlichkeit, vergisst der Film selbstredend auf halber Strecke. Wen es interessiert: Diese Thematik gipfelt in einer Szene, in der unsere zwei Wessi-Asi-Kids ihre Camp-Ausbilder fragen, ob denn in der DDR alles schlecht war. Deren Antwort besteht in einer Videobeamer-Vorführung eines Eislaufs von Kati Witt, zärtlich am Keyboard mit den Klängen von „Karat“ begleitet. Schluchz. Und wo wir gerade bei der Musik sind: Bis auf die beiden titelgebenden Lümmel bekommt hier jeder Charakter eine oder mehrere Gesangseinlagen verpasst, welche sich auch noch unendlich hinziehen. Schauspielerführung ist nicht erkennbar, jeder der Beteiligten scheint am Set spontan seine Rolle erfunden zu haben. Das führt im besten Falle zu einem Ben Becker, der sich sichtlich über seine Rolle als faschistischer Lude (!) freut und munter vor sich hin kaspert, im schlimmsten Fall zu der absolut blutleeren Performance von Franziska Petri, die als engelsgleiche Sozialarbeiterin den einen oder anderen Sekundenschlaf meinerseits (und der Mitguckenden, soviel zum Thema „Partyfilm“, vergesst es!) zu verantworten hat. Aber das ist ja alles letzten Endes auch völlig egal.
Kann man einem Film, der sich ehrlich zum Trash bekennt, vorwerfen, dass er schlecht ist? Muss man zwischen langweiligem und unfreiwillig komischem (und somit wieder unterhaltsamen) Trash unterscheiden? Selten liegt die Wahrheit dermassen im Auge des Betrachters wie bei diesem Genre. Was dem einen auf seltsame Weise sympathisch ist, zwingt den anderen nach fünf Minuten zum Abschalten.
In diesem konkreten Fall kommt man aber nicht umhin, zu sagen, dass der Humor hier eine volle Bruchlandung hinlegt. Szenen, die als großer Gag geplant sind, sind eindeutig als solche identifizierbar und wirken natürlich nicht für fünf Pfennig. Ja, so soll Trash doch sein, höre ich sie jetzt rufen. Na, dann schaut ihn euch mal an. Vielleicht trifft das ja so manchen Geschmack.
Geschmack, das Stichwort, wenn man über Trash redet. Der muss natürlich auf der Strecke bleiben, der Gute. Hier wird nicht nur geflucht, gesoffen und geschossen (das soll es ja auch in anderen Filmen geben, habe ich mir sagen lassen), nein, hier werden auch Kinder angepinkelt, in Brand gesetzt und erschossen. Natürlich nicht grundlos, denn diese Kinder haben ja schließlich auch eine Frau im Schlaf vergewaltigt und sie geschwängert, das gehört natürlich bestraft (obwohl es der Frau gefallen hat). Dem aufmerksamen Leser wird beim Lesen dieser Zeilen nicht entgangen sein, dass der Film eine doch recht menschenverachtende Geisteshaltung mit sich spazieren führt. Oder ist dies vielleicht nur die Geisteshaltung vom ollen Busch, die jetzt einfach nur ein Update (oder Reload, wie der Titel ja schon andeutet) erfahren hat? Die Geschichten vom ollen Wilhelm waren ja auch sehr grausam, könnte man argumentieren. Muss man aber nicht. Man kann den Film auch nehmen, wie er ist:
Als eine peinliche Zeitverschwendung.

Schön, dass jemand bereit war, auch in Deutschland entgegen aller Gepflogenheiten einfach mal eine sinnfreie Trashgranate mit gehobenem Budget rauszuhauen.
Schade, dass es dann gleich so ein Mist wurde. Aber vielleicht war der ja genau so gewollt.

Ach ja, bevor ich diese DVD dem Videothekar meines Vertrauens an den Kopf warf, warf ich noch einen kurzen Blick auf das Bonusmaterial, insbesondere auf das Filmchen „Max und Moritz in St. Pauli“. Hmmm. Das heisst AUF St. Pauli, ihr Suppentrullis!

Details
Ähnliche Filme