So, Die verlorene Ehre der Katharina Blum, da haben wir mal wieder einen Film aus der Sparte:
"Das Buch gefiel mir schon nicht sonderlich und jetzt wurde ich im Deutschunterricht auch noch gezwungen die Verfilmung davon anzusehen."
Und oh Wunder, der Film ist auch kein Kracher.
Zum Inhalt:
Katharina Blum (Angelika Winkler) ist ein armes, unschuldiges Mädchen mit einem dicken Auto. Auf einer Feier lernt sie dann Ludwig Götten kennen, einen gesuchten Verbrecher. Diesen wildfremden jungen Mann (übrigens gespielt von Jürgen Prochnow) nimmt die sonst so schüchterne Katharina natürlich sofort mit nach Hause. Als die Polizei am nächsten Morgen dann ihre Wohnung stürmt, ist er allerdings schon über alle Berge und die gute Kathi wird zum Verhör abgeführt. Dort wird ihr dann vom grimmigen Kommissar Beizmenne (Mario Adorf) vorgehalten, Götten länger gekannt zu haben und so eine Art Komplizin von ihm zu sein. Katharina beteuert natürlich weiter ihre Unschuld. Am Morgen danach erscheint sie dann auch schon groß auf der Titelseite der "Zeitung" und wird dort als Räuberliebchen bezeichnet, deren Wohnung schon seit Jahren ein Zentrum für Bandentreffen und ein Waffenumschlagsplatz gewesen sein soll. Inzwischen gibt es natürlich auch wieder ganz viele Leute, die den Anschuldigungen dieser größten, deutschen Tageszeitung glauben und Katharina Drohbriefe und dergleichen senden. In der 2. Vernehmung wird Katharina dann vorgeworfen, dass sie mit ihrem Auto viel weiter gefahren sein muss als nur zu ihrem Arbeitsplatz und zurück bzw. zu Besuchen von Mutter und inhaftiertem Bruder. Auf Glaubwürdigkeit bedacht, erzählt sie den Polizisten, dass sie gelegentlich ziellos durch die Gegend fährt. Dann folgt mal wieder eine spannende Hausdurchsuchung. Jetzt wird ein Ring gefunden, der nach Angaben von Kommissar Beizmenne 8000-10000 Mark wert ist. Katharina wusste das natürlich nicht und sagt auch den Namen des Mannes nicht, der ihn ihr gab. Dann kommen wieder wunderbare Sensationsmeldungen aus der Presse zum Vorschein. Demnach ist sie eine Betrügerin und Verräterin. Zwischendurch wird Götten festgenommen und weggesperrt, wie es sich für einen Raubmörder gehört. Nun entscheidet sich Katharina zu einem schweren Schritt. Sie verabredet sich mit Werner Tötges, der sich übrigens für die vielen Zeitungsberichte über sie verantwortlich zeichnet, um mit ihm ein Exklusivinterview zu führen. Da Tötges aber ein typisches Journalistenschwein ist, wird er zudringlich und Katharina erschießt ihn.
So weit also die Geschichte. Größtenteils hält sich dieser Film an die Buchvorlage von Heinrich Böll. Die Erzählweise ist allerdings geradliniger geraten und einige im Buch nur angedeutete Dinge wurden als Tatsachen realisiert. Über den Inhalt möchte ich gar nicht viel sagen, nur, dass es wohl so eine Art Rache Heinrich Bölls gewesen ist, hatte ihn die Presse doch selbst einst verschmäht. Die "Zeitung" ist hierbei ganz klar das Synonym für die Bildzeitung. Die Kritik, die im Buch noch ganz klar rüberkommt und mit zum Teil beißender Ironie umgesetzt wurde, geht im Film leider manchmal ziemlich unter. Ein weiteres Problem ist die Hauptdarstellerin. Schwach, leise und blass mogelt sie sich irgendwie durch den Film ohne ein einziges Mal richtig aufzufallen. Sie geht dann sogar regelrecht unter wenn Mario Adorf alias Beizmenne sie in der Mangel hat. Überhaupt war Adorf in diesem Film einer der wenigen Schauspieler, denen man die Rolle abgenommen hat. Zu viel Durchschnitt liegt in diesem Film vor. Aber wenn man denkt, es geht nicht schlimmer, wird man noch mal eines besseren belehrt, denn es gibt ja noch die Familie Blorna, für die Katharina arbeitet. Derartig gelangweilte Schauspieler sind mir wohl noch nie untergekommen. Zum Glück haben sie nur wenige, relativ unwichtige Szenen.
Atmosphärisch kann der Film auch nicht überzeugen. Gibt es im Buch noch so was Ähnliches wie eine Spannungssteigerung, langweilt der Film bis zum Schluss. Die Optik ist trostlos, farblos, grau. Das wichtigste am Buch war, den psychischen Druck darzustellen, der auf Katharina lastet. Auch das ist nur zum Teil gut umgesetzt worden (Die Szene, in der sie ihre Wohnung ein bisschen zerstört).
Ich kenne so einige Leute, die diesen Film in den Himmel loben. Ich kann es nicht, liegt wahrscheinlich auch daran, dass ich mit dem Buch schon nicht viel anfangen konnte. Bei meiner Deutschlehrerin musste ich mich in Sachen Bewertung damals noch zügeln um eine gute Note zu bekommen ;-).
Hier muss ich es nicht, deshalb: 4/10