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Deutschland in den 70ern: Auf der Jagd nach dem Verbrecher Götten kommt die Polizei unter Führung des rabiaten Einsatzleiters Beizmenne (Mario Adorf) dessen Geliebter Katharina Blum auf die Spur. In einer Blitzaktion wird ihre Wohnung gestürmt. Doch Götten ist bereits verschwunden. Katharina wird verhört, ihre Wohnung durchsucht - und ihr Leben von der sensationsgierigen Presse systematisch zerstört. Die Hetzkampagnen der berühmtesten Zeitung treiben sie schließlich in die Katastrophe.


Im so schlichten wie packenden Stil des deutschen Autorenkinos der 70er-Jahre erzählt Volker Schlöndorff eine Geschichte, wie sie sich bis zum heutigen Tage in etwa abspielen könnte. Im Mittelpunkt steht die Rolle der Presse, die zwar als Informationsorgan für das Volk unerlässlich ist, die sich insbesondere in vielen Boulevardblättern allerdings diesen Status zu nutze macht, um ungeniert nach immer spektakuläreren Sensationen zu suchen. Doch in diesem Film steckt noch viel mehr - vor dem zeitgeschichtlichen Hintergrund der politischen Unruhen und des RAF-Terrorismus des Deutschen Herbstes entwickelt sich ein eindringliches und beklemmendes Bild eines Staates, der seine eigenen demokratischen Anschauungen und Werte verrät, um eben diese zu schützen. Die unantastbare Übermacht, mit der hier Polizei, Staatsanwaltschaft und Presse über das Schicksal einzelner Menschen entscheiden, zwingt dem Zuschauer das Bild eines totalitären Überwachungsstaats direkt auf.

Doch so leicht macht es sich der Film nicht. Es ist nicht der unschuldige, brave Bürger, der hier in die außer Kontrolle geratenen Mühlen der Justiz und der Medien gerät - nein, Katharina Blum lügt sie hat tatsächlich etwas zu verbergen und ist den gegen sie vorgebrachten Vorwürfen zu nahe, um sie als bloßes Opfer darzustellen. So gelingt es dem Film, die Komplexität einer Gesellschaft nachzuzeichnen, in der die Überzeugung von der eigenen Sache auf beiden Seiten zu gefährlichem Extremismus führt. Getragen wird der Film dabei vom grandiosen Mario Adorf - seine Szenen sind die intensivsten und spannendsten.

Natürlich geht vieles der eindringlichen Gesellschaftskritik auf die geniale Vorlage von Heinrich Böll zurück; doch in diesem Fall war die Werknähe des Films besonders wichtig und ist deshalb umso höher zu loben. Ein kraftvoller und aufwühlender Politfilm, der auf beißend sarkastische Weise wichtige Fragen nach der "realen Demokratie" aufwirft.

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