Review

Der 1975 entstandene Film „One Man against the Organisation“ war, nach 25 Jahren der Regiearbeit Sergio Grieco's, der, zu diesem Zeitpunkt, dreißigste Film des 1917 in Venetien geborenen Italieners. Mir ist film- biografisch nur sein letzter Film „Der Tollwütige“ mit Helmut Berger von 1977 bekannt, der mir aber, im Wesentlichen, viel besser als dieser Film hier gefallen hat. Das liegt zum Einen daran, dass der Tollwütige eine dichte und bedrohliche Atmosphäre durch Schauspiel und Inszenierung aufweist, während der hier besprochene, andererseits, nunja, von alledem ein bisschen sein will, nichts davon aber richtig packend umzusetzen versteht.  

So zieht der im vorliegenden Film leider schlecht geschriebene Hauptcharakter Steve Barren, gespielt von Howard Ross, über ein nicht näher definiertes Saugsystem, das in seiner Jacke versteckt ist, offensichtlich eine millionenschwere Drogenlieferung direkt aus einem Koffer am Flughafen in die Tiefen seiner Bekleidung. Gemeinsam mit seiner Freundin, Karin Schubert, gibt er vor, den gestohlenen Stoff verkaufen zu wollen, letztlich ziehen sie die Interessenten aber ab und müssen von daher schauen, wie sie mit dem geklauten Geld der dubiosen Rebecca Rosenbaum schnellstmöglich und unversehrt nach Spanien abhauen können, wobei Rosenbaum's Schergen ihnen dabei stets dicht auf den Fersen sind. Zum Glück hat Barren einen polizeilichen Dienstausweis. Aber ist er auch ein Cop? 

Howard Ross, den ich in „L'Immoralita“, dem „NY Ripper“ und „Der Teufel führt Regie“ stets sehr passend bis gar passabel fand, schaffte es hier einfach nicht mich auf seiner Flucht vor der Häschern abzuholen. Zu unzusammenhängend werden die episodenhaften Fragmente, die die Geschichte erzählen, abgenudelt. Auch, als die Verbrecher ihm auf der Reise nach Spanien seine Frau entführen, um ihn zur Übergabe des Geldes zu animieren, und ihr gegenüber dann in der Gruppe übergriffig werden, fehlt diese bedrohliche Stimmung, wie sie Helmut Berger mit Leichtigkeit ein paar Jahre später hinzurotzen verstand.

Zu seicht empfand ich hier auch Schuberts Figur, der Schlimmes widerfährt, aber die Geschichte arbeitet es einfach nur ab, ohne einen bleibenden Eindruck zu hinterlassen. Man leidet so wenig mit, wie man mitfiebert. Das ließ das Ganze für mich im Verlauf des Films immer uninteressanter und unglaubwürdiger erscheinen. Als dann auch noch die Demaskierung Rosenbaums geschah, und wirklich niemand es gewusst haben will, nunja... 

Es läuft und es läuft, the show must go on, klar, aber Spannung oder wirkliche Überraschung gibs leider nicht. 

Eine kleine Gangstergeschichte, aber keine wirklich gute. 

Action ja, ist vorhanden, ich denke da vor Allem an die Jagd mit dem Helikopter, allerdings findet diese erst in den letzten Minuten des Filmes statt und ist eigentlich auch eher unspektakulär. Bis zum Finale hab ich mich tatsächlich mehrfach gefragt, wann es denn nun endlich mal losgeht, und das, obwohl sich bereits an einer Seilbahn gehauen wurde und es eine weitere, doch recht schön gefilmte Sequenz gab, in der eine der Verbrecherinnen mit dem Auto versuchte, aus einem abgesperrten Bereich der Polizei zu entkommen. Da kam tatsächlich ein klein wenig Stimmung auf, leider hält sich die aber nicht und wird durch den schludrigen Stil, den Grieco hier fährt, insgesamt  auch schnell wieder zunichte gemacht... 

Die Musik von Luis Enriquez Bacalov war ganz okay und ich empfand sie noch als das Beste an dem Ganzen. Dann wars aber plötzlich auch schon vorbei, der Abspann lief, und ich fragte mich, was das jetzt eigentlich gewesen sein soll. Ein ernst zu nehmender Film wie später der Tollwütige schon mal nicht, das war klar. Ross ist nun mal kein Berger, seine hier andauernd dargelegte coolness nahm ich ihm zu keinem Zeitpunkt ab und auch alle anderen Schauspieler gaben keine nachhaltige Leistung ab, die sich mir ins Gedächtnis gebrannt hätte. Auch der vorhandene Humor war eher nicht der Meinige.

Die Story war ebenfalls eher mau und im Ganzen nichts, was einen bleibenden Eindruck hinterlassen könnte. Das besondere Etwas, Aha Erlebnisse, Emotion, Fehlanzeige, ebenso, wie es in zig anderen Filmen des Eurocrime bessere Action und stringentere Atmosphäre und Styles gibt, inklusive ernst zunehmenderer Hauptfiguren und einer interessanteren Storyline. 

Was bleibt also? Eine kleine, nicht wirklich bemerkenswerte Reise von Italien nach Spanien für die, die ansonsten schon alles gesehen haben. Ein paar schöne Momente hier, ein bisschen swingende Musik da, aber leider nichts wirklich besonderes oder gar nachhaltigeres.  

Von mir knappe 5 von 10 Rosenbäumen.

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