Man hört den Sonntagnachmittag schon rufen: “Oh, oh, hier, ich!” Und wenn die Sendeplätze vergeben werden, hat er auch die allerbesten Chancen.
Unter normalen Umständen würde ich sagen: Wenn nicht gerade die Sitcom-Stars Ray Romano und Kevin James die Hauptrollen spielen würden, würde sich kein Schwein um diese fade Komödie scheren. Der Punkt ist aber: Es schert sich tatsächlich kein Schwein um sie! Warner vertüddelt da eine Backkatalog-DVD irgendwo auf den hinteren Seiten des Bestands und auf dem Cover prangt halt der Button “mit dem Star aus King of Queens” (Romanos Sitcom “Alle lieben Raymond” hat ja in Deutschland bekanntlich keine Lobby). Da behaupte ich mal, alles in allem hätte man das wesentlich besser vermarkten können, zumal der Streifen mit dem Produktionsjahr 2006 noch taufrisch ist - frischer gar als “Hitch”, in welchem Kevin James Will Smith die Show stahl. Und wenn sich das Ding dann endlich wie warme Semmeln verkauft hätte, DANN hätte der böse Rezensent kommen und mit aller Selbstherrlichkeit die Durchschnittlichkeit feststellen können, die da eben zu dem essentiellen Urteil führt: Wenn nicht gerade die Sitcom-Stars Ray Romano und Kevin James die Hauptrollen spielen würden, würde sich kein Schwein um diese fade Komödie scheren.
Der schwach ausgeprägte Bekanntheitsgrad der Vertreter-Komödie alleine soll ihr aber nicht zum Vorteil gereichen und so bleibt das Urteil bestehen: Was gerade in Anbetracht des ohnehin eingespielten Buddy-Couples (Romano hatte diverse Auftritte in James’ “King of Queens” und umgekehrt) ein echter Knaller hätte werden können, sieht im Endeffekt aus wie ein unüberlegter Schnellschuss, der nichts weiter hat als seine beiden Stars. Nun, so mag der Optimist frohlocken, das reicht doch. Kann Kevin James überhaupt unlustig sein?
Er kann. Ich hätte es selbst nicht geglaubt, aber er kann.
Es ist vielleicht die brühwarme Hitze, das sommerliche Flair von L.A., das aber nicht selten an Miamis Strandkulissen erinnert und somit auch ein klein wenig an die “Bad Boys”-Filme, die ja doch eher cool als komisch rüberkommen sollten. Irgendwas passt nicht mit der Atmosphäre. In ihren maßgeschneiderten TV-Studios hatten beide das angenehmere Isotop als hier im auf Breitbildformat getrimmten Hochglanz.
Sowohl James als auch Romano spielen eigentlich Typen, die Raymond und Doug nicht unähnlich sind: sie befördern sich gemeinsam von einer schrägen Lage in die nächste, die dann noch schlimmer ist. James darf wieder ein bisschen physische Komik ausüben und Romano verdutzt daneben stehen und für einen trockenen Kommentar gut sein. Sogar die Stammsynchronisation konnte für beide Hauptdarsteller gewonnen werden. Und dennoch: es ist einfach nicht lustig.
Der Anspruch dieser Arbeit dürfte zwar ganz einfach ein anderer sein als derjenige in den Sitcoms, aber für eine richtig trockene Satire auf das Vertretergeschäft ist “Grilled” nicht intelligent genug. Auf das Niveau des letztlich auch nicht befriedigenden Ensemblestücks “Glengarry Glen Ross” kommt er in hundert Jahren nicht und rechnet man nun noch die Ansprüche des Publikums an einen Film hinzu, der immerhin von zweien ihrer liebsten TV-Darsteller getragen wird, so pendelt die Komödie unentschlossen zwischen Klamauk und so etwas wie einer hintergründigen Moral hin und her. In Bezug auf das, was die Stars versprechen, löst das Resultat zu wenig ein.
Die “Moral” ergäbe sich ganz einfach daraus, was die durchaus willigen Vertreter alles tun müssen, um endlich Erfolg zu haben und in welchem Missverhältnis Aufwand und Erlös in der Branche stehen. Die Struktur ist darauf aufbauend so geordnet, dass die Geschichte ziemlich realistisch beginnt und sich zunehmend in Übertreibungen aufwiegelt, so dass es ab der Filmmitte zu einer Anhäufung von immer verschachtelteren tarantinoesken Situationen kommt. Die sind aber nie wirklich komplex oder verspielt, sondern oft sehr plump und linear von einer Szene zur nächsten übertragen. Angenehm ist höchstens, dass dasjenige, was in Ansätzen an Tarantino erinnert, eigentlich nur eine Begleiterscheinung der “Was muss ein Vertreter alles tun, um endlich zu verkaufen”-Idee ist und gar nicht unbedingt darauf abzielt, wie Tarantino zu sein - wobei Ausnahmen die Regel bestätigen, da Mätzchen wie der “Trunk Shot” durchaus vorkommen. Dennoch kann man die plumpe Struktur somit noch ganz gut verkraften.
Eher hat “Grilled” viel gemeinsam mit Komödien wie “Lucky Numbers”, "Hawaii Crime Story" oder “Oscar”. Dabei geht es aber immer und immer wieder nur um den Vertragsabschluss, der - wie soll es anders sein - in der letzten Sekunde vereitelt wird, als sich ein neues Türchen im irrsinnigen Alltag der verzweifelten Fleischverkäufer öffnet. Und so geht das immer weiter bis zum Schluss, als auch noch Burt Reynolds das Parkett betritt. Zu ihm fiel den Castingleuten auch wieder nichts Originelleres ein als ihn den dreckigen Geschäftsmann im blütenweißen Anzug spielen zu lassen. Was aber auch Michael Rapaport betrifft, der schon wieder den Gangster mit der Ungeduld im Abzugfinger macht, und Juliette Lewis, die erneut das besoffene Rotzgör mimt.
An “Grilled” ist nichts wirklich Herausragendes dran. Er wirbt mit dem ersten gemeinsamen Auftritt der Sitcom-Freunde Ray Romano und Kevin James und nicht ganz zu Unrecht vertraut man darauf, dass alleine durch diese Besetzung schon einiges geht im Film-Regiedebüt des Serien-Regisseurs Jason Ensler. Aber dafür, dass sich die Beiden so gut kennen und eigentlich im Halbschlaf fantastisch miteinander harmonieren müssten, kocht enttäuschenderweise eher jeder sein eigenes Süppchen und das gar nicht mal so lecker. Schuld könnte das Umfeld sein, denn weder das Drehbuch noch dessen Umsetzung sprechen wirklich für den Sprung aufs Filmparkett - da hätte man Kevin James und Ray Romano unbedingt eine andere Bühne bieten müssen.
In der Metapher des Steaks gesprochen: schwach marmoriert, blasse Färbung und nur eineinhalb Zentimeter dick. Wer hier zum Vertragsabschluss kommt, wird sich wahrscheinlich hinterher verarscht fühlen...