Review

Es sei betont, dass ich an dieser Stelle aus keinen Nähkästschen plaudere. Aber angenommen, man wäre an einem sonst Ereignissen Samstagmittag in einem berüchtigten deutschen Kino bei einem Doppelfeature zugegen, dass aus DIESEM Film hier und dem Ornella Muti-Fummeklassiker "Ein Sommer voller Zärtlichkeit" besteht, dann hat man mit Frau Mutti vielleicht seinem Hormonhaushapt einen großen Gefallen erwiesen, jedoch bliebe "Nächte des Grauens" der überlegenere da auf allen anderen Ebenen interessantere Film. Da ist der mangelnde Sexappeal von André Morell durchaus verzeihlich, wie ich finde.

Geändert hat sich an meiner Meinung etwas mehr als zehn Jahre Nacht meiner Erstsichtung nicht. Im Gegenteil: ich fühlte mich mal wieder daran erinnert, zu wenig aus dem Hause Hammer Films gesehen zu haben und gelobe Besserung. De facto war das hier mein erster Ausflug in die berüchtigten Bray Studios, die andere vor mir traditionell in wahlweise Begleitung Peter Cushings oder Christopher Lees betraten. Als Einstieg in die Welt des legendären britischen Horrorstudios eignet sich dieses kritische Zombiemär so gut wie die richtigen Klassiker der Firma.

Als junger Landarzt hat man es nicht leicht, am allerwenigsten, wenn die Patienten aus Angst vor mangelnder Kompetenz ausbleiben oder scheinbar reihenweise an einer mysteriösen Krankheit versterben. Aus diesem Grund bittet Jungmediziner Peter Thompson seinen Freund und Mentor Sir James Forbes um Hilfe, der sogleich mitsamt Tochter im ländlichen Cornwall auftaucht und von der schroffen Land Bevölkerung gar nicht wohlwollend begrüßt wird.

Es stellt sich heraus: Der frisch gebackene Kollege konnte bisher keine Diagnosen stellen, da die Anverwandten seiner Patienten ihm jede klären de Autopsie verweigern, was ganz im Interesse des herrschen Grafen Clive Hamilton zu sein scheint, der mit seinem dekadent-asozialen Freundeskreis Unfrieden in der Bevölkerung stiftet, wo es nur geht. Der ist nämlich in die Künste des Voodoo eingeweiht und Schuld am Ableben - oder besser Verschwinden - der Bewohner. Als Thompsons Frau Alice durch die Hand eines von Hamilton erschaffen Zombies verstirbt und durch einen anderen Forbes Tochter Sylvia entführt wird stellen sich beide Hamilton entschlossen in den Weg.

Auf den ersten Blick haben wir es nur mit einem simplen Schauermär mit Voodoohintergrund zu tun. Es braucht aber kein Gescjichtsstudium, um zu erahnen, dass da zwei unschöne Kapitel britischer Historie verarbeitet werden. Zum einen ist da das obskure kleine Geschichtchen um den ominösen Hellfire Club, einer dekadenten Oberschicht Bande, die für ihr ausschweifendes Leben Bar jeder Moral bekannt war, zum anderen stellen sich unsere beiden diensthabenden Ärzte entschieden der Unterdrückung und dem Kolonialismus entgegen. Könnte man zumindest meinen. Ob Drehbuchautor Peter Bryan dies vorschwebte oder das nur meine fixe Idee ist sei mal dahingestellt, wenn dem so sein sollte hat Bryan aber ein besonders perfides Szenario entworfen, bei dem Unterdrücker Hamilton mit Voodoo tatsächlich eine Religion als Joch gegen sein eigenes Volk zu Felde führt. Warum sollte klar sein: Zombies arbeiten unermüdlich und streiken selten.

So ganz nebenher versetzt einen der Film von Zauberhand in Zeiten zurück, als man sich noch vor dem Ding aus einer anderen Welt fürchtete und die Lust an der Angst noch keinen Ketchup als Anreiz brauchte. Eine Szene lässt zwar sehr wohl den Hershell Gordon Lewis heraushängen, stellt aber eine Ausnahme innerhalb einer Regel dar. Der Rest des Filmes holt seine Stimmung größtenteils aus der hammertypisch opulent gefüllten Kostümkiste und dem Charme britischer Altbauten und knarziger Pubs. Die offensichtliche Schönheit Cornwall soll hier abschließend nicht unerwähnt bleiben. 

Ich hatte mal wieder großes Vergnügen mit diesem Schauermär und bin in Sachen Hammer-Horror einmal mehr angefixt. Wird mal Zeit, meinen massiven Nachholbedarf in Sachen Gruselkino mehr in diese Richtung zu lenken. Es hat sich bereits mehrfach gelohnt. 

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