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So kann man sich von Covertexten täuschen lassen: "Die junge Krankenschwester Isabelle erleidet einen Ohnmachtsanfall. Sie erwacht bei Dr. Philipp, der sie fortan liebevoll-ironisch „Bambi“ nennt. Isabelle fühlt sich von dem attraktiven Arzt angezogen, doch sie traut ihm nicht. Er spukt Tag und Nacht durch die Klinikflure und scheint etwas zu verbergen. Als eine Patientin nach der anderen verschwindet glaubt Isabelle dass Dr. Philipp dahinter steckt. Im Krankenhaus beginnt ein tödliches Katz-und-Maus-Spiel“.

Na das klingt doch ganz interessant sollte man meinen. Weit gefehlt, denn alles in diesem Text ist zwar nicht komplett gelogen aber doch stark beschönigt. Bis Madame einen Ohnmachtsanfall erleidet, sind schon stramme 25 Minuten vergangen, die eigentlich nur sinnlos-banales Krankenschwester-Geplapper beinhalten. Das sich „Bambi“ von dem Arzt angezogen fühlt, kann man eigentlich nur erahnen, denn die schmachtenden Blicke gegenüber ihrem Freund sind wesentlich eindeutiger. Oder sollten mir da im Halbschlaf hocherotische Avancen entgangen sein? Bis die erste der oben erwähnten Patientinnen verschwindet, vergehen unfassbare, quälend lange 55 Minuten. Und das tödliche Katz und Maus Spiel entspricht nicht mal annähernd einem Standard-Showdown von Steven Seagal-Filmen.

Merkwürdig auch, das der Arzt von allen weiblichen Wesen der Station angebetet wird, sich seine sexuellen Erlebnisse aber dann doch bei schlafenden Patientinnen holen muss. Herrgott dann hätte er eben reihenweise die Schwestern flachlegen sollen und das ganze wäre dann wenigstens ein gescheiter Porno geworden. Aber das hier? Ein Thriller? Wo war denn da bitte der Thrill?

O.K., auf der Coverrückseite wurde in orangenen Lettern das schicke ZDF Logo platziert. Der Sender hatte bei dieser Produktion wohl in irgendeiner Form die Finger im Spiel. Wenn man mal genauer drüber nachdenkt, aus welcher Altersschicht das Kernpublikum dieser Institution besteht, weiß man dann doch wo der Hase langläuft, da diese Menschen mit Sicherheit schon bei einer neuen Folge von „Der Alte“ die Dosis ihrer Herzpillen verdoppeln müssen um die Spannung auszuhalten. Die gleiche Zielgruppe könnte vielleicht auch „Wer tötete Bambi“ als nervenaufreibend empfinden.

Das Mädel macht ihre Sache gar nicht mal so übel, sie verkörpert ihre Rolle durchaus glaubwürdig, während dieser Dr. Philipp vollkommen unerotisch wie ein ungelenker Stelzbock durch die Szenerie wackelt und die anderen Krankenschwestern dem armen Zuschauer mit ihrem ständigen Gegacker den letzten Nerv rauben.

Zudem muss der zuständige Premiere-Kritiker, der sich zu diesem kostengünstigen Valium-Ersatz ausließ, wohl eine, in bester Hoyzer-Manier, hohe Geldsumme erhalten haben, denn seine Beschreibung „Der Geist Hitchcocks verknüpft mit Lynchs Atmosphäre“ hat mit diesem Film soviel zu tun wie Angela Merkel mit einer Favoritenstellung bei der nächsten Miss Deutschland-Wahl.

Fazit: 110 Minuten gähnende Langeweile und wem das nicht reicht, der kann sich auch noch den Directors Cut antun, der auf einer Bonus-Disk dabei ist. Na dann gute Nacht!!

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