Review

Da haben wir also den ersten voll computeranimierten SF-Film inclusive der menschenähnlichsten PC-Nachbildungen aller Zeiten aka Dr.Aki Ross mit ihren 42000 nachzählbaren Haaren. Das ist ein wahres Wunderwerk. Nur schade, daß nicht gleichzeitig ein einigermaßen passabler Film mitgeliefert wurde, der außer technisch schönen Bildern auch eine nicht überall geklaute Geschichte bar jeder Emotionen präsentiert, die uns bei Ansicht ungefähr so tangiert wie ein Grashalm während eines Waldbrandes.

Ja, es ist schon deutlich Endzeit-Sf, die uns hier um die Ohren gefetzt wird, d.h. wir wären froh gewesen, wenn es etwas gefetzt hätte. Aber leider plätschert die Story nur vollends vorhersehbar vor sich hin, nimmt auch in Actionsequenzen kaum Geschwindigkeit auf und endet nah einem superplatten Showdown mit Aaaargh-Dialogen bei einem Heile-Welt-Bild, daß sich vor einem Kommentar oder einer Frage nach dem "Und nu?" verschließt.

Dabei können uns die Asiaten sonst doch so brandheiße Daueractionmangas schmieden, daß man kaum noch weiß, was vor sich geht. Und hier waren reichlich davon beteiligt. Aber die hatten wohl nur den Auftrag, eine Story umzusetzen, die wir aus x Post-Doomsday-Filmen bereits kennen, angereichert mit etwas zeitgemäßer Natur-Mystik und dann einem komplett bei Aliens und Epigonen geklauten Plot rund um eine Gruppe von Marines, die unserer Frau Doktor unter Einsatz und Aufgabe ihres Lebens unter die Arme greifen, auf das sie die Geister neutralisiere. Dazu ein Militär aus dem Computer (eigentlich sind ja alle von da), so pappmacheehaft, wie es nur möglich ist, mit dicker Riesenkanone im All, der noch aufs Knöpfchen drückt, wenn ihm seine Station bereits um die Ohren fliegt.

Wirklich unerträglich dabei ist die absolute Unemotionalität des ganzen Geschehens. Da sind wirklich reichlich Leute gestorben und während des Films müssen noch diverse mehr dran glauben, weil die monströsen Geister aus dem Alien-Meteoriten ihnen die Seelen aussaugen, aber dem Betrachter ist das alles scheißegal. Denn Dr.Aki Ross kann noch so gut aussehen, ihre Bewegungen sind immer noch computerhaft fließend, die Geschwindigkeit gebremst und was ein computergeneriertes Gesicht an Emotionen mitbringen kann, sollen die Macher sich mal bei Buzz Lightyear und Woody abschauen. Hölzern eindimensionale Gesichtsausdrücke, die sich zwar in bestimmten Stimmungen um die entscheidenden Nuancen verändern, aber eigentlich immer gleich seelenlos aussehen, sind nicht gerade dazu angetan, unser Mitgefühl und Interesse zu wecken. Da kann die Techno-Ausstattung noch so doll aussehen, wenn mir Leben und Tod wumpe sind, kann ich mir die Ansicht sparen.

Wer jedoch auf Action aus ist, bekommt in regelmäßigen Abständen was geboten. Allerdings wie gesagt, immer in stark gebremster Geschwindigkeit, als solle uns auch nichts entgehen. Die angreifenden Geister aus dem Meteor sind dabei auch nicht so doll, denn ihre umrißhaften Schemen betonen eher noch ihre Herkunft aus einem Computer(Spiel) und wirken überhaupt nicht bedrohlich. Es gibt kaum Wunden, kein Blut, keine graphische Gewalt. Dafür zwischendurch viel zu viel Mystik-Gebrabbel, das ebenso hanebüchen wie unverständlich ist. Für den Showdown gibt es zwar reichlich optisches Gewimmel, aber spannender wird es dadurch auch nicht, vor allem wenn ein kitschiger Abschiedsdialog uns auch noch die letzten Zähne zieht.

PC-Freakts müssen natürlich total von den Socken sein und Spielefans sind es eventuell auch, doch wenn jedes Abenteuer so blaß wie das vom Film ist, fragt man sich, wie es FF bis in die zehnte Inkarnation geschafft hat. Sicherlich ist das Unterfangen FF recht beachtlich, was die Möglichkeiten von Computern angeht, andererseits sieht man hier jedoch so gut wie gar nichts, was nicht ein Realfilm oder eine Real/PC-Kombi nicht besser hinbekommen hätte oder in einem Manga (in etwa vergleichbarer Showdown: Akira) wesentlich besser rübergekommen wäre. Für gänzlich Unbedarfte ist hier gar nichts zu finden, was von Interesse oder zumindest unbekannt wäre.

Ein steriles, künstliches Spektakel ist dabei herausgekommen - genau das, was die Macher eigentlich vermeiden wollten. Und der Mißerfolg gibt mir wohl recht. (3/10)

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