Man muss sich von den Spielen lösen
Als Tween und schon damals langjähriger Zocker war „Final Fantasy: The Spirits Within“ für mich ganz sicher einer der heisserwartesten Filme seines Jahrgangs. Schon Jahre vorher gab’s sowohl in Videospiel- als auch in Filmzeitschriften etliche staunende Bilder, Berichte und der Hype war immens. Und nach dem Kinobesuch mit meinem damals besten Kumpel weiß ich noch, dass wir zwar durchaus angetan von dem Look und allgemein der Geschichte irgendwo zwischen „Alien“, „Terminator 2“ und „Star Wars“ waren, doch als Kenner der Spiele auch gehörig verwirrt und enttäuscht, da diese wenn überhaupt thematisch oder stilistisch halbwegs aufgegriffen wurden. Da waren wir mit unserer leichten Enttäuschung damals nicht alleine, so viel war schnell klar. Doch aus heutiger Sicht ist „Final Fantasy - Der Kinofilm“, wie man ihn auch nennen wollte, alles andere als ein schlechtes Sci-Fi-Endzeit-Abenteuer - und visuell eh ein Meilenstein (der aber mittlerweile natürlich etwas gegen seinen Staubansatz und den enormen technischen Fortschritt kämpft). Erzählt wird von einer einfühlsamen Wissenschaftlerin, die auf der Erde der Zukunft, die durch eine phantomartige Alieninvasion vielerorts brach liegt, versucht der Menschheit und unserem Planeten eine Überlebenschance zu geben, wobei ihr vor allem ihre seltsamen Träume und scheinbaren Kontaktversuche der Invasoren helfen könnten…
„Final Fantasy: The Spirits Within“ war (abgesehen vom viel zu hohen Budget) kein totaler Flop - aber er wurde zu lauwarm aufgenommen und war viel zu teuer, um auch nur ansatzweise ein Trendsetter zu sein und weitere „Animationsfilme für Erwachsene“ auf den Weg zu bringen. Eigentlich schade. Ich hätte gerne noch mehr in dieser Richtung gesehen. Und jetzt kommt mir bitte nicht mit sowas wie „Resident Evil: Degeneration“. Aber an der Faszination, die ich bis heute für dieses Gaming und Filmwelt zusammenbringende Mammutprojekt empfinde, ändert das nichts. Die Optik, vor allem die Auflösung und Texturen, kämpft gegen das aktuell Gewohnte und den Zahn der Zeit. Die „Ökomessage“ ist nicht für jeden etwas. Und etliche Versatzstücke und Vorbilder aus Hollywood merkt man an jeder Ecke. Und dennoch: „Final Fantasy: The Spirits Within“ hat was. Es ist ein Unikat. Die Lichtgebung und Aura (besonders auf der neuen 4K-Disc) ist düster und außergewöhnlich. Die Synchronsprecher (in nahezu jeder Sprache!) sind tiptop. Den Einfluss und seinen Türöffnerstatus für etliche technische Fortschritte damals muss man bedenken. Der Score hat Wucht, wie man es auch von den Games kennt. Der heftige Sci-Fi-Aspekt war für die Marke damals komplett neu. Die Fusion aus Asien und Einflüssen aus dem Westen würzt diese Sci-Fi-Actionsuppe sehr gut. Die beiden Hauptfiguren haben meine Sympathien und agieren nachvollziehbar. Wie die Phantome die Energie oder gar „Seele“ aus den Menschen saugen war damals creepy-cool - und ist es noch immer. Die freche und testosterongeladene Chemie innerhalb der militärischen Spezialeinheit erinnert etwas an Vazquez und Konsortien. Und der an SS-Soldaten erinnernde Bösewicht ist schön fies, hat aber auch seine eigenen Beweggründe. Und deswegen bewege ich mich immer wieder gerne auf diese sehr spezielle, intime Reise mit dem damaligen State-of-the-Art-Animationsepos. Ein eigenständiges Kunstwerk seiner Zeit. Ein Augenöffner. Einige Figuren, Mimiken und Animationen wirken bis heute (!) fast fotorealistisch. Wenn also je ein Film seiner Zeit voraus war, dann dieser!
Fazit: eine technisch damals unheimlich krasse Evolution. Mit den Games hat das erschreckend wenig zu tun. Aber die Visuals und die im Grunde sehr klare, reife (nur spirituell etwas überladene) Sci-Fi-Story machen „Final Fantasy für's Kino“ zu einem verdammt immersiven und andersartigen Erlebnis.