Streifenpolizist Mike [ Daniel Wu ] wird nach einer ausgearteten Schiesserei vom Dienst abkommandiert. Sein Vorgesetzter Officer Cheung entlässt ihn einige Tage später ganz, nicht ohne ihm aber einen Undercoverauftrag zuzuschanzen: Mike soll sich in die Triade von Yum King Tin [ Eric Tsang ] einarbeiten; sein Partner Chung [ David Lee ] macht das Gleiche bei Tins Konkurrent Maddy [ Karel Wong ]...
Marco Maks Cop on a Mission kann man gut als Gegenstück zum vorjährigen Undercover Blues von Billy Chung setzen, der ohne die gleiche Geschichte zu nutzen genau die konträre Position dazu zeigt: Dort suchte eine Spezialeinheit nach einem als Undercover tätigen Polizisten, der sich bei einem Triadenboss eingeschlichen und nach oben gearbeitet hat und sich plötzlich nicht mehr meldet; wobei man mit einiger Gewissheit annahm, dass er auch die Seiten gewechselt haben könnte.
Die Rolle des Cop wurde von Daniel Wu gespielt, der zwar nur in wenigen Szenen und dann zumeist Rückblenden auftrat, aber ja die gesamte Geschichte anleierte und bis zum Schluss bestimmte. Hier spielt Wu wieder den Undercover, diesmal liegt das Hauptaugenmerk aber direkt auf ihn; so dass man fast von einer Vorgeschichte reden kann, ohne das die beiden Filme konkret etwas miteinander zu tun haben.
Dieses Setzen in eine filmographische Relation macht auch den grossen Reiz des Filmes aus, der sicherlich auch ohne weiteres Wissen seine eigene Mission soweit erfüllt; aber durch die Betrachtung verschiedener Umstände ja nur gewinnt. Wenn man ihn denn in weitere Verhältnisse setzen kann und mag.
Schwer fallen tut einem das jedenfalls nicht; das Subgenre der Undercovergeschichte ist nicht nur im kantonesischen Kino weiter verbreitet.
Dadurch zwar auch relativ deutlich auf gewisse Schemata festgelegt, aber Cop on a Mission versucht den zu klaren Fortgang zu vermeiden, indem man das eigentliche Problem des Konfliktes zwischen erteilter Aufgabe und den Verlockungen so gut wie aussen vorlässt und man so gar keine Selbstfindung veranschlagt. Der emotionale Aspekt der inneren Gewissensentscheidung wird gestrichen und der gewonnene Spielraum mit Plottwists und einer schwülen, erotisierten Atmosphäre angeheizt, in der angesichts des tödlichen Geschäftes drumherum auffallend vieles einen sexuellen Unterton hat. Oder ganz direkt zum Vorschein kommt; die Obsessionen reichen von Voyeurismus über Masturbation, Sex auf Verlangen in der Öffentlichkeit bis hin zum Ehebruch. Die Zeit wird auffallend oft in der Dusche, der Sauna oder dem Schwimmbad verbracht; Tins Ehefrau Pauline [ Suki Kwan ] sieht angezogen schon halb nackt aus und Mike ist auch häufiger unbekleidet. Selbst in Gefahrsituationen.
Tin kann da nicht mithalten; erstens hat er nicht die Figur dafür, ist auch schon etwas betagt für Hormonanwandlungen und zuguterletzt impotent. Da er dazu noch andere die Drecksarbeit erledigen lässt, zeichnet er sich überhaupt nicht durch Virilität aus; kein Wunder, dass Mike der schnelle Aufstieg so problemlos gelingt. Präsentiert er sich doch von Minute 1 an als Platzhirsch, als Alphapersönlichkeit. Allerdings erst nachdem er Undercover wurde und gemäss seinem Auftrag die Seiten gewechselt hat; als Polizist hatte er nichts zu melden und war auch abseits dessen ein kleine Nummer. Simpler Streifenpolizist, der nachts mit seinem Partner und Freund Chung durch den Regen latschen musste, keine Zeit und kein Geld für seine Freundin Gee [ Anya Wu ] hatte und sich überhaupt keiner Illusionen betreffs der Zukunft hingab. Wie auch, ist er doch nicht einmal jetzt der Situation gewachsen; bei einer plötzlichen Schiesserei bekommt er vor Nervösität nicht die Waffe aus dem Halfter und nachdem schon fast alles vorbei ist, entleert er sein ganzes Magazin in einen einzigen Angreifer.
Bei den Triaden passiert ihm das nicht; er wirkt sofort abgeklärter, reifer, auch wohler in der Umgebung. Vorbereitet auf die Szenerie war er auch schon, im Prolog dazu wurde ihm Geld fürs Nichtstun bezahlt. Bei einem Mord einfach wegzusehen und obwohl er gerade erst suspendiert war und noch nichts von seinem späteren Auftrag wusste, hat er zugegriffen und geschwiegen. Ein Naturtalent quasi.
Der Aufstieg geht dann auch schnell vonstatten, fast wie im Fluge ist er zum Assistenten von Tin aufgestiegen; eine Rettungsaktion dessen Frau und ein vorhersehbarer Test seiner Loyalität haben ihn an die Macht und damit selber an den Drücker gebracht.
Die im Titel erwähnte Mission wäre damit erledigt, gerät aber in den Hintergrund; es erfolgt kaum Kontakt zu den Vorgesetzten und das etwaige Dilemma ist ja aussen vor. Eher gliedert sich das Drehbuch jetzt in mehrere Operationen, die nacheinander aufgestellt und durchgezogen werden; daraus erfolgt ein narrativer Aufbau, der sich levelartig zu einem grossen Rahmen ausweitet.
Je höher Mike aufsteigt, desto schwerer die Anforderungen und auch so persönlicher die Gefahr für ihn:
Starten tut man mit dem Attentat auf Pauline, dass er wirklich zufällig zur rechten Zeit am rechten Ort verhindern kann. Als nächstes wird er bereits selber aktiv und stellt Maddy eine Falle, die aber mehr auf Tricks und Finten als auf die Ausübung von Waffengewalt beruht; da lässt er noch selber andere und die Umstände für sich arbeiten.
Anschliessend erfolgt eine Befreiungsaktion, die bereits rein auf Brutalität und dem effektivsten Schußwaffengebrauch verlagert ist. Und dann wird auch noch Chung als Undercover entdeckt.
Wobei in allen Fällen nicht ausgeschlossen ist, dass man die Szenerie nur als Vorspiel oder Vorwand für den späteren Geschlechtsakt nutzt und dementsprechend während einer Schiesserei auch mal bereits die lyrischen Momente der körperlichen Annäherung betont. Wenn Mike Pauline rettet, sie sich hinter seinem Rücken versteckt und bewundernd zu ihm aufblickt, merkt man schnell was Sache ist.
Dabei muss man Regisseur Mak und seinem Autor zugutehalten, dass diese Zusammenstellng zwar schon sehr offensichtlich, aber nicht zu aufdringlich wirkt und das Setting B – Movie mässig ganz ordentlich anwürzt. Sicherlich schaut man Daniel Wu lieber ins Gesicht als auf seinen Hintern und hätte auf das letztere auch einige Male verzichten können; und teilweise wirkt es auch, als hätte man beim Dreh die Heizung zu stark aufgedreht. Aber der eigentliche Plot wird darüberhinaus nicht vergessen, sondern die entsprechenden Szenen als Mittel zum Zweck genutzt. Dabei ergeben sich auch einige interessante Punkte bezüglich der Kombination von Sex und Gewalt; wobei der Wechsel Farbe / Schwarzweiß den jeweiligen Übergang markiert.
Ausserdem wird der Film allein durch den permanent jazzigen Score mit seinem
konzentrierten Zeit- und Rhythmusgefühl gleich um mehrere Epochen nach hinten verlegt und erscheint auch deswegen öfters wie pures neo – noir:
Spiel mit Licht und Schatten, zwielichtige Charaktere, dunkle Geheimnisse, Misstrauen, Gefahren von allen Seiten. Dazu eine Eröffnungsszene, die wie bei Boulevard der Dämmerung bereits eine Pattsituation für den Protagonisten setzt und dann durch dessen voice over die Ereignisse von hinten aufrollt. Wo nicht nur sein Leben gefährdet ist, sondern auch seine Identität, was nur eine Desorientierung und die Entwicklung zu einem dislocated subject zur Folge haben kann.
In einer der besten Ideen des Filmes wird durch Lam Suet eine Figur eingebracht, die den Cop auf seinem gesamten Weg begleitet; ihm immer mal über den Weg läuft und in entscheidenden Situationen durch ihr ganz eigenes Wechselspiel die verschiedenen Rollen noch stärker charakterisiert. Diese Figur taucht 4x auf: Bei der anfänglichen Schiesserei – Mikes Belastungsprobe als Polizist. Als Mike das erste Mal illegalerweise das Geld annimmt. Als er fast ganz oben angelangt ist. Und als er um sein Leben rennt. Da diese Begleitperson im Laufe der Zeit auch unterschiedliche Funktionen [ Attentäter, Scherge, Taxifahrer ] einnimmt, wird allein dadurch die Veränderung der Stellung von Mike noch einmal präzise subsumiert. Schade, dass man diese Wirkung nicht durchgängig erreicht und auch einiges an Füllmaterial aufzuweisen hat; besonders den Blick auf das Eheleben der Yums hätte man sich hier und da mal zugunsten mehr Action verkneifen können.
So bleibt ein leicht überdurchschnittlicher Film zurück, der aus seiner alten Ausgangsidee durchaus etwas herausholen kann, ohne jetzt aber neue Maßstäbe oder dergleichen zu setzen. Zu einem Zeitpunkt, in der die dutzendfachen Triadenfilme schon nach 5min langweilig zu werden begannen, wird hierbei durchaus ein spannendes Werk abgeliefert. Mak selber konnte qualitativ auch nicht mehr daran anschliessen und versank nach kurzen Aufstieg schnell wieder in die mittlere Bedeutungslosigkeit.
6.5/10