Ray Lovelock - nicht zu verwechseln mit den nonexistenten Comedian Ray Laughlock - ist einer meiner wenigen Geschlechts genossen, die mich mein Geburtsgeschlecht sowie meine Heterosexualität verfluchen lassen: ob als Krawallcop an der Seite Marc Porels oder als zugedrogter Vasalle Tomas Milians oder in jeder anderen Rolle dazwischen, Italiens bezahnlückte Antwort auf Sascha Hehn ist und bleibt toll, auch wenn ich das bei Erstsichtung der "Eiskalten Typen auf heißen Öfen" nicht direkt auf Anhieb erkennen wollte.
Um aber auf "Blutjunge Mädchen zur Liebe gezwungen" bzw. "In den Klauen des Schackals" oder auch "Zum Töten verdammt" zurückzukommen: den habe ich erst vor einigen Jahren per Trailer kennen gelernt, danach aber direkt verzweifelt gesucht und bin ums Verrecken nicht dran gekommen. Das lag aber mehr an der Seltenheit der DVD als an der damaligen Rechtslage. Dementsprechend war ich, als sich die Neuigkeit über die Filmart-Neuveröffentlichung im Internet verbreitete, mehr als nur wild darauf, die Scheibe in meine Hände zu bekommen. Dann bekam ich sie vor wenigen Jahren in die Hände. Und siehe da: mein sonst sehr zuverlässiger Rechner wollte den Silberling partout nicht abspielen. Später, neuem Blu Ray-Player sei Dank, kam ich dann doch in den Genuss und bin... Ja, äh... Dazu später.
Normale Menschen rufen bei einer Autopanne den ADAC oder warten am Straßenrand auf Hilfe. Aber normale Menschen überfallen im Gegensatz zu Aldo und seinen Kumpels keine Banken und auch sonst ist es mit der Normalität bei den drei Sadisten nicht weit her.
Der Film platziert die drei flüchtigen Bankräuber in eine Hütte voller Abiturientinnen samt lehrbeaftragter Nonne und damit den sprichwörtlichen Dingo auf die Säuglingsstation. Dort schalten und vergewalten die gestörten Herren ganz nach eigenem Schlechtdünken und setzen zusätzlich zu Theaterproben und Klausurenbüffelei noch sexuelle Gewalt und Psychoterror auf den Stundenplan. Frei nach Goethe ("Und bist du nicht willig, so brauch ich Gewalt.") hagelt es da auch gerne mal Schläge oder es droht die Defloration mit der Behelfskrücke neben anderen Gemeinheiten. Die Tage braven Lernens und des gelegentlichen Tittenlüftens ohne Spanner sind also vorbei.
Stop and go ist eine maßgebliche Taktik des Filmes, um auf der Nervenklaviatur des Zuschauers zu spielen: langwierige Sequenzen folgen auf Schnittgewitter und umgekehrt, Grausamkeiten werden unter der Zeitlupe en Detail gezeigt. Franko Prospieri hat so einige Kniffe auf Lager, um den Zuschauer auf Trab zu halten und die (Un-)Schuld Ray Lovelocks bildlich zu hinterfragen.
Den in die männliche Hauptrolle zu casten erweist sich hier als simpler, aber effektiver Trick, um die Schockwirkung des Gezeigten zu verstärken, da man als Fan des britischen Baltzebub dazu geneigt ist, in dessen Figur mehr als nur einen Funken Menschlichkeit zu sehen, der selbstverständlich schon längst ausgekühlt ist: sein Aldo ist genau so ein Schwein wie seine Kumpels Walter und Lino, von denen mich der eine an Gary Glitter und der andere an Martin Kove erinnerte. Zu ersterem sei gesagt: Iiiiiiiihhhhhhh!
Insgesamt ein solider Siebener mit hundsgemeinen Momenten, in denen das Drehbuch seinen Opfern jede Hoffnung verweigert und den Revenge - Teil der Rape and Revenge - Formel schmerzhaft weit nach hinten verschiebt. Jepp, Karthasis gibt es erst, wenn man den Film bis zum Ende brav durchgesessen und mit den Mädels mitgelitten hat. Zum Glück wird es hier nie zu explizit und die Protagonistinnen scheitern nicht am eigenen Intelligenzmangel, sondern an der Verschlagenheit ihrer Verfolger. Fans des Herren Raimund Liebschlössel sollten diesen Film ohnehin kennen, aber auch Leute, die nicht Mitglied im Ray Lovelock-Fanclub sind könnten an dem Film...
Nun, wenn ich jetzt sage, ich hatte Spaß kommt das scheiße rüber, wenn ich behaupte, ich sähe gerne absoluten Arschlöchern beim Sterben zu wirkt das noch beschissener. Bleiben wir einfach dabei, dass der Film gut ist, das aber nicht mit irgendeiner gesunden Definition vob Spaß zu tun hat. Irgendeine Art von Verherrlichung kann man dem Film allerdings tatsächlich nicht vorwerfen, dem machen die Herren des Filmes schon quasi ab Werk den notwendigen Strich durch die Rechnung.