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Basierend auf einem Roman des Schriftstellers Charles Bukowski mit biografischen Zügen (Name des Film-Ichs: Henry Chinaski): Matt Dillon spielt den bekannten Autoren, der sich selbst als Schriftsteller bezeichnet, Alkohol-abhängig ist, mehrere Frauen hat und von Gelegenheitsjobs lebt, bis er schließlich den Durchbruch schafft.

Gerade bei Literaturverfilmungen ist es schwer, den schmalen Grat zwischen einer detailgetreuen Erzählung und einem unterhaltsamen Werk zu meistern und gerade bei einer interessanten Materie, wie dem überaus bewegten Leben des deutsch-polnischen Autors Charles Bukowski, der seine Figur Henry Chinaski durch ein paar Stationen seines Lebens schickt, sollte es doch eigentlich möglich sein, ein interessantes und fesselndes Werk zu inszenieren, aber leider will der Film des norwegischen Regisseurs Bent Harmer nicht so richtig fesseln. Das Problem liegt hauptsächlich in der Story, sich im Prinzip ausschließlich mit den Liebschaften und Eskapaden der Hauptfigur beschäftigt und dabei teilweise auf der Stelle tritt, und auch wenn der Film nur auf einem Roman mit biografischen Zügen basiert, hätte man doch wenigstens im Vor- oder Abspann etwas über das bewegte Leben von Bukowski sagen können. Die Liebschaften und Eskapaden des Autors sind leider nicht sonderlich interessant, zumal das ständige Auf und Ab und der stetige Wechsel seiner Frauen irgendwann zu nerven beginnen. Und auch die wenigen gelungenen und vielschichtigen Monologe, die zwischendurch eingespielt werden, können dies leider kaum ändern. Der Alkoholkonsum und die Gelegenheitsarbeiten des Autors werden ebenfalls behandelt und die Charakterkonstruktion mag auch nicht schlecht sein, aber dennoch kann Hamer den Zuschauer nicht so wirklich faszinieren und für die Materie begeistern, da sich irgendwann eine gewisse Monotonie in sein Werk einschleicht.

Bei einem Budget von gerade einmal einer Million Dollar kann man von der Inszenierung nicht sonderlich viel erwarten, sie ist alles in allem auch eher mittelmäßig geworden. Die Inszenierung von Hamer, der das Drehbuch schrieb, Regie führte und produzierte, ist etwas zu spärlich geraten .Die Filmmusik fällt kaum auf und eine Atmosphäre kann leider auch nicht aufgebaut werden, dafür hält er das Erzähltempo aber relativ hoch und setzt seine Darsteller gekonnt in Szene. Zwischendurch spielt er immer wieder Monologe des Autoren ein, die sehr gut in den Film passen und darüber hinaus gibt es auch am Schnitt und an der Kamera nichts auszusetzen. Aber auch bei der Inszenierung kann Hamer nicht so richtig für die Materie begeistern, da der Film einfach zu distanziert wirkt und die Story, wie gesagt, nicht die beste ist, so habe ich mich die ganze Zeit über gelangweilt. Außerdem stört es dann doch, das im Prinzip überhaupt nichts, über das literarische Schaffen des Schriftstellers gesagt wird. Darüber hinaus stört mich persönlich der trockene und lakonische Erzählstil, der den Film noch distanzierter wirken lässt und das Interesse des Zuschauers endgültig zunichte macht.

Wenn die guten Darsteller nicht gewesen wären, wäre "Factotum" wohl zum Totalausfall geworden, aber Matt Dillon leistet unmittelbar nach seiner Oscar-Nominierung für "L.A. Crash" erneut gute Arbeit. Er spielt den Schriftsteller überzeugend und zeigt sehr viel Hingabe und leistet darüber hinaus sowohl in den Liebes-Szenen, als auch in den Szenen, in denen seine Figur mal wieder stark alkoholisiert ist gute Arbeit. Mit der sympathischen Oscar-Preisträgerin Marisa Tomei steht Dillon eine ebenfalls überzeugende Darstellerin zur Seite, genauso, wie ihre Kollegin Lilli Taylor brillieren kann.

Fazit:
Mit dem lakonischen Erzählstil, der spärlichen Inszenierung und der langweiligen Story ist "Factotum" leider bei Weitem nicht so interessant, wie die eigentliche Materie und scheitert damit am Unterhaltungswert. Schade um den guten Cast.

37%

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