Die Zehn in „the Eye 10“ steht nicht etwa dafür, dass es sich um die inzwischen neunte Fortsetzung des asiatischen Horror-Hits aus dem Jahre 2002 handelt, sondern für die Anzahl der Situationen, in denen sich (angeblich) Geister begegnen lassen – jedenfalls im Sinne des Drehbuchs von Oxide und Danny Pang, welche sich, wie schon bei den zwei Vorgängern, ebenfalls für die Regie dieses Sequels verantwortlich zeichnen:
- „the Case of the Corenea Transplant“ (siehe „the Eye“)
- „the Case of attempting Suicide while pregnant“ (siehe „the Eye 2“)
- „Spirits in a Glass“ (das „Ouija Board“-Prizip)
- „Late Dinner Alert“ (spät in der Nacht öffentlich zum Abendessen ausrufen)
- „Playing Hide n´Seek“ (Versteckspiel zur Geisterstunde)
- „the special Eye Mask“ (Grabeserde vom Gesicht eines Toten bei sich auftragen)
- „Umbrella of Darkness“ (innerhalb eines Raumes einen Schirm aufspannen)
- „the between the Knees Peek“ (sich vorbeugen und durch die Beine schauen)
- „Midnight Comb-Thru“ (sich zur Geisterstunde die Haare kämmen)
- „the Funeral Frontier - Death“ (sich in Grabeskleidung tot stellen und dabei einschlafen, so dass man in die "Limbo-World" übergeht)
Im Gegensatz zu den Vorgängerfilmen gibt es hier nun zehn verschiedene Möglichkeiten, Geister zu sehen bzw von ihnen heimgesucht zu werden. Was kann man also von einem Werk aus jener Reihe mit einer derartigen Prämisse erwarten? Ein Schockfest, ein spannungsgeladener Reißer? Eigentlich schon. Leider entschieden sich die Pang-Brothers dafür, daraus eine Horror-Komödie (!) zu machen. Okay, mag man sich denken, “Evil Dead 3“ ging ebenfalls einen anderen Weg – doch in diesem Fall ist das Endresultat weder gruselig noch lustig ausgefallen…
Am Anfang wird dem Zuschauer ein buddhistischer Exorzismus präsentiert, bei welchem sich der Schrecken auf die auffällig schwachen F/X begrenzt, bevor locker-flockige Musik sowie ein poppig-bunter Vorspann einsetzt: Vier junge Leute aus Hongkong werden vorgestellt, die ihren Kumpel in Thailand besuchen und sich dort eine schöne Zeit fernab der Großstadt machen. Im Rahmen eines Abends, den sich die Freunde mit dem Erzählen von Gespenstergeschichten vertreiben, macht sie einer von ihnen auf ein Buch aufmerksam, welches er zuvor in einem alten Laden entdeckt hatte – in diesem werden 10 Möglichkeiten aufgeführt, durch die man Geister anlocken und erkennen kann.
Neugierig wollen sie selbst erforschen, ob es sich nicht nur um Blödsinn oder eine urbane Legende handelt, weshalb sie es spontan einfach mal ausprobieren – und tatsächlich erscheinen ihnen bedrohlich wirkende, aber im Endeffekt harmlose Geistergestalten. Angespornt von diesem „Kick“, probieren sie noch andere Varianten aus – bis einer von ihnen beim mitternächtlichen Versteckspiel spurlos verschwindet. Verunsichert und schockiert reisen sie nach diversen erfolglosen Suchaktionen wieder zurück nach HK, doch auch dort werden sie schließlich von den Geistern, welche sie heraufbeschworen haben, eingeholt sowie in Situationen gedrängt, in denen sie weitere der 10 Methoden anwenden müssen…
Von der Story her hätte aus „the Eye 10“ ein echter Reißer werden können, denn die im Buch beschriebenen Situationen sind zwar teils unfassbar abstrus, als Ausgangspunkt für Spannungs- oder Schocksequenzen jedoch zweifellos geeignet. Allem Anschein nach hat das die Gebrüder Pang in diesem Fall aber gar nicht interessiert, denn schnell wird dem Betrachter klar, dass diese Fortsetzung hauptsächlich auf Humor ausgelegt ist und dabei den Grusel-Faktor sträflichst vernachlässigt. Leider sind die witzig gedachten Elemente beim besten Willen nicht amüsant oder gar lustig ausgefallen, sondern einfach nur albern und erschreckend platt. Darüber hinaus chargieren die durchweg untalentierten Schauspieler derart, dass mehr als einmal die Grenze zur Pein- und Lächerlichkeit überschritten wird.
Diese Faktoren führen schließlich zu einer ganzen Reihe von traurigen „Höhepunkten“ – hier eine Auswahl: In einer Szene wird ein Mädchen von einem Geist mit einem Basketball durch den Flur ihres Apartmenthauses verfolgt – nur dass man den Jungen die meiste Zeit über nicht sieht, sondern nur den (teils CGI-animierten) Ball, der halbherzig hinter ihr her rollt und/oder springt. An anderer Stelle liefert sich ein Besessener unter dem Beifall der Anwohner einen Breakdance-Wettbewerb mit zwei ober-coolen Ghetto-Kids, bis er am Ende die Wände hoch läuft und an der Decke stehen bleibt. In diesem Zusammenhang könnte man ebenfalls noch das Finale anführen, welches in der „Limbo-World“ (Schattenwelt) voller grüner Gestalten stattfindet. Hier lernen wir, dass die Toten Angst vor dem (orangefarbenden) Atem (oder anderen Körperausdünstungen) der Lebenden haben…
Story und Schauspieler sind also schwach, Atmosphäre sucht man vergebens, die Grusel-Ansätze verpuffen allesamt. Zwar war „the Eye 2“ von der Handlung her ebenfalls schon schwächer als Teil 1, konnte jedoch mit einer starken Hauptdarstellerin sowie etlichen visuell beeindruckenden Einstellungen aufwarten, während in diesem Fall selbst die verpackende Optik meist zu wünschen übrig lässt: Mit ihrer Farbfilternutzung oder den Kamera-technischen Spielchen konnten die Pang-Brothers bislang immer (auch bei ihren „Solo“-Projekten) punkten – doch selbst diese Aspekte sucht man hier vergebens. Zwar sind die Geister vom Aussehen her abwechslungsreich in Szene gesetzt worden, doch darüber hinaus schafft es kaum eine Einstellung übers technische Genre-Mittelmaß. Verglichen mit allen anderen Elementen ist die überwiegend mäßige Optik jedoch noch das Aushängeschild des Films – wenn man von der mit dem Titel verbundenen Erwartungshaltung mal absieht…
Fazit: „the Eye 10“ ist eine auf jeder Ebene enttäuschende Fortsetzung – ohne Spannung, Atmosphäre oder gar Sinn für die erzählte Geschichte, deren hoffnungsvolle Ansätze von der unpassend humoristischen Herangehensweise vollkommen zunichte gemacht werden. Insgesamt handelt es sich nahezu um eine komplette filmische Katastrophe, welche ich nur aufgrund einiger (weniger) netter Einstellungen mit gnädigen „2 von 10“ bewerte.