Als Stephen Fung letztes Jahr sein Feature Film Debüt Enter the Phoenix vorlegte, konnte man einen recht unterhaltsamen und milde amüsanten Film begutachten, der ausser der gelungenen Optik und dem Staraufgebot aber besonders inhaltlich nicht wirklich viel zu bieten hatte und insgesamt weit besser aussah als er letztlich war.
House of Fury verfolgt die gleiche Formel noch einmal nach, das Budget ist augenscheinlich höher und wird hierbei auch endlich mal in zahlreiche Actionszenen gesteckt, die beim Vorgänger ja nur kurz am Ende aufzufinden waren.
Bot der Erstling leichte Anspielungen an frühere Heroic Bloodshed Filme, so werden hier nicht nur titelmässig kleine Hommagen an die Bruce Lee – Filme verteilt, der eigentliche Grundplot ist aber leider mehr Spy Kids.
Nicky [ Stephen Fung ] und Natalie [ Gillian Chung ] haben genug von den ständig übertreibenden Geschichten ihres Vater Yue Siu – Bo [ Anthony Wong ], der zwar eigentlich als Chiropraktiker eine Praxis betreibt, aber laufend was von einer Tätigkeit als Geheimagent und angreifenden Ninja’s erzählt, die er nach erbittertem Kampf gleich im Dutzend besiegen kann. Sowieso ist nach dem frühen Tod der Mutter auch die Harmonie innerhalb der Familie verschwunden, die Kinder haben genug vom Vater und schotten sich ab, auch gegenseitig wird sich mehr geprügelt als vertragen. Das bekommt auch Natalie’s Freund Jason [ Daniel Wu ] mit, als er bei einem Abendessen einen Streit um ein Stückchen Fleisch miterleben muss, worauf nach mehreren Fusstritten unter dem Tisch das gesamte Dinner ruiniert wird.
Als der Gwailo Rocco [ Michael Wong im Rollstuhl und mit Glatze ] auftaucht und Siu – Bo entführt, muss die Familie zusammenhalten.
Die Handlung ist zwar nicht besonders, aber kann zumindest gut als Vorwand für ausschweifende Actionszenen dienen, die ab der Hälfte auch präsentiert werden. Dadurch werden aber leider trotzdem nicht die Schwächen der Story überspielt, die zwar äusserst dünn ist, aber auch gleichzeitig wieder viel zu viel auf einmal will, und neben der Rettung von Siu – Bo natürlich am Ende auch eine heile Familie hinterlässt und den Aspekt in einigen emotionalen Szenen auch freien Lauf lässt.
Reiner Fun ist der Film auch nicht, wirklich erkennbare Witze sind praktisch nicht vorhanden, rapide Stimmungswechsel von leicht zu ernst und zurück werden ebenso aufgeboten wie übernatürliche Übertreibungen in der zwar abstrusen, aber sich dennoch ernst nehmenden Erzählung, so dass man die Mischung nur als wirr beschreiben kann.
Zumindest wird der Film nach dem sehr übertriebenen Beginn eine Spur bodenständiger, eine Episode Siu – Bo’s entpuppt sich als reine Erzählung; das Spiel mit Dichtung und Wahrheit wird später noch einmal wiederholt, als sich einige Details – Geheimtür in der Praxis zu einem versteckten, hochtechnisierten Raum, seine frühere Beschäftigung – als Realität herausstellen und die Vergangenheit ihn mit Rocco einholt. Dieser war früher als CIA – Agent tätig und wurde bei einem tödlichen Auftrag hinterrücks von einem anderen Agenten namens Tai Chi – Lung gelähmt, er sucht ihn seit einigen Jahren. Seine Spur brachte ihn auf Siu – Bo, der insgeheim als eine Art Eraser für ehemalige Agenten tätig sein soll, er verschafft ihnen neue Identitäten und sorgt für ihren Schutz. Siu – Bo stellt sich natürlich dumm und tut so, als wüsste er von nichts; eine folgende nächtliche Attacke auf ihn sorgt für die erste wirkliche Actionsequenz, die in einer respektablen Anzahl von Glasstunts die gesamte Praxis zerlegt, Fist of Fury zitiert und danach Siu – Bo entführt sieht.
Als die Kinder das mitkriegen und tags drauf ebenfalls von den Schergen Rocco’s belegt werden – dieser hat zwischenzeitlich mitbekommen, dass diese die gesuchten Speicherchips um den Hals tragen – folgen die nächsten Fights, die von Ku Huen Chiu und Sunny Yuen Shun – Yi unter Aufsicht von Yuen Woo Ping wirklich schmuck und durchschlagskräftig choreographiert wurden. Zwar wird auch mit Hilfe von Wirework unterstützt und ist etwas over the top, bleibt aber sonst angenehm auf dem Boden; die wahren Übertreibungen hat man sich hierbei verkniffen [ und anderweitig eingesetzt ]. Zudem sind die Sequenzen zahlreich und dann auch von der Länge her immer alle Möglichkeiten ausreizend, als reiner Actionflick hätte der Film jetzt nur einen anderen, besseren Erzählrahmen bedurft.
Der seltsame Geschmack bleibt nämlich, der cheesy Plot samt seinen unpassend erscheinenden Gefühlsanwandelungen mag einfach nicht schmecken, zudem sorgt das Casting von Michael Wong als behinderter Bad Guy für sehr viel unnötigen Gwailo – Touch und einige furchtbare Szenen. Nun ist es unfair, ihn allein zu kritisieren; man sollte eigentlich wissen, dass man gerade den Schauspieler nicht auf Mimik und vor allem die Stimme reduzieren darf.
Anthony Wong tut sein Bestes die erste Hälfte und verschwindet dann in Gefangenschaft; Stephen Fung fehlt etwas das Charisma von Nicholas Tse, dafür überzeugt Gillian Chung als schlagkräftiger Twin ebenso wie Partnerin Charlene Choi in ihrer knappen Lolita – Rolle. Daniel Wu ist übrigens verheizt, warum der nicht endlich seine kolportiert vorhandenen Wushu – Künste auch mal zeigt, weiss wohl nur er selber.
Als strikte Popcorn – Unterhaltung ist der Film durchaus erfolgreich, man sieht das Budget, man bekommt anständige Portionen Action ebenso geboten wie eine ausgewogene Mischung aus jungen und etablierten Schauspielern, nur bei der Geschichte sollte Stephen Fung das nächste Mal die Hände von lassen.