Die siebenjährige Sabine Kleist, deren Eltern bei einem Autounfall ums Leben kamen, flieht aus dem Kinderheim, nachdem ihre Lieblingserzieherin das Heim aufgrund einer Schwangerschaft verlässt. Doch wohin, wenn man keine Familie hat?
Petra Lämmel in ihrer ersten und einzigen Rolle überrascht mit einem überragenden Schauspiel als die altkluge, jedoch stets hilfsbereite Sabine. Gespannt folgt der Zuschauer ihrer einsamen Reise durch Berlin, wobei sie mit zahlreichen anderen Schicksalen in Berührung kommt. Dabei hängt sich der Film nicht an Oberflächlichkeiten auf, sondern bemüht sich auf ernste, Kinderfilm-untypische Art, einer tiefergehenden Analyse von Sabines Situation und Psyche. Da täuschen auch gelegentliche humoristische Einwürfe, meist in Form von Sabines Reaktionen und Verhalten, nicht darüber hinweg, dass Helmut Dziuba mit dieser Produktion keinen simplen Familienfilm im Kopf hatte.
Die musikalische Untermalung ist ebenso ungewöhnlich und radikal. Statt ausgelassener Orchestermusik bekommt man hier schrille Keyboard-Töne geboten.
Das stringente Ende des Filmes, abseits der Happy End-Geschichten Roy Blacks und Co., weiß zu überzeugen, spiegelt aber möglicherweise meiner Interpretation nach zugleich auch eine ungesunde Portion an kommunistischem Weltbild wider. Dies kann man jedoch als Nebenprodukt der Zeit gewertet werden und ist angesichts der damaligen Zensur nicht verwunderlich.