Im Jahre 2001 erhob sich mit "Shrek" die größte Disney-Konkurrenz in die Höhe, die Hollywood jemals gesehen hat. Die Leute der Dreamworks-Animation-Studios begeisterten ihr Publikum. Und das nicht nur unter den 6-12 Jährigen. Nein, egal ob jung oder alt, für jeden war bei "Shrek" etwas zu finden. Letztes Jahr nun, kamen die ebenfalls mehr als gelungene Fortsetzung "Shrek 2" und der nicht mehr ganz so erfolgreiche Streifen "Große Haie, kleine Fische" in die Kinos. Und nun, im Jahre 2005? Da sind es die 4 Freunde "Alex" der Löwe, "Gloria" die Nilpferd-Dame, Marty das flippige Zebra und Melman eine, chronisch unter Krankheitssyndromen leidende, panische Giraffe, die sich als Zootiere nach Madagaskar verschippern lassen. Herausgekommen ist dabei ein weiteres, typisches und witziges Dreamworks-Animation-Spektakel, das aber, im Vergleich, hinter den Qualitäten von "Shrek" zurückbleibt.
"Madagascar" ist eigentlich wirklich eine typische Dreamworks-Animation, wie sie im Buche steht. Wie es sich für die Filme dieses Studios gehört, enthält der Film Humor für die ganze Familie. Die Kleinen werden sich vor allem an der Story und den wunderbaren Charakteren erfreuen. Die Geschichte um ein paar Zoo-Tiere, die es ins Ferne Madagaskar verschlägt, ist recht originell geschrieben und zusammengesetzt worden und bietet viele schräge Ideen und Situationen. Dabei gibt allerhand abenteuerliche Szenen zu betrachten, die sich mit urkomischen Slapstick abwechseln. Storylücken wurden sauber umschifft und auch mit ungewollten Logiklücken hält sich das Drehbuch zurück. Alles ist wunderbar fantasiereich ausgefallen und passt zu so einem Film fast so wie die Faust aufs Auge.
Dabei sind es aber vor allem die Figuren die für wohlgefallen sorgen. Alex ist ein liebevoller Löwe, der sich gerne zur Schau stellt aber im Grunde ein idealer Kumpel zum Zeitvertreib ist. Das Zebra Marty ist spritzig, flippig und spiegelt die "Boah, Cool"-Generation von heute ideal wieder. Giraffe Melman, der schon allein wegen seines Körperbaus immense Probleme mit seiner Umgebung hat, ist chronologisch panisch und hat immer das Gefühl, irgendwie Krank zu sein. Und Gloria, nun die hält ihr Jungs allesamt im Zaum, denn ohne sie würde wohl keiner von ihnen wirklich zurechtkommen. Dazu gibt es dann noch ein paar kleinkriminelle Pinguine und allerhand durchgeknalltes Südstaaten-Getier, welches eine Party nach der anderen schmeisst. Für Kiddies sind die Mischungen aus sprechenden Fantasiegestalten und realen Tieren, wirklich einwandfrei erdacht und geben ideale und identifizierbare Charaktere wieder, wie man sie sich, in einem Familienfilm, nur wünschen kann.
Doch auch an die Großen wurde gedacht. Vor allem Filmzitate gibt es hier massenhaft zu entdecken. Die Macher von Dreamworks scheinen große Fans von Film-Parodien zu sein, anders ist es kaum zu erklären, dass z. Bsp. die berühmte Rosenblätterszene aus "American Beauty", mit Max und einem Meer aus "Steaks" die auf ihn fallen, aufs trefflichste vergageiert wird. Oder auch die berühmte Schlussszene aus "Planet der Affen" und Tom Hanks imaginärer Freund in Form eines Volleyballs aus "Cast Away", um nur einmal die berühmtesten Beispiele zu nennen. Filmfreunde werden aus dem Zählen nicht rauskommen.
Und auch sonst gibt es einen bissigen Witz nach dem Anderen, die die FSK 0-Freigabe sogar ab und an fragwürdig machen. Wenn Marty z. Bsp. ein kleines Entchen vor dem sicheren Tod bewahren will und in einem Gewässer absetzt, wo es kurz darauf von einem Krokodil genüsslich verspeist wird, dann ist das schon ein wenig hart, wenn auch mindestens genauso witzig. Genauso wie so mancher Dialog alla "Die Muschi mag ihr Sushi";). Dazu Slapstick-Humor der mitunter recht deftigen Sorte, z. Bsp. wenn eine alte Lady mit allem Karacho das "Miezekätzchen" Alex verdrischt. Kurzum, auch für Erwachsene gibt es einiges zu kichern.
Allerdings muss man, trotz all der positiven Details, leider sagen, dass vor allem die Gag-Rate nicht mehr so ganz an die von "Shrek" oder auch seinem Nachfolger heranzukommen vermag. Schmunzeln kann man zwar eigentlich durchgehend, doch einen Brüller im Sekundentakt, so wie es bei "Shrek" meist der Fall war, gibt es hier leider nicht. Richtig tief ins Schwarze treffen sogar nur die Wenigsten. Dafür wurde hier zwischendurch immer wieder Wert darauf gelegt, das die Message des Films, das Freundschaft mit das Wichtigste im Leben ist, auch ja beim Zuschauer ankommt. Kinder mag dies nur wenig stören, doch die großen Zuschauer (mal abgesehen von den Eltern;)) wird es doch hin wieder etwas mulmig, wenn man schon wieder dabei zusehen muss, wie alle sich knuddelig lieb haben und indirekt auch den Zuschauer darauf hinweisen wollen, dass es nur so funktionieren kann, obwohl er das eigentlich längst wissen müsste. Eine Keule am Ende hätte vielleicht gereicht, aber nun gut. Man kann sich dran gewöhnen.
In punkto Animationen wurde dafür wieder alles richtig gemacht. Wie bei Dreamworks üblich, so wurde auch bei "Madagascar" wieder viel Wert aufs Detail gelegt und somit sind sowohl die Figuren, als auch die Hintergründe optimal und glaubwürdig animiert worden. Die Verschmelzung der Figuren mit dem Hintergrund ist wirklich ideal gelungen und bietet ein nettes Animationsfest für die Augen. Auch wenn die Qualität eines Pixar-Streifens auch hier nicht ganz von den Dreamworks-Jungs erreicht wird, so kommt sie doch wieder erstaunlich nahe daran.
Und auch in Sachen Synchro ist alles soweit im grünen Bereich. Jan Josef Liefers, Rick Kavanian und Bastian Pastewka meistern ihre Rollen des Löwen Alex, des Zebras Marty und der Giraffe Melman wirklich großartig und auch die Sprecherin der Nilpferddame Gloria, Claudia Urbschat-Mingues, macht ihre Sache gut. Etwas unprofessionell wirken höchstens die Fanta 4-Jungs, die den Pinguinen ihre Stimme leihen. Hier hätte man sich an mancher Stelle doch noch etwas mehr Schmackes gewünscht. Aber es ist schließlich auch das erste Mal für sie gewesen. Von daher kann man es ihnen nachsehen.
Fazit: Munteres Animations-Kino für die ganze Familie, das wieder einmal in Sachen Story, Figurenzeichnung und Animation so ziemlich alles richtig macht und das bietet, was man von den Leuten von Dreamworks-Animation erwarten kann. Die Gag-Dichte ist zwar leider nicht mehr ganz so dicht, wie bei den früheren Streifen und auch die etwas zu übertrieben dick aufgetragene Moral stört etwas, doch unterm Strich steht einem amüsanten Familienausflug ins Kino, nichts im Wege. Man kann zufrieden sein!
Wertung: 7,5/10 Punkte