Review

Ein Trailer ist eine mächtige Waffe.
Und wie alle mächtigen Waffen kann sie auch ziemlich schnell nach hinten losgehen.
Bestes Beispiel dafür ist der neueste Streich aus Dreamworks Animation Department, „Madagascar“!
Denn wenn ich hier vorweg schicke, daß die besten Szenen dieses Films in dem niedlichen Zweiminüter versammelt sind, dann ist das bei weitem nicht gelogen.

Ständig während des Films möchte man ein Mantra vor sich hinmurmeln: es ist eben nicht Pixar, es ist eben nicht Pixar...
...und das merkt man an allen Ecken und Enden.
Dreamworks hat einfach keine guten Stories zu erzählen, während die Konkurrenz mit ihren Plots glitzert und funkelt und vor komischen oder interessanten Ideen überläuft, dümpelt hier alles in altbekannten Schemata.
„Madagascar“ hat, so viel sei zum Schutz vorgeschoben, eine nette, beschauliche und zuweilen niedliche Geschichte zu bieten, in beinahe altmodischem PC-Stil recht flott erzählt und in seiner intensiven Buntheit und den groben Zügen der Figuren mit optischem Charme präsentiert.
Was man nicht hat, ist das Gefühl, daß die Macher hier ein Feuerwerk abfackeln. Wenn die PC-Animation der neue Stern am Himmel ist, dann ist „Madagscar“ doch sehr „down to earth“, denn letztendlich hätte man das hier auch zeichnen können. Die beschauliche Geschichte von vier Tieren des Central Park Zoos, die nach einem Ausbruch in die Freiheit entlassen werden sollen und auf Madagascar gestrandet mit ihren Instinkten und anderen Problemen zu kämpfen haben, ist nie so recht der Bringer.
Sie ist hübsch und kindgerecht, aber von einer so einfachen Moral, daß die Erwachsenen kaum davon begeistert sein werden.

Das schwerwiegenste Problem ist der Mangel an wirklich guten Einfällen. Natürlich gibt es Gags und einige sind sogar recht stark (mir persönlich gefällt der Lemur, der im Moment der Massenpanik ein Buch mit dem Titel „To Serve Lemurs“ in die Kamera hält und schreit, daß das ein Kochbuch wäre, eine Reminiszenz an eine berühmte Twilight Zone-Episode), aber oft herrscht Leerlauf. Da passen auch die berühmten „bösen“ Szenen kaum ins Bild, in denen u.a. ein niedliches Entenküken von einem Riesenfisch verschlungen wird, ein sarkastischer Moment in einem sonst zu glatt gebügelten Film.

Das liegt auch an den Hauptfiguren, denn die sind einfach nicht bis in die letzte Schwanzspitze überspitzt genug, um zu überzeugen. Die ewige Begeisterung von Zebra Marty und das ständige Sabbeln von Löwe Alex nehmen so viel Platz ein, daß sich die Einwände der beiden im Film mehrfach wiederholen. Nilpferd Gloria geht da bis auf wenige Ausnahmen fast unter und auch Hypochonder-Giraffe Melman hat nur einige Glanzlichter zu setzen. Und bloßes Rumrennen und Grimassieren bringt auch keine Lacher, das Timing ist eben das Wichtigste.

Dann fehlt es an starken Nebenfiguren. Zu Beginn machen die Affen und die Pinguine zwar noch einiges wett, aber die Lemuren sind eine wahre Geduldsprobe, ihr König ganz besonders. Ferner gibt es keinen detailliert gezeichneten Gegner, den schakalähnlichen Fossas fehlt es an jeglichem Charakter. Hin und wieder lockert ein Pinguinzwischenspiel mit guten Sprüchen die Szenerie auf, aber solche Momente sind viel zu selten.

Und was noch schwerer wiegt: mit der Moral von derGeschicht lockt man keinen Lemuren aus seinem Baum. Die Fleischfresserinstinkte des Löwen werden durch seine Freundschaft zum Zebra einfach ausgebremst und Sushi wird daraufhin zum Fleischersatz (offenbar können die Fische als einzige hier nicht mit anderen Tieren kommunizieren, die Spinne tut es jedenfalls). Eine simple und durchsichtige Lösung.

Das wird die Kinder sicher nicht anfechten und die DVD-Verkäufe ebenso wenig, aber wenn ich mir rückblickend einen Vergleich zu etwa „The Incredibles“ oder „Findet Nemo“ genehmige, dann ist das hier finsterstes Tabellenmittelfeld. (6/10)

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