Review

Im Zuge von „Shining“ versuchten so einige Horrorproduktionen auf der nicht vorhandenen Welle mitzureiten und schickten Familien gleich Dutzendweise in von Dämonen besessene Häuser, die den neuen Besitzern nicht sonderlich wohl gesonnt waren. „The Amityville Horror“ ist der Grundstein einer höchst mittelprächtigen und in den späteren Teilen katastrophalen Reihe, in der so eine unheimliche Hütte für Unruhe sorgt. Seinen ihm voraus eilenden guten Ruf wird der Film aber nie gerecht.

Zu formelhaft kommt der gesamte Streifen daher – auch wenn die Pfade damals noch nicht so ausgetreten waren wie heute. Der Vorabslash zu Beginn ist ein mittelprächtiger Appetizer, der so gar keinen Bezug zum weiteren Plot hat, uns aber klar macht, dass hier schon mal etwas Böses passiert ist. Damit wir es nicht vergessen, schneidet Regisseur Stuart Rosenberg während der folgenden Hausbesichtigung von George (James Brolin im Reinhold Messner-Look) und Kathy (Margot Kidder, „Superman“) auch gleich nochmal als Wiederholung beim Betreten der einzelnen Zimmer die vergangenen Gräueltaten dazu.

Anstatt nun mit einer vernünftigen Einleitung zu beginnen, leistet das Skript hier einen gnadenlosen Offenbarungseid, der mit einem Off-Kommentar, temporären Texteinblendungen und unheilgeschwängerten Bildern des Hauses vertuscht werden soll. Da kommt auf einmal ungefragt Father Delany (Rod Steiger, „The Specialist“, „Modern Vampires“) vorbei, schleicht sich ins Dachgeschoss und fängt munter an zu beten, während sich im Zimmer Fliegen sammeln und sich in seinem Kopf eine höfliche aber bestimmte Stimme, die ihn bittet zu gehen, manifestiert. Die nichts von der Bedrohung ahnende Familie Lutz quasselt ausführlich über die hier geschehenen Taten, für die das Haus gar nicht verantwortlich sein kann, so dass der Zuschauer es längst besser weiß und sich angesichts der noch bestehenden Idylle die Finger reibt. Aber nichts ist...

Während das Böse mobil und es sich in Delanys Motorblock bequem macht, wird der, abgesehen von ein paar verrauschten Telefongesprächen, völlig von der eigentlichen Handlung isoliert, muss sich viel zu lange mit ein paar den Schwachsinn nicht glaubenden Kollegen herumschlagen und später erblinden. Warum? Is’ halt so. Sinn macht dieser Subplot nicht, liefert „The Amityville Horror“ jedoch die damals so geliebte religiöse Komponente und schaltet Delany auf Stand-By.

Im neu bezogenen und etwas maroden Haus läuft derweil alles nach bewährter Formel ab. Nachts (natürlich mit Gewitter und allem drum und dran) wird der Nachwuchs von imaginären Spielgefährten in den Wandschrank gesperrt und trommelt sich die Finger blutig, schwarze Katzen sorgen für Shortshocks und beim Stellungskrieg platzt dann auch noch die traumatisierte Plage in den Höhepunkt. Da kann man schon mal aggressiv werden! Während der Nachwuchs sich treu bleibt, beginnt Papa George die Axt zu wetzen und Jack Nicholsons Grimassen nachzuahmen.

Auf des Rätsels Lösung kommt man erst als der Arbeitskollege nebst übernatürlich begabter Freundin auftaucht und mal eben in den Keller stürmt, um den wild kratzenden Wauwau die Arbeit abzunehmen und das Tor zur Unterwelt frei zuhämmern – immerhin zuvorkommend. Das aberwitzige Finale, in dem dann ganze Haus an zu wackeln fängt, ist weder in atmosphärischer, noch effekttechnischer Hinsicht ein Hingucker. Eben wie der ganze Film. Dabei muss ein Film mit einer einfachen Idee keineswegs schlecht sein, nur die Umsetzung von „The Amityville Horror“ ist einfach ein Graus. Lalo Schifrin („Kelly’s Heroes“, „Mission: Impossible“) versagt hier mit seinem Score ausnahmsweise mal total und Stuart Rosenberg versteht es nicht mal ansatzweise Suggestivhorror zu produzieren. Vor allem in der heutigen Zeit ist der Film, mal abgesehen von Nostalgikern und Genrefans, oftmals eine Lachnummer, weil hier so tolldreist und vor allem naiv einfach zig Ideen diverser Klassiker zusammengemixt worden sind – was dann gruselig sein soll. Dabei sind die Reaktionen der Figuren meist komplett wieder jeglicher Vernunft und selbst der bedeppertste Zuschauer weiß irgendwann, dass man das Haus doch besser verlassen sollte. Doch nicht so die Lutz...


Fazit:
Veralteter, einfacher Horrorschinken, der aus heutiger Sich zu einer Lachnummer verkommt. Nunja, die Fortsetzungen blieben diesem Stil treu. Wer etwas für altmodischen Horror übrig hat, kann hier zugreifen. Allen anderen sei ein Probeschauen dringend empfohlen. „The Amityville Horror“ erweist sich in seiner Naivität, auch dank seines unausgegorenen Drehbuchs, als flauer Streifen, dem ein viel zu guter Ruf anhaftet.

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