1974 löschte Ronald de Feos seine sechsköpfige Familie im Schlaf aus, 13 Monate später zieht die Familie Lutz in das noch immer leerstehende Haus, den ehemaligen Tatort, ein. Erstaunt von dem günstigen Angebot und wenig abergläubig, was die düstere Vergangenheit des schmucken Hauses auf Long Island angeht, planen sie ihr Familienglück, doch es soll von Anfang an anders kommen. Bereits kurz nach dem Einzug erleben sie unheimliche Phänomene, als wären sie nicht allein. George spürt eine unangenehme Kälte, gegen die kein Feuerschüren hilft und die kleine Missy lernt angeblich ihre neue Spielkameradin Jody kennen, die außer ihr niemand sieht. Wie auch die Buchvorlage lässt der Film über lange Zeit offen, welches Geheimnis sich hinter dem Haus verbirgt. Mit vagen Erklärungsversuchen gehen somit auch die Filmfiguren an die übernatürlichen Ereignisse heran, dem Zuschauer bleiben in nebulöser Erahnung der Dinge die wohligen Schauer, die den Rücken herunterlaufen. Die Geschichte über das Haus in der Ocean Avenue 112 gehört zu den besten klassischen Spukhausfilmen ihrer Zeit, die es immer wieder schafft, für gruseliges Unbehagen zu sorgen. Die Richtung wechselt dabei unvorhersehbar, allein schon, was die Rolle des George Lutz (James Brolin) angeht. Dieser verwandelt sich vom Sympathieträger zu einem mehr und mehr labil erscheinenden Psychodad, irgendwo zwischen "The Shining" und "Stepfather". Ebenso überzeugend wird seine Frau Kathy Lutz von Margot Kidder gespielt, ohne das man nun oscarreife Vorstellungen erwarten sollte. Wie ein charmanter B-Movie, der dieser Independentfilm eigentlich ist, baut dieser Grusler gekonnt und mit allen technischen Unzulänglichkeiten seine Atmosphäre auf, die Jenseits von Logikfanatismus als schaurige Berieselung funktioniert. Wer schon immer die Ungereimtheiten bei "Blair Witch Project" in den Vordergrund stellte, wird die auch hier finden, bei dieser pseudoauthentischen Nummer, die als solche zumindest wohl eine der ersten war. Ob gute PR-Kampagne oder ein Horrorhaus, in dem übersinnliche Kräfte die Bewohner zum Wahnsinn trieben, "The Amityville Horror" funktioniert in seiner ungewöhnlichen Art, Grusel- und Horrorelemente zu verbinden. Auch visuell fährt Stuart Rosenberg einiges an Effekten auf, von mysteriös und fast unscheinbar bis hin zu ausufernd dramatisch.
Das Haus, berüchtigt durch die Vorkommnisse, die die Familie Lutz bereits nach vier Wochen daraus fliehen liess, erscheint mit einem diabolischen Gesicht, das die Fenster wie Augen rot leuchten lässt. Schade nur, dass dieser eigentliche Star, nämlich das Haus, am Ende ein wenig schwächelt und nur ein dürftiges Finale ausspuckt.
Fazit: Klassischer Haunted-House-Stoff, der banal sein mag, doch atmosphärisch wirkungsvoll funktioniert. Auch wenn die Authentizität der "True Story" eher fragwürdig ist, es ist halt nur ein Gruselfilm und der Gruselgehalt stimmt. 6/10 Punkten