Warum zum Teufel gilt dieser Film als Klassiker des Horrorgenres? Diese Frage hab ich mir schon beim Ansehen mehrmals gestellt, weil hier niemals Spannung aufkommt, und von echtem Horror weit und breit nichts zu sehen ist. Es gibt nur ein paar gruslige Momente, aber nichts wirklich Dramatisches. Da hilft auch die Vorgeschichte des Hauses nicht weiter, in der ein 20-Jähriger seine Eltern und Geschwister erschießt, während diese schlafen. Hier war mir unklar, warum der Rest der Familie nach dem 1. Schuss nicht wach wurde, aber egal. Später stellt sich raus, dass der Vater der 1 Jahr später einziehenden Familie genauso aussehen soll wie der Täter, und dass obwohl George Lutz mindestens 30 ist. An dieser Stelle das größte Lob, das ich diesem Film machen kann: James Brolin sieht nicht nur aus wie der heutige Christian Bale mit Vollbart und Wuschelfrisur (achtet mal auf Augen und Gesichtsausdruck), sondern hat die Psychotour und emotionale Kälte genauso gut drauf wie Patrick Bateman. Seine Mimik als an seinem Verstand zweifelndes Familienoberhaupt ist wahrlich diabolisch und wegen der Bale-Ähnlichkeit angenehm vertraut. Ich konnte mich darüber amüsieren, wurde aber durch den restlichen Film in meiner Freude gebremst.
Da hätten wir zum einen die Tatsache, dass der Film mit seinen knapp 2 Stunden 20-30 Minuten zu lang ist. Den Handlungsstrang um den Priester hätte man z.B. komplett weglassen können, weil der ausschließlich dazu dient um dem Zuschauer zu verklickern, dass in dem gottverlassenen Haus was nicht stimmt. Ach nee, da wär man von allein nie drauf gekommen. Jedenfalls unterbrechen diese Intermezzi, wenn es sich um ihn dreht, den Erzählfluss der eigentlichen Handlung. Und die ist – Hauptkritikpunkt Nummer 2 – ziemlich harmlos und weitestgehend schockfrei. Die hier aufgebaute ungemütliche Stimmung ist einfach zuwenig, um einen Horrorfan zu packen. Die spärlichen, blutigen Einlagen sind gut platziert, aber statt Axt-Terror am Ende gibt es nur die Flucht aus dem Haus und eine halbherzige Rettung des Hundes sowie einen Sturz in die unter dem Haus verborgene Ölquelle (oder was immer die schwarze Pampe darstellen sollte). Der Verzicht auf einen richtigen Showdown hat mich dann dazu gebracht, meine Wertung abermals zu mindern, sodass ich am Ende nur 4 von 10 Punkten für einen grandiosen James Brolin und das nostalgische Endsiebziger-Flair vergebe. Wer sich für das Thema dieses Films (Massaker, spukendes Haus, Vater der neuen Familie wird langsam verrückt usw.) interessiert, sollte lieber zu Stanley Kubricks „Shining“ greifen.