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Amityville Horror

Amerika lange vor der großen Immobilienkrise. Die Familie Lutz, eine typisch amerikanische Durchschnittsfamilie mit zwei Blagen, einem Hund jeder Menge Schulden am Hals kauft sich ein hübsches Häuschen im verträumten Örtchen Amityville. Leider hat die Maklerin vergessen zu erwähnen, dass dort vor einigen Jahren der älteste Sohn der Vorbesitzerfamilie eben diese mit ein paar gut gezielten Schüssen gemeuchelt hatte.

Die Lutzens sind anfangs ganz zufrieden mit ihrer neuen Hütte, bis auf das Fliegenproblem und die kalten Stellen in einem Zimmer. Gelegentlich verschwinden mal ein paar Sachen und ab und an knarzt es im Gebälk. Es kommt aber dann zu einigen unheimlicheren Vorkommnissen. Ein befreundeter Priester, der das Haus segnen will, erhält von einer kalten Geisterhand eine gewischt und die dazugehörige Geisterstimme fordert ihn auf, sich vom Acker zu machen. Einer ebenfalls mit den Lutzens befreundete Nonne wird es beim Betreten des Hauses ganz blümerant zumute und sie reihert daraufhin in die Einfahrt. Vater Lutz beginnt sich zu verändern, er wird plötzlich extrem agressiv zu seinen Mitmenschen. Auch das Töchterchen fängt allmählich an zu spinnen, sie legt sich einen unsichtbaren Spielgefährten zu und der nervige Babysitter wird kurzerhand im Kleiderschrank eingesperrt. Mutter Lutz wird von einer geisterhaften Fratze im Fenster angestarrt und allmählich beginnt sie zu ahnen, dass hier irgendetwas nicht stimmt. Bei ihren Nachforschungen stößt sie auf die blutige Vorgeschichte des Anwesens (siehe oben). Als dann eine andere übersinnlich begabte Bekannte der Familie im Keller eine rot angepinselte Geheim-Kammer entdeckt ist für Mama Lutz das Maß voll. Geister, Gespenster oder Dämonen werden nicht geduldet, also versucht sie gemeinsam mit ihrem Mann das Haus selber zu segnen und eine Art Haus-Exorzismus durchzuführen. Das hätten beide aber mal lieber sein lassen sollen, denn jetzt wird's richtig wild, jetzt geht's erst recht rund! (Merke: Niemals in einem Spukhaus beten!) Schwarzer Schleim quillt aus den Abwasserrohren und aus den Wänden, die Lampen fangen an zu tanzen und Familie Lutz  zieht mitsamt Hund von dannen.


Amityville Horror wird oft als der König der Spukhausfilme bezeichnet. Allerdings muß man sagen, dass die ganze Chose mehr oder weniger schon mal da gewesen ist., manchmal sogar wesentlich besser als in diesem Film. (Siehe z. B. "Bis das Blut gefriert"). Interessant ist hier, dass die Geschichte auf einer wahren Begebenheit beruht und nach einem erfolgreichen Tatsachen-Buch gedreht wurde.

Die wahre Geschichte ging in den 70ern durch alle Medien und es gab einen mächtigen Wirbel um die echte Familie Lutz und die zahlreichen selbsternannten Geister-Experten, die sich um die Aufklärung der Sache bemüht hatten. Zum Schluß haben sich dann alle gegenseitig verklagt......

Eigentlich finde ich die Hintergrundgeschichte der ganzen Angelegenheit und was darauf folgte interessanter als die Story und den Film selber. Auf der DVD mit der ungekürzten Fassung des Films sind einige Dokumentationen enthalten, die das Phänomen des Amityville-Hauses nach dem Motto "Fakt oder Fälschung" genau unter die Lupe nehmen. Hier werden unter anderem Zweifel am Wahrheitsgehalt der Lutzschen Aussagen laut (ein Klempner meinte, die Heizungsanlage wäre defekt gewesen und die Lutzens hätten nur eine leichte Kohlenmonoxydvergiftung erlitten, die Halluzinationen hervorgerufen hat.). Spätere Bewohner des Hauses blieben schließlich vom Spuk verschont.

Eine große Zahl von Geisterhaus-Filmen folgte, manche waren gut ("The Nesting" oder "Das Grauen"), manche schlecht. Es gab die übliche Reihe von Fortsetzungen, wobei die zweite noch ganz gut war, der Rest aber ebenso verzichtbar ist wie das unsägliche und begähnenswerte, in Spezialeffekten ertrinkende Remake von 2005.

"Amityville Horror" ist ein ganz netter Grusler mit einigen guten Ideen und wirklich tollen Darstellern, allen voran James Brolin (mit Vollbart und Pudel-Haarmatte) und Margot Kidder (der ersten Freundin von Superman). Kamera, Schnitt und Regie sind auch ok, lediglich im Drehbuch gibt es ein paar kleine unlogische Stellen, manchmal hängt die Handlung auch kurz etwas durch, aber unterm Strich gelingt es hier eine durchgehend unheimliche Atmosphäre aufzubauen. Der Film ist recht unterhaltsam und baut einen guten Spannungsbogen auf. Dabei kommt er dankenswerterweise ohne große Spezialeffekte aus. Allerdings wird viel mit Horror-Standarts gearbeitet (zuckende Blitze in stürmischer Nacht, unheilschwangere Musik, Erschrecken vor der Katze, Papa schwingt die Axt, etc.).

Die bisherigen Fernsehfassungen waren unverständlicherweise leider alle um einige Handlungsszenen gekürzt, wodurch sich einige Löcher in der Handlung ergeben. Ich habe mir für drei Euro die DVD mit der ungekürzten Fassung in der MGM Gold Edition mit der Bonus-DVD mit dem erwähnten Doku-Material von einem Grabbeltisch besorgt. So macht der Film gleich mehr Spaß.

Wer sich für Spukhausfilme interessiert, dem sei auch die Doku-Serie "Verflucht" ans Herz gelegt, die sich mit verschiedenen Spukhäusern in den USA beschäftigt. Die unheimlichen Ereignisse werden dort recht gruselig mit Schauspielern und ohne große Spezialeffekte nachgestellt. Das Ganze lief, bzw. läuft demnächst wieder auf dem Sender DMAX.

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