"The Amityville Horror" gilt, das zeigen allein schon die zahllosen Sequels, als einer der Klassiker modernen Kino-Horrors. Die Verfilmung des angeblich auf wahren Tatsachen beruhenden, gleichnamigen Romans spielte schon 1979 mit dem Realmoment, den zwanzig Jahre später "The Blair Witch Project" freilich in viel größerem Rahmen für seine PR nutzte; dem Zuschauer soll das Gefühl vermittelt werden, hier das Abbild eines realen Horrortrips einer "ganz normalen" amerikanischen Familie auf der Leinwand zu verfolgen.
In einem altehrwürdigen Wohnsitz direkt an einem großen See ermordet der halbstarke Ronald DeFeo Jr. eines Nachts seine gesamte Familie mit einer Schrotflinte; bei der späteren Vernehmung behauptet er, das Haus habe es ihm so befohlen.
Ein Jahr später kauft Familie Lutz (J. Brolin, M. Kidder) das Haus zu einem günstigen Preis, doch auch vor ihnen macht das Grauen nicht halt...
Um das gleich vornweg zu nehmen; Regisseur Stuart Rosenberg präsentiert uns hier einen Film, der sich über die ganze Lauflänge nicht richtig entscheiden kann, ob er nun zeitgenössischer Slasher- oder doch eher Psychohorror sein will. Der bemühte Versuch, es beiden Klientels recht zu machen, erweist sich letzten Endes als KO-Schlag für "The Amityville Horror", das man getrost als eine ungesunde Mischung aus "The Evil Dead" und "Shining" beschreiben kann.
Gerade zu letzterem Klassiker des Genres zeigen sich doch zu viele Parallelen, als dass man diese wohlwollend als Zufall hinnehmen könnte. Der langsam wahnsinnig werdende Familienvater, der alles andere als mit seiner privaten und beruflichen Situation zurechtzukommen scheint, der schließlich von den bösen Geistern des uralten, seine mystisch-satanische Vergangenheit nicht besonders gut verbergenden Hauses besessen wird und axtschwingend auf seine Familie losgehen will; all das könnte auch einer Besprechung des Werks von Stanley Kubrick entnommen sein, welches sich zur Erscheinungszeit von "The Amityville Horror" gerade in der Endphase seiner langfristigen Produktion befand. Jedoch schafft es weder der zwar solide, aber nicht herausragend spielende James Brolin noch der an wirklicher Suspense gnadenlos scheiternde Regisseur, auch nur ansatzweise an die Leistungen ihrer Pendants in "Shining" heranzureichen.
Lalo Schifrin, der für seinen Score zum Film zurecht mit einem Oskar nominiert wurde, zieht den Karren schließlich fast im Alleingang aus dem Dreck. Gemeinsam mit der durchaus stimmigen Szenerie des Hauses am See, das mit glühend roten Augen bereits im Vorspann den Zuschauer anfunkelt, schafft seine Musik die Athmosphäre, die den Film dann doch sehenswürdig macht. Auch einige innovative, herrlich surreale Ideen wie das Fliegenzimmer bleiben nach dem Anschauen wohl in Erinnerung.
Alles in Allem ist "The Amityville Horror" also nur etwas für wirkliche Genrefans, die dem aus heutiger Sicht (und wohl auch schon damals) doch an vielen Stellen eher mit einem müden Grinsen zu quittierenden Spuk mit viel Liebe zum Kino entgegenkommen. Mit genügend Popcorn und Bier macht das Ganze dann durchaus auch noch genug Spaß als "Warm-Up" für einen kurzweiligen Filmabend unter Freunden.
05/10 Punkten.