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Es ist immer wieder schön Filme zu sehen, die einem eher gemächlich und in nicht Tabu brechender Weise (möglichst unblutig und nicht sensationell schockierend) das Gruseln lehren. Dazu gehören Shining, The Omen, Poltergeist und über weite Strecken auch Amityville Horror aus dem Jahr 1979.

Der Film baut langsam seine Spannung auf, in eher unspektakulären Bildern und mit dezenten Effekten, die sich in sich verselbstständigenden Einrichtungsgegenständen oder Teilen des Hauses zeigen. Stimmen sind zu hören, Fliegen tauchen unerklärlich in einem Raum auf und alles Christliche wird vom Schauplatz verdrängt, dringt noch nicht mal per Telefon ins Haus ein, das von dämonischen Mächten besessen ist. Langsam verliert der Familienvater seinen Verstand, vernachlässigt seine Firma, baut Aggressionen auf, für die ihm das Haus auch immer wieder Gründe liefert, wie etwa das verschwundene Geld des Bräutigams, aufgrund dessen der Familienvater später in Streit mit dem Caterer der Hochzeit gerät.

Hier zeigt das Drehbuch durchaus Feinfühligkeit für die Handlung und die Figuren, doch leider bleiben dies zu häufig nur Momente, denn vieles im Film erscheint unlogisch und manche Handlung der Personen wirkt sehr bemüht. Klar sollen die sich verändernden Personen ein unerklärliches Verhalten an den Tag legen, das ihnen sozusagen vom Haus aufgezwungen wird. Dennoch: Manchmal scheint einiges an den Haaren herbeigezogen, wirkt wie ein Versatzstück, das der Drehbuchautor nicht zu Ende oder zumnidest nicht weitergedacht hat.

Mit der Zeit verliert Amityville Horror auch an Spannung. Den Machern fällt irgendwie nichts neues ein, um den Gruselfaktor zu steigern. Ab der Mitte etwa plätschert die Handlung vor sich hin, manchmal wird es kurz spannend, aber der Spannungsbogen hat zu viele Durchhänger.

Und das Ende fand ich leider sehr schwach. Hund gerettet und alles ist gut. Ich hatte das Gefühl, da fehlt doch was.

Die Atmosphäre, der Score, das Setting und vor allem auch die Schauspieler passen sehr gut - das Niveau des Films ist überdurchschnittlich, nur die Spannung lässt eben aufgrund von sich wiederholenden Motiven einfach nach.

Fazit: Amityville Horror ist ein guter und zum großen Teil spannender Film mit viel Gruselatmosphäre, der aber über die gesamte Länge betrachtet schwächelt. Wer angenehme Unterhaltung im Horrorgenre sucht und auf blutige Effekte dabei verzichten kann/mag, wird hier fündig. Reine Torture-Porn-Freaks werden sich aber zu Tode langweilen. Klassischer Grusel-Horror der 70er/80er-Ära. Das Bild der Doppel-DVD ist gut. 6/10

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