Review

Wenn Horrorfilme Geld abwerfen, werden gleich munter Fortsetzungen hinterher gekurbelt bis die Franchisekuh leer gemolken ist. Der erste „Amityville“ war dank geschickter Vermarktung und damals aktuellen Filmthemen (Exorzismus + besessenes Haus) vor allem in Amerika ein Knüller, so dass drei Jahr später, nach genau diesem Schema die Fortsetzung ins Rennen geschickt wurde.

Wieder ist die Villa, die auf einem entweihten Indianerfriedhof erbaut wurde, die Wurzel allen Übels und wieder zieht eine Familie in das leer stehende Haus. Es ist trister Herbst die Blätter fallen, die Sonne ist nicht zu sehen, der Wind weht gar fürchterlich und das Häuslein strahlt schon von sich aus, auch dank der fiesen Giebelfenster, eine bedrohliche Aura aus. Da der Geldsack für die Fortsetzung wohl nicht so dick war, wurden durchweg unbekannte oder kostengünstige Gesichter an die Sets gelassen; und zwar vor und hinter die Kulissen.

Ohne sich lang an Charakterdarstellungen aufzuhalten (herrscht eh Friede, Freude, Heiterkeit, abgesehen vom machthungrigen Familienoberhaupt), wird auch schon bald munter gespukt, im Keller gibt es eine Klappe, aus der es höllisch stinkt und Ungeziefer kriecht und der Haussegen hängt auch schon auf halb Acht, so dass der Priester nichts zu tun bekommt und ungetaner Arbeit erstmal von dannen zieht.

Aber verdammt, die Inszenierung macht durchaus Spaß, da durchweg altmodisch inszeniert (Immerhin, wir sind im Jahr 1982) und erst mal irre führend (Huch, da ist ja niemand). Der erwartete Dämon taucht nicht auf, aber dafür häufen sich die nicht erklärbaren Aktivitäten im Haus. Da bersten während des Tischgebets schon mal die Spiegel oder klingelt nachts der Unhold, der sich dann aber doch erst mal nicht zeigt, um später mit voll Karacho zum Angriff zu blasen.

Derweil dreht es Vater mit dem Ledergürtel schon die ersten Sicherungen aus, was die Kleinsten auszubaden haben. Wer sonst bemalt so kunstvoll die Wände? Und wäre da nicht der Sohnemann mit der schnellen Flinte, würde die Familientragödie schnell ihren Lauf nehmen. Und das alles schon in der ersten Nacht, nach einer Miniexposition. Teil 2 setzt auf Nervenkitzel, Spielereien mit menschlichen Urängsten und zeigt erstmal nichts Grausames. Das kommt später. Die Musik ist schrill, die Kameraperspektiven mitunter schräg und verdammt das Konzept geht auf, auch wenn man das Gefühl nicht loswird, alles Dargebotene schon mal gesehen zu haben. Gab es von dieser Marke in den 70ern doch Exemplare wie Lurche in der Hose.

Der Priester wird derweil von seiner Kirche ausgebremst, obwohl jeder Blinde sieht, was in der Villa im Busch ist, denn wo fleißig gesegnet wird, sich große Jungs eigenartig verhalten und schon mal Blutstürze aus der Winkerkelle schwingen, kann die Kirche ja nicht mehr im Dorf stehen. Aber die Schäflein sind zahlreich, der gebeutelten Schwester wird, trotz Bekenntnis im Beichtstuhl, zu wenig Aufmerksamkeit geschenkt und das Schicksal nimmt während eines beachtlich konsequenten Slashereinschubs seinen Lauf. Wer lässt seine Wummen aber auch so frei im Keller herumstehen? Klar, die Amis!

Irgendwann schwant dem Mann aber dank traumatischer Erfahrung, dass er vielleicht doch einen Fehler gemacht hat, aber da ist es schon zu spät? Wo wir dann beim Exorzismuspart angekommen wären, aus dessen Genreklassiker auch frei zitiert wird. So wird es dann final in der Villa heftig mit dem Dämon getrieben (also ausgetrieben, nicht missverstehen), bis der Besessene mit weißen Licht in der Luft baumelt und gar nicht mehr weiß, was die Chose hier soll und der Priester sich fragt, warum der Dämon seinen Wirt gewechselt hat. Teil 3 darf kommen!

Keine Frage, „Amityville 2 – Der Besessene“ entfacht in seiner erfreulich altmodischen Inszenierung, zu der sich wohl jeder Cineast in heutigen Zeiten zurücksehnt, durchaus eine gruselige Atmosphäre besitzt, allerdings auch kein Stück Eigenständigkeit inne hat, sondern halt aus diversen Klassikern zusammen klaut, was aber nicht schlecht sein muss. Nur leider ist der Übergang von „Haunted House“ auf „Exorzist“ so simpel aneinander gehenkt, als das man daraus zwei Filme machen könnte. Der Priester hängt so lange in der Warteschleife, bis man in zur kurzen Segnung ins Haus lässt, um ihn dann wieder mit Blindheit und Desinteresse zu beschlagen, damit er final exorzieren darf. Die Akteure darf man getrost als Durchschnitt bezeichnen, auch wenn sie hin und wieder zum Overacting neigen und in Person der Kleinkinder gewaltig auf die Nerven fallen.

Fazit:
„Amityville 2 – Der Besessene“ ist eine solide, wenn auch in allen Belangen vorhersehbare Fortsetzung, jedoch old-school und meist atmosphärisch inszeniert. Die Kombination dreier Genres (besessenes Haus, Minislasher, Exorzismus) wirken aber etwas lieblos aneinander geklatscht. So bleibt ein netter Horrorfilm mit guten Make-up-Effekten, der aus der Masse aber nicht herausragen kann. Dennoch, auf dem Gebiet gibt es weit schlimmere Exemplare. Vor allem in den letzten Jahren produziertes. Mauert bloß die Keller zu! Aber da sollten ja noch etliche Fortsetzungen folgen…

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