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Sie haben schon immer einen große Faszination auf den Zuschauer ausgeübt - Naturkatastrophen und ihre bildgewaltige Darstellung in Filmen. Meistens musste sich der Fan dann allerdings mit schauspielerischer Magerkost zufrieden geben, wenn er nicht sogar die mitgelieferte Rahmenhandlung oftmals als unnötig und störend empfand. Für diese Leute ist dieser knapp einstündige Exkurs von der BBC gerade richtig. Hier gibt's zwar auch als übergreifendes Gerüst zwischen den einzelnen Zerstörungsorgien die Story um den Wissenschaftler Dr. Howell auf dem Weg zu einem außergewöhnlichen Experiment, doch erstens ist diese Handlung schmales Beiwerk und zweitens lässt man hier ordentlich die Sau raus: Wo kriegt man schon mal auf einen Schlag einen Riesentsunami, einen Megavulkan beim Ausbrechen, eine tödliche Virenepidemie, einen Meteroiteneinschlag und einen Super-GAU in einem Teilchenbeschleuniger zu Gesicht? Also das Angebot stimmt soweit schon mal.

Die Macher haben sich bei den Szenarien richtig ausgetobt. Tricktechnisch können die entfesselten Naturgewalten jedenfalls durchaus mit ihren großen Vorbildern aus Hollywood mithalten. Die Flutwelle, die auf New York trifft, sieht beeindruckend aus, genauso wie der Vulkanausbruch im Yellowstone-Nationalpark. Besonders mulmig dürfte dem deutschen Zuschauer geworden sein, als ein Meteorit volle Kanne Berlin trifft. Wenn man dann noch sieht, wie die Leute aus der Stadt fliehen, mit den uns bekannten Bildern von überfüllten Regionalzügen und die Kulisse der Hauptstadt für Vertrautheit sorgt, dann stockt einem doch eher der Atem, als wenn das ganze in einem anderen Winkel der Erde passiert. Ein Kompromiss an die Massentauglichkeit stellte wohl die Episode mit dem Virus dar, jedenfalls setzte man hier weniger auf Schockeffekte, sondern versuchte, eine hilflos ausgelieferte Bevölkerung und das kopflose Agieren von Behörden und Militär zu skizzieren, was aufgrund der kurzen Zeit nur ansatzweise gelingen mag.

Interessant, wie die einzelnen Episoden von einer großen Klammer zusammengehalten werden sollen. Denn all das passiert an einem einzigen Tag im Leben des Dr. Howell, der mit einem Teilchenbeschleuniger ein gefährliches Unterfangen durchführen soll. Er schnappt auf dem Weg zur Arbeit über Funk und Fernsehen die Hiobsbotschaften aus aller Welt auf. Durch die Verflechtung mit den real aussehenden BBC-Nachrichtensendungen, die sehr an das deutsche n-tv erinnern, wird dem Zuschauer ein hohes Maß an Authentizität suggeriert. Dramaturgisch jedoch wenig gelungen, dass Howell in einer Art „Murmeltier"-Modus den Tag immer wieder aufs Neue erleben muss. Dies funktioniert nur bedingt und trotz der kurzen Laufzeit macht sich schnell Langeweile breit, denn im Gegensatz zum großen Vorbild in Spielfilmformat wird die Story endlos wiederholt ohne in den Abläufen zu variieren, maximal ändert sich höchstens mal eine Kameraeinstellung, das war's dann aber auch. Dafür beweist man allerdings Sinn für schwarzen Humor, denn jede Katastrophe wird mittels Abspann mit „The End" betitelt und es erklingt ein Song „And Tomorrow Never Comes". Trifft allerdings die Wahrheit ziemlich genau.
 
Erstaunlich allerdings, dass die wissenschaftliche Abgeklärtheit, die man ja von anderen BBC-Dokumentationen durchaus kennt, hier so ziemlich auf der Strecke bleibt. Naturwissenschaftliche Exkurse und Hintergründe, wann solch gigantische Naturgewalten über uns hereinbrechen könnten, fehlen völlig. Lediglich am Schluss einer jeden Episode orakelt ein Möchte-Gern-Experte: „Die Frage ist nicht OB so etwas passieren kann. Die Frage ist, WANN passiert es?" Wenigstens kommt noch zur Entkräftung, dass die fünfte und letzte Katastrophe - das Entstehen schwarzer Löcher und das Verschlingen der Erde in ihnen - ein reines Phantasieprodukt ist. Na dann können die in ihrer LHC-Tunnelanlage in der Schweiz fröhlich weiter rumspielen, wenn dem wirklich so ist...

„End Day" ist für Katastrophen-Junkies wie ein fünffacher Quickie, man kommt schnell zur Sache und hält sich nicht mit viel Schnickschnack auf. Falls es Leute gibt, die tatsächlich sehnlich auf den Multi-Katastrophen-Film „2012" warten, können diese hier schon mal in Vorfreude schwelgen. Auch wenn ich den Emmerich noch nicht kenne, die Prognose sollte so kühn nicht sein: Reichlich flach, aber auch unterhaltsam sind wohl beide!

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