Eine Falle für den Banditen (1946, s/w) von S. Sylvan Simon
...USA nach dem Bürgerkrieg. Zeb Bascomb (Wallace Beery) verunsichert mit seiner Bande überall die Gegend. Nachdem sie bereits in Dakota und Nebraska fette Beute machten, halten sie sich derzeit in Wyoming auf. John Fulton (Donald Curtis) ist mit 10 Bundessoldaten von der Regierung beauftragt, Bascomb und seine Gang zu jagen und festzunehmen. Obwohl der alte Bascomb überall seine Spitzel hat, geht beim letzten Banküberfall alles schief und er flieht zusammen mit Bart Yancy (C. Carrol Naish) - seiner "rechten Hand". Erst kürzlich sind sie einem einzelnen Mormonen begegnet, den sie aus lauter Misstrauen fälschlicherweise für einen von Fultons Männer hielten. Dieser berichtete u.a., dass sich viele Mormonen auf dem Weg nach Utah befinden. Auf ihrer Flucht treffen sie nun tatsächlich auf diesen Mormonentreck, der aus rund 20 Planwagen besteht. Hier, unter all den frommen Seelen, würde man sie bestimmt nicht suchen und so preisen sich Bascomb und Yancy als neue Glaubensbrüder an. Doch dort lauern andere Gefahren! Der Weg ist weit und voller Entbehrungen und neben den Widrigkeiten der rauhen und wilden Natur, sind auch viele Indianer in der Nähe! Diese verhalten sich aber normalerweise friedlich, es sei denn, der Treck durchkreuzt ihr Gebiet oder sie werden von Weißen angestachelt! Doch auch innerhalb des Trecks befindet sich eine Risikoquelle - Gold...
Mhhh - was war das für ein schöner Western!
Darf es zwischendurch mal was anderes sein? Ausnahmsweise mal ein Western, in dem sich NICHT irgendwelche schmuddeligen Typen die Schnauzen blutig schlagen? Wo sich KEINE finsteren Gestalten beim Pokern betrügen, um sich anschließend in Fetzen zu schießen? Auch KEIN heruntergekommenes Milieu, in dem Frauen geohrfeigt und derbe Sprüche geklopft werden?
"Eine Falle für den Banditen" zeigt hier in sehr unterhaltender Weise den Facettenreichtum dieses Genres. Ich habe in den letzten 1, 2 Jahren so einige Planwagen-Western gesehen, doch "Bad Bascomb" gehört auf jeden Fall zu den Highlights! Anders wie man vermuten könnte, steht Planwagen und Siedler nicht für Langeweile pur, endlose Gesangs- und Kocheinlagen, schleimige Romanzen oder schwer verdauliche Predigten.
Nein, Planwagen-/Siedlertreck-Western bedeutet normalerweise immer viel Abenteuer. Und so erreichen i.d.R. auch nie alle Planwagen ihr Ziel, da unterwegs einfach zu viele Risiken und Gefahren lauern. So sieht man in diesen Verfilmungen immer wieder dramatische und spektakuläre Szenen, wie einzelne Wagen, die vom Abhang herunterstürzen, Ochsen, die bei der Flussüberquerung davontreiben, Indianer, die den zur Wagenburg formierten Treck angreifen und abfackeln oder einfach Zwist und Missgunst unter den Siedlern. Kurz um - man hat das Gefühl, als biete dieses Subgenre für Filmemacher ein Eldorado, um sich auf dem gefährlichen Weg von A nach B mal so richtig austoben zu können! ^^ Auch "Das Schaf im Wolfspelz", mit dem dieser Film eigentlich treffender betitelt wird, schöpft teils aus diesem "Gefahrenarsenal" (sonst wär's ja wirklich langweilig)! ;)
Das Besondere bei dieser Planwagenvariante sind aber nicht die Wiederholung bestimmter Spektakel, sondern der Charme und die amüsanten Dialoge, die dieser Streifen parat hält. Es ist keine direkte (Blödel-)Komik, aber die meist heiteren Unterhaltungen machen viel Freude und stellen eine Art Erfrischung dar, während man die teils sehr beeindruckenden Bilder genießt. Auch schwingt manchmal ein Hauch von Romantik mit, der aber zu keiner Zeit nervt.
Insbesondere Wallace Beery, der 1949 verstarb und hier in seinem viertletzten Film zu bewundern ist, gibt der Figur des "Bad Bascomb" eine amüsante und sehr liebenswerte Art. Vielleicht auch schon deshalb, weil er mich vom Wesen, aber auch in wenig vom Aussehen ständig an Mel Brooks erinnerte! ^^ Erwähnenswert ist aber auch die kleine Vollwaise "Emmy" (Maragret O'Brien), die zu Zeb Bascomb, der sich bei den Mormonen als Ezekiel "Zeke" Smith ausgibt, ein ganz besonderes Verhältnis aufbaut. Diese Parallelhandlung zeigt übrigens auch sehr anschaulich, wie sich ein Mensch verändern kann, wenn sich sein Umfeld ändert! Und trotzdem wirkt dieser Film niemals schnulzig oder kitschig! Natürlich hatte man in den 1940er Jahren einen anderen und in gewisser Hinsicht gemäßigteren Drehstil, aber Actionszenen sind hier genug verbaut und gerade im letzten Viertel zieht dieser Planwagen-Western nochmal all seine Register und nagelt den Zuschauer mit extremer Spannung an den Fernsehsessel!
"Bad Bascomb" steht zweifelsfrei für Action, aber auch für hohen Anspruch! Neben abendfüllender Unterhaltung ist er zudem ein Stück weit was für's Herz! Schade, dass er in s/w ist, ansonsten habe ich nichts zu meckern - volle 10 Punkte!
Viel Spaß und gute Unterhaltung! ;)