Review

Vorgeschichte:

Wir schreiben das Jahr 1981. Ich bin vierzehn Jahre alt und schaue mir die in Schaukästen hängenden Plakate kommender Kinofilme an. Und plötzlich ist der kleine Arne wie paralysiert von den Fotos eines der vorgestellten Zelluloidwerke. Und dieser Film hieß:

A M E R I C A N W E R E W O L F

„Ich muss da rein – ich muss diesen Film unbedingt sehen!“, spreche ich beschwörend zu mir selbst. Allerdings war dieser Film erst ab 16 Jahren freigegeben. Und ich sah keinen einzigen Tag älter aus, als ich es war. Also hatte ich ein Problem, zumal man in dem Kleinstadtkino durchaus genauer hinschaute, ob jemand die vorgegebene Altersvorgabe erfüllte. Also „borgte“ ich mir die Lederjacke meines älteren Bruders und setze mir eine große dunkle Sonnenbrille auf. Derart präpariert trat ich an den Kassenschalter und erbat mir mit aufgesetzt tiefer Stimme Einlass.

Tja, so ist‘s einst geschehen …im beschaulichen Reinbek nahe Hamburg…. vor 27 Jahren.

Inzwischen geh ich davon aus, dass auch meine Verkleidung mich nicht wirklich hat älter aussehen lassen, sondern dass mich die dickliche Frau hinter der Glasscheibe einfach nur drollig fand oder Mitleid mit mir hatte. Auf jeden Fall erhielt ich die heiß ersehnte Eintrittskarte und erlebte einen (aus damaliger Sicht) verstörenden, hochspannenden Gruselschocker, der jahrelang zu meinen absoluten Lieblingsfilmen zählte; - weshalb ich ihn mir allein bis zu meinem zwanzigsten Lebensjahr wohl ungefähr 15 mal reingezogen habe.

Ja, mir ist natürlich klar, dass heutige Teenies American Werewolf nicht mehr als Schocker empfinden. Doch vor einem Vierteljahrhundert waren wir Jugendlichen, was den Konsum „schlimmer Filme“ anging, längst noch nicht so verroht wie die heutige Jugend. Heute kann sich jeder Junge im Grundschulalter ohne großen Aufwand die heftigsten Horrorschocker aus dem Netz ziehen.

Sei‘s drum.



zum Film:

Erzählt wird die Geschichte der Männer David (David Naughton) und Jack (Griffin Dunne), die per Anhalter durch das englische „Hinterland“ trampen. Nach einer ungemütlichen Fahrt auf der Ladefläche eines kleinen urigen Schaftransporters und einen sich daran anschließenden Fußmarsch, landen die beiden Freunde in einem Pub. Die anwesenden Pub-Besucher verhalten sich ihnen gegenüber ablehnend. Und als sie unbekümmert fragen, was es mit einem auf die Wand aufgemalten Pentagramm auf sich hat, werden sie zum Gehen aufgefordert.

„Ihr könnt sie jetzt nicht einfach so gehen lassen …“, fleht die Wirtin mit Hinweis auf die einbrechende Vollmondnacht. Doch man überlässt sie ihrem Schicksal. Allein gibt man ihnen den Hinweis mit auf dem Weg, auf der Straße zu bleiben und sich vom Moor fern zu halten. Allerdings nehmen die beiden Männer diese Warnung nicht ernst. Und somit finden sie sich nur wenig später im Moor wieder, wo sie ein unheimliches und sich ihnen näherndes Wolfsgeheul hören.

In dieser Szene zeigt sich erstmals eine überaus gelungene Kombination, die diesen Film auszeichnet. Die Rede ist von einem wunderbar aufeinander abgestimmten Gemisch aus Spannung, Grusel und schwarzem Humor. So liefern sich die beiden Freunde in dieser Szene einen einerseits höchst unterhaltsamen Dialog, während sie sich anderseits „vor Angst fast in die Hose scheißen“. Und eben diese Mischung aus pechschwarzem Wortwitz und knisternder Spannung baut sich immer mehr auf, bis der Werwolf schließlich direkt vor den beiden jungen Amerikanern auftaucht. Doch selbst jetzt, wo die Spannung ihren Höhepunkt erreicht zu haben scheint, dreht der Regisseur erneut an der Spannungsschraube.

Bis heute zählt American Werewolf zu den besten Vertretern seines Genres. Und wer etwas anderes behauptet, der wird von mir in der nächsten Vollmondnacht in Stücke gerissen! Und American Werewolf ist besonders unterhaltsam für alle jene, die den typischen britischen staubtrockenen Humor zu schätzen wissen. Dieser kommt z.B. sehr gut in jener Szene rüber, in der sich der junge David nach seiner ersten Nacht als Werwolf nackt im Londoner Zoo wiederfindet. Mit herrlichem Wortwitz windet er sich durch die für ihn peinliche Situation.

Doch dieses Meisterwerk bietet vor allem jede Menge gruselige und zum Teil sogar nervenaufreibend spannende Szenen. So etwa jene, in der ein Mann allein auf einem unterirdischen U-Bahnsteig steht und ein unheilvolles wolfsähnliches Geheul vernimmt.

„Ich finde das nicht komisch“, sagt der Mann, wobei ihm die Angst bereits ins Gesicht geschrieben steht. Und als die unheimlichen Geräusche bedrohlich näher kommen, fügt er fast panisch an: „Ich werde Anzeige gegen sie erstatten.“

Der Zuschauer fühlt sich in diesem Augenblick zwischen Grinsen und Gänsehaut hin- und hergerissen. Und so wie in dieser Szene läuft es in diesem Machwerk häufiger ab.

Garniert wird die klassische und in die moderne Zeit transferierte Werwolfstory mit einer kleinen Lovestory sowie einem grandiosen, wenngleich auch (für mein Gefühl) viel zu kurzem Showdown.

Obendrauf gibt es einen sehr coolen „Oldie-Soundtrack“, gute bis phantastische (Alp-)Traumsequenzen.Und völlig zu Recht erhielt American Werewolf einen Oscar für die Spezialeffekte. So gehört die erste Verwandlung in der Wohnung der Krankenschwester bis heute zu den besten „Metamorphose-Szenen“ der Filmgeschichte.



9.5 von 10 Punkten

(…auch wenn dieser Film aus heutiger Sicht vielleicht nur noch 8.5 Punkte verdient hätte… )

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