Review

Kalauer und Klauen

"An American Werewolf in London" ist noch vor dem oft von ihm selbst erwähnten Universal-Klassiker "The Wolfman" mein persönlich liebster Lykantrophen-Horror -oft zum Schmunzeln, immer zum Strahlen, oft zum Fürchten, immer zum Genießen. John Landis pulverisiert hier tonal alle Grenzen, kennt seine Vorbilder genau und liegt mit der ideal ausbalancierten Mischung aus Schrecken und Smilen absolut richtig. "American Werewolf" ist ein Paradebeispiel eines Films, der sich nicht in Boxen packen lässt, der immer überrascht, der oft andere Wege geht als man meint. Wenn er nicht der beste Ableger seines Subgenres ist, dann immerhin der unterhaltsamste. Allein das Intro bzw. die Einführung im englischen Hintermoor ist eine Klasse für sich und vollgesogen mit Charme, Atmosphäre und altmodischem Schauer. Zwei amerikanische Backpacker und beste Freunde wandern durch die vernebelten Moore Englands, wo sie von einem riesigen Wolf angegriffen werden. Der einzige Überlebende wacht nach Wochen mit Bissspuren in einem Londoner Krankenhaus auf und muss durch bizarre Visionen schnell feststellen, dass der behaarte Angreifer weder ein klassisches Tier noch ein mordender Psychopath war und er nun den legendären Werwolffluch inne haben könnte...

Es gibt viel, was ich an diesem fetzigen Werwolf-Klassiker mag, ja liebe. Und ganz wenig, was er hätte besser machen können. Das Negative ist schnell abgehakt: es gibt recht wenig Screentime für den Werwolf und das Finale ist schneller vorbei als man blinzeln kann, trotz hohem Bodycount. That's it. Das Positive dauert länger: der Soundtrack ist on fire ("Bad Moon Rising" könnte nicht besser eingesetzt werden), die Freundschaft der zwei Reisenden wirkt jederzeit echt, Rick Bakers Make-Up-Effekte inklusive der besten Werwolf-Verwandlung aller Zeiten sind unübertroffen, Jenny Agutter ist mindestens mal nice anzusehen und wenn er will, dann geht der Film in die Vollen. Sowohl was das Tempo wie den Goregehalt angeht. Da fliegen dann schonmal Köpfe oder werden Hälse zerfleddert. Und er bleibt keine Minute länger als er muss. Über allem wabert ein beschwingter Ton mit vielen Lachern, die die Spannung nie zu sehr dämmen geschweige denn ins Lächerliche ziehen. Alles in allem ergibt das eine Mischung, die die Zeit verfliegen lässt, als ob man in einer Vollmondnacht selbst zum Werwolf wird. Mit dem Unterschied, dass man sich an diesen Film erinnert. Sehr lange sogar.

Fazit: mein liebster aller Werwolf-Flicks - unterhaltsam, spannend und spektakulär in seinen Verwandlungen! Wenn der Vollmond steigt, der Wolf sein Köpfchen neigt, das Publikum lacht, der Schrecken über sie wacht, das Tier im Manne siegt, John Landis sich nicht verbiegt. Kein Wunder, dass sogar Michael Jackson höchst angetan war und das Team sofort für "Thriller" engagierte.

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