"American Werewolf 1" (USA-GB 1981), der von der Mehrheit der Horrorfans auf Platz 1 der Werwolffilme gesetzt wird, ist nur mein Platz 24. Zwar technisch hervorragend und auch dramaturgisch professionell gemacht, aber zwischen einem sehr starken, schaurigen Anfang (bis zur Verwandlungsszene) und einem tollen Schluß (Kino-und-Straßen-Szene) liegt ein langer Mittelteil, der recht langweilig ist mit sinnlosen Gesprächen mit den imaginären halb-zerfleischten Opfern. Auch die Werwolf-Angriffe des Mittelteils sind nur mittelprächtig, weil immer im entscheidenden Moment abgeblendet wird. Die Musik (alte, bekannte Songs) ist zwar sehr gut, aber der Film hat insgesamt viele dramaturgische Schwächen und wird von der Masse krass überbewertet.
Das mag daran liegen, daß er der erste war, der eine detaillierte, technisch hochwerte Verwandlung von einem Menschen in einen Werwolf zeigte. Um diese Leistung zu ehren wurde extra die neue Oscar-Kategorie "Make-up" geschaffen, die Rick Baker dann natrülich auch gewann. Aber technische Pionierarbeit in allen Ehren, das alleine kann doch noch keinen überragenden Film ausmachen. Zwar ist die in gewisser Weise geschmeidige Inszenierungsart von Regisseur/Autor John Landis erkennbar, aber diese moderne Unterhaltungsart hatten in den 80er Jahren die meisten Filme und sie war seit "Star Wars 4" (1977) immer häufiger geworden.
Spannung kommt hier und da bei "An American Werewolf in London" (so der Originaltitel) schon auf, besonders am Anfang wenn die zwei jungen Männer schutzlos über die nächtlicheLandschaft gehen und nicht wissen was da aus einiger Entfernung und dann immer näher auf sie zukommt. Auch die kräftige Gestalt des vierbeinigen Werwolfs am Ende des Films ist sehr gut gemacht.
Aber ein Film kann doch nicht nur an einigen gut inszenierten Momenten/Szenen hochgewertet werden, da muss doch filmisch auch noch mehr Substanz dran sein. Die vermisst der kritische Zuschauer bei "American Werewolf" aber auf breiter Linie. Sehr wenige Personen, dadurch auch kaum nennenswerte Beziehungsgeflechte, dadurch auch kaum gute Dialoge. Keine weiteren dramaturgischen Ideen.
Die Story läßt sich auf einen Satz reduzieren: >Mann wird von Werwolf gebissen, verwandelt sich bei Vollmond dann selbst in Werwolf, tötet einige Passanten und wird am Ende von seiner Geliebten mit Silberkugeln erschossen.<
Eine simple, eindimensionale Story wie in 30 Werwolffilmen vorher. Und sowas soll dann für alle Zeiten der beste Werwolffilm sein? Auch bei viel, viel differenzierteren oder unterhaltsameren Filmen, die später kamen?
Allein schon der Rückschritt wieder nur eine einfallslose Handlung um 1 Hauptdarsteller als Werwolf zu schreiben, der dann einige Menschen tötet (was überwiegend nicht gezeigt wird) und dann selbst erlöst wird, ist doch schwach. Schwach deswegen, weil so viele Filme lange vorher, wie etwa die Universal-Monster-Mixe der 40er und die Naschy-Werke der 70er, spannendere Werwolf-Aktionen mit heftigen Kämpfen gegen andere Schrecken (Vampire, Mumien, Frankenstein) gebracht hatten. "American Werewolf 1" hat keinerlei Kämpfe, keine Gegenwehr und wenig blutige Passagen.
Er ist gut, aber er ist nicht überragend und er wurde vorher und hinterher oft übertroffen, auch wenn die Fans wegen der Verwandlungsszene einen Herzinfarkt kriegen, aber eine 6-Minuten-Szene ist noch kein Siegtor für einen ganzen Film.