Review

„The Sound of War“ ist ein Film, den man ausleiht oder kauft, ohne je vorher etwas von ihnen gehört oder gelesen zu haben, da nirgendwo Werbung für ihn gemacht oder Kritik an ihm geübt wurde. Woran das liegt? Ganz einfach, er ist eine TV-Produktion und denen ist nun mal meist kein großer Bekanntheitsgrad beschienen (oft zu unrecht). „When Trumpets fade“ wurde für den amerikanischen Sender HBO produziert, welcher John Irvin, ein im Kriegs- und Actiongenre mit „Hamburger Hill“ und „The Dogs of War“ erfahrener Mann, für die Regie verpflichtete.
Heraus kam ein ziemlich gelungener, wenn auch durchwachsener Antikriegsfilm, den man sich aber ruhig mal ansehen kann, sofern man den Genre nicht gänzlich abgeneigt ist.
Die Handlung spielt Ende 1944 und es geht um den Kampf der Alliierten und der Deutschen an der Siegfried Linie, genauer gesagt im recht unbekannten Wald von Hurtgen. Der amerikanische Soldat Mannings überlebt als einziger eine große Angriffswelle und will eigentlich nur noch zurück nach Hause, wird aber stattdessen zum Sergeant befördert und muss eine neue Gruppe von Soldaten in den Tod führen.
Die Handlung ist eigentlich ziemlich einfach, es passiert einfach ein Angriff auf die Deutschen nach dem anderen, und immer wieder versucht die Truppe um Mannings es mit neuen Strategien. Trotzdem ist sie meiner Meinung nach für einen 90 Minuten Film dieser Art vollkommen ausreichend, da hier hart der Alltag der Soldaten gezeigt wird. Und der besteht eben nicht aus Sondermission àla „rettet den Soldaten Ryan“ sondern aus Angriff, Gegenangriff und wieder Angriff. Die Gefallenen bleiben dabei namenlos und die neuen Soldaten werden einfach ohne Rücksicht weiter sinnlos verheizt. Der Film zeigt das hart und relativ schonungslos, wobei er für eine reine TV-Produktion doch ziemlich brutal zu Gange geht, wenn man verstümmelte Soldaten auf dem Schlachtfeld schreien oder Einschüsse in Nahaufnahme sieht.
Leider verliert er dabei nie diesen Fernsehcharme, der ihm sehr zum Nachteil wird. Das geht los beim 4:3 Bildformat, das ihn teilweise eher als Soap wie als ernstzunehmenden Film wirken lässt. Ihren Teil zu diesem TV-Serien Gefühl tragen auch die Schauspieler bei, die ziemlich unbegabt durchs Bild laufen. Der Hauptdarsteller zieht dabei immer dieses „Ihr-könnt-mich-alle-mal-am-Arsch-lecken“ Gesicht und zeigt nie irgendwelche Emotionen und die einzige andere Figur, die noch näher beleuchtet wird (der dicke Kerl mit der Brille, fragt mich nicht, wie der heißt) ist die ganze Zeit so tollpatschig und naiv, das einem Angst und Bange werden kann, wie man so was als Soldat an die Front lassen kann. Gleich noch ein Wort zu den Charakteren: Klar, Krieg ist unpersönlich, aber es hätte dem Film wirklich nicht geschadet, wenn man wenigstens zu einer einzigen Person so etwas wie eine Beziehung aufgebaut hätte. Aber nein, hier bleibt alles anonym, kalt und leblos. Irgendwie ist mal als Zuschauer viel zu distanziert vom Geschehen. Dieses Manko kann man zum großen Teil auf die mittelmäßigen Darsteller, aber auch auf das Drehbuch schieben, das ihnen keine Freiräume lässt, mal etwas aus sich herauszugehen. Übrigens hat die dt. Version noch einen zusätzlichen Nachteil: Die Synchronisation. Die Schauspieler, wahrscheinlich aus dem Marienhof geklaut, klingen die ganze Zeit recht gelangweilt und egal wo sich ihr Charakter gerade befindet, die Stimme klingt nach Tonstudio. Hier hätte man echt noch einiges rausholen können. Aber so muss man sich eben den O-Ton anhören.
Die Unpersönlichkeit ist zwar auf der einen Seite ein Nachteil, aber auf der anderen wieder ein Vorteil, nämlich in der Darstellung der Deutschen. Sie werden nicht als besondern „böse“ und schlecht wie in diversen anderen Filmen (ich will hier jetzt keine Namen nennen...) dargestellt, sondern kämpfen eben genauso hart wie die Amerikaner. Sogar Gefangene nehmen sie, ohne sie sofort zu erschießen (so was hat man in amerikanischen Filmen ja selten).
Weiter zur Fernsehatmosphäre tragen außerdem die Kulissen und Waffen bei. Die Handlung spielt nur an drei Orten: An einem Bunker der Amerikaner, mitten im Wald bei den Deutschen oder an einer Brücke, die aber eher aussieht wie ein Haufen Bauschutt. Das mag zwar billig in der Produktion gewesen sein, aber Abwechslung bringt das nicht. Außerdem sehen die Explosionen aus, als hätten sich die Pyrotechniker ausgiebig bei den übriggebliebenen Sylvesterknallern vom letzten Jahr bedient.
Trotz alledem zeigt sich doch, dass der Regisseur Talent hat und mit etwas mehr Geld sicherlich einen großen Film geschaffen hätte. So bleibt aber immerhin ein nettes, schonungsloses und sicherlich (relativ) realistisches Filmchen, was man sich auf alle Fälle mal anschauen kann, wenn man von den üblichen patriotischen Kitsch oder den überzogenen „Satiren“ wie „Full Metal Jacket“ oder „Apocalypse Now“ genug hat.

Jetzt noch ein Wort zur DVD, da diese ja anscheinend auf keinen anderen Seiten getestet wird: Es gibt nur eine Veröffentlichung von EuroVideo und es wird auch so schnell keine Neuauflage geben. Ja, EuroVideo, der Name sagt eigentlich alles.... Als Extras gibt es ziemlich miese Trailer für 3 anderen DVD-Veröffentlichungen von dem Verein (von denen zwei, nämlich „Sniper“ und „The blind Side“ auch noch geschnitten sind) und das wars. Nicht einmal für ein paar anständige Texttafeln hat es gereicht, nur die Filmographien der Darsteller sind enthalten. Das Bild ist stellenweise sehr unscharf und manchmal auch etwas verrauscht, aber man kann damit leben. Der deutsche 5.1 Upmix ist ein Witz. Zu 95% kommen nur die Frontspeaker zum Einsatz, hinten und beim Subwoofer herrscht, bis auf ein paar seltene Effekte, Stille. Klingt eigentlich genauso wie der englische 2.0 Ton (der hier wieder mal vorzuziehen ist), bloß die Stimmen sind um einiges lauter. Das einzige positive an der DVD ist der sehr niedrige Preis (meist um die 6 Euro) und die schönen Menüs, die mit Filmszenen eingeleitet werden und die auch sehr gelungene Kapitelanwahl. Aber bei 6 Euro kann man hier eigentlich gar nichts falsch machen....

Nun noch mal meine Bewertung für den Film, eh ich hier ganz vom Thema abkomme:
7/10 (da ich Fan des Genres bin)

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