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Schon 1998 bewies der US-Sender HBO, dass er für qualitativ hochwertige Produktionen steht, nicht nur formal, sondern auch inhaltlich: In dem Kriegsfilm „When trumpets fade“ (so der bedeutend bessere Originaltitel, aus dem im Deutschen der völlig unpassende pathetische „The Sound of War – Wenn Helden sterben“ gemacht wurde) wird eine Schlacht zwischen vorrückenden GIs und auf dem Rückzug befindlichen deutschen Soldaten irgendwo in den belgischen Wäldern beschrieben. Vom üblichen Helden- und Siegerpathos bleibt dabei hier nicht allzu viel übrig.

Nach einer kurzen Einleitung, die die historische Situation erklärt – Ende 1944, Frankreich ist befreit, die Westfront rückt immer weiter zurück Richtung Deutschland – wirft der Film den Zuschauenden ziemlich direkt hinein ins grausame Geschehen. Der einzige Überlebende einer aufgeriebenen Einheit bekommt eine Gruppe von Anfängern zugeteilt, mit denen er kleine Hilfsarbeiten verrichten soll. Im Zuge der Offensive, eine Brücke zu erobern, entwickelt sich der Trupp allerdings zur entscheidenden Einheit. Das alles läuft jedoch lange Zeit so pathosfrei und desillusionierend ab, wie man es nur von wenigen US-Kriegsfilmen gewohnt ist: Die Soldaten sind allesamt durch das gesehene Grauen gebrochene Männer, niemand hier kämpft mehr ernsthaft für die höhere Sache, stattdessen herrschen Zynismus, Opportunismus und stumpfer hierarchischer Gehorsam. Eine gute Mahlzeit und Zigaretten bedeuten, dass es bald wieder in den Einsatz geht, die Leichen gefallener Soldaten werden auf dem Boden aufgereiht, weil man mit dem Abtransport nicht mehr hinterherkommt, und die Ziele der einzelnen Kämpfenden bestehen im eigenen Überleben und dem Durchsetzen eines Fronturlaubs bei den Vorgesetzten. Von Helden ist hier weit und breit nichts zu sehen, was den Film in der ersten Hälfte sehr intensiv und bestürzend macht.

Auch formal und technisch erweist sich „The Sound of War – Wenn Helden sterben“ für einen TV-Film als aufwendig und gelungen. In düsteren, grau-braunen Bildern wird die klamme Umgebung des spätherbstlichen Waldes intensiv visualisiert, ebenso wie das Grauen des Kriegs: Verstümmelte Leichen, die in blutigem Wasser treiben, brutale Kampfeinsätze, in denen Chaos und Unübersichtlichkeit herrschen, und der grobe Umgang der Männer untereinander lassen die psychisch belastende Situation mehr als deutlich werden. Der Wald ist eine beklemmende Kulisse, und die vor allem in der zweiten Hälfte ausufernden Kämpfe und Schlachten gefallen durch großen Aufwand und überzeugende Effekte – die Grausamkeit des gegenseitigen Abschlachtens lässt selbst das Erobern einer feindlichen Kanone nicht wirklich nach Triumph schmecken.

Schade, dass diese intensive und ungewöhnliche Inszenierung im Schlussteil ein klein wenig aufgeweicht wird: Zu seltsam kitschiger Musik werden hier dann doch das Kämpfen und Sterben zentraler Figuren als pathetische Heldeneinsätze inszeniert, die ganze distanzierte Betrachtung, die bis dahin durch eine beinahe unbeteiligt wirkende Kamera hervorgerufen worden war, verfällt ein Stück weit den üblichen Kriegsfilm-Klischees, die Tod und Elend hinter Mut und Heldenhaftigkeit zurücktreten lassen. Glücklicherweise bleibt dieser Umschwung nur begrenzt und kann nicht die fatalistische Düsterkeit des starken Anfangsteils vergessen machen.

„The Sound of War – Wenn Helden sterben“ erweist sich als düster-brutale Desillusionierung der grausigen Kampfeinsätze, die nötig waren, um den Zweiten Weltkrieg in Europa zu beenden, zeigt die Soldaten als einfache Menschen, die nicht für höhere Ziele, sondern für sich selbst kämpfen, und bringt dadurch das menschliche Element zurück in die tosenden Action- und Kampfeinlagen ähnlich gelagerter Kriegsfilme. Trotz kleiner Durchhänger und der formal etwas schwächeren zweiten Hälfte ist er somit ein Highlight unter vielen, das HBO in seiner langen Produktionsgeschichte aufzuweisen hat.

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