Zwar als bester Film 1970 mit dem Oscar ausgezeichnet, doch irgendwie eher in Vergessenheit geraten als andere Monumente der Kriegskunst. Trotzdem eine hervorragende Sache, vor allem schauspielerisch, denn George C.Scott liefert hier fast drei Stunden eine Charakterstudie vom Feinsten.
Er mal dem Zuschauer das Bild eines hundertprozentigen Militärs, eines Kriegskünstlers, dessen einziger Lebenszwecks Kriege, Schlachten und Strategien sind, der für den Ruhm und das Ansehen fast alles tun würde, der nach seinem eigenen Ehrenkodex und trotzdem sehr gläubig lebt. Und der mit seinen halb reaktionären, halb egoistischen Ansichten immer wieder aneckt, weil er den Krieg persönlich nimmt und ihn als eine fast schöngeistige Sache behandelt, ein edles Gut und gleichzeit höllisch und vernichtend.
Der Film beleuchtet ausschließlich seinen Werdegang während des zweiten Weltkriegs vom Afrikafeldzug über die Eroberung Siziliens über die vorgetäuschte Invasion bis zur Befreiung Frankreichs.
Problematisch wird der Film allerdings mit seiner Ideologie. Man wird sich nämlich bei Ansicht kaum entscheiden können, ob wir es hier überhaupt mit einem Kriegsstatement zu tun haben. Oder noch besser: Kriegsverehrer und Kriegsgegner werden hier genug finden, um den Film für ihre Sache vor den Wagen zu spannen. Einerseits watet er in schrecklichen Schlacht, in Blut und Toten, andererseits betont er immer wieder die patriotische, ehrenhafte, fast sportliche Dimension hinter dem unmenschlichen Treiben.
Intelligent gemacht die erzählerischen Parallelen zu dem Wehrmachtsoffizier Steiger (Siegfried Rauch spielt den ersten brauchbaren Nazi-Charakter seit ewigen Zeiten in einem US-Film), der Patton als einziger versteht und einzuschätzen weiß, der aber ob der Absonderlichkeit dieses Generals, nie zu Gehör gelangt. Er zieht für den Zuschauer Bilanz, schätzt ein und begründet für die Deutschen wie fürs Publikum so manche Entscheidung Pattons. Auch ihr Niedergang weist Parallelen auf: während Steiger die Niederlage seines Landes (bzw. den Untergang des Regimes) erleidet, beginnt Patton zu "sterben", weil mit dem Ende des Krieges seine Existenzgrundlage entzogen wird.
"Patton" ist ambivalentes und intelligentes Kriegskino, niemals platt, sondern immer dem Charakter verhaftet, mit ein paar Bildern, die sich einbrennen. Den Oscar hätten sie annehmen sollen, Mr.Scott! (8/10)