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Nachdem Bruckheimer und Bay zuletzt mit „Pearl Habor“ die historischen Ereignisse instrumentalisierten und damit pathetischen Patriotismus und Kitsch grauenvoll in Verbindung gebracht haben, stellt sich natürlich die Frage nach filmischen Alternativen.

In der Tat entstand Anfang der 70er Jahre eine Verfilmung, die ohne Geschichtsfälschung funktioniert. „Tora! Tora! Tora!“ heißt das kostspielige Projekt, dass den Angriff auf Pearl Harbor detailgetreu beleuchtet.

Nahezu dokumentarisch werden alle Aktivitäten beider Kriegsparteien interessant und spannend dargestellt. Historisch korrekt umfasst der Plot taktische Überlegungen, Diplomatie und entscheidende Dialoge zwischen und innerhalb der Kriegsparteien. Trotzdem schaffen es die Produzenten filmische Aspekte nicht entscheidend zu vernachlässigen.
Die distanzierte Perspektive zu beiden Kriegsparteien erweist sich als erfolgreiche Darstellung, denn eine plakative Unterteilung zwischen Gut und Böse gibt es erfreulicherweise nicht, wenngleich natürlich die Rolle der Japaner als Aggressoren nicht verfälscht dargestellt wird.

Optisch sieht das Ganze sehr ordentlich aus, auch wenn gewisse Einstellungen zu Luft und unter Wasser Altersschwächen offenbaren. Allerdings wurden, in Hinblick auf das Herstellungsjahr, die Kampfszenen sehr imposant und allgemein sehr authentisch, ohne Übertreibungen, inszeniert. Der Kostenaufwand war für damalige Verhältnisse enorm und hätte beinahe das Budget gesprengt.

Schauspielerisch sind alle Beteiligten sehr bemüht ihre historischen Charaktere angemessen darzustellen, was auch gelingt, zumindest fällt niemand negativ auf.

Die Liebe zum Detail erweist sich letztendlich als Erfolg, denn trotz geschichtlicher Abhandlung gelingt der der Sprung zum unterhaltenden, spannenden Film, der durch technische Finessen überzeugt und jederzeit historische Nähe vermittelt. Erfreulich ist der Verzicht auf die mittlerweile übliche plakative Schuldzuweisung und einer patriotischen Grundhaltung. Aus diesem Grund öffnet man dem Betrachter Freiräume die Ereignisse selbst zu beurteilen. Das nötige Hintergrundwissen sollte nach „Tora! Tora! Tora!“ jeder haben. (8/10)

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