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Die große, weltberühmte Attacke auf Pearl Harbor, die am 7. Dezember 1941, führte zum Krieg zwischen Japan und den USA. Fast dreißig Jahre später finden sich Filmemacher beider Nationen zusammen, um einen gigantischen Film über das tragische Ereignis zu drehen: "Tora! Tora! Tora!" - realisiert von Richard Fleischman, ein durch und durch amerikanischer Regisseur, der zuvor mit "20.000 Meilen unter dem Meer" oder "Die phantastische Reise" Aufmerksamkeit erlangte, während alle japanischen Szenen durch Kinji Fukasaku gedreht wurden, der durch das Inszenieren japanischer Gangsterstreifen zur Legende wurde.

Der mit enormen Aufwand produzierte Film versucht allerdings nicht unbedingt wie ein "Kriegsfilm" daherzukommen, sondern vermittelt viel eher den Eindruck einer Geschichtslehre. Veröffentlicht zu Zeiten, in denen viele Details des "Pearl Harbor"-Konfliktes noch nicht öffentlich bekannt waren, war "Tora! Tora! Tora!" für viele ein "Eye-opener" im historischen Sinne. Denn der Film versucht die Vorgeschichte und der letztendliche Ablauf der Kriegshandlung am 7. Dezember fast klinisch genau zu rekonstruieren. Bei der Schlacht wurden 25 Millionen Dollar verpulvert - ein Betrag der fast den Ruin für Produktionsfirma 20th Century Fox bedeutete.

In dem Bemühen um besondere historische Genauigkeit ist klar, dass einige filmische Aspekte auf der Strecke bleiben. Gerade in der Szenerie vor der eigentlichen Schlacht wird uns zwar eindrucksvoll klargemacht, wie langsam die Mühlen der Diplomatie in den Vereinigten Staaten gemahlen haben, und dass natürlich einige Entscheidungen von oberster Autorität schwachsinnig und im Nachhinein Verulste-fördernd war, aber diese kurzen Exzerpte aus reellen Ereignissen lassen kaum Platz für echtes Schauspiel. Die Darsteller Martin Balsam, Edward Andrews und E.G. Marshall sind eher deswegen gecastet worden, weil sie ihren historischen Vorbildern sehr ähneln, aber nicht weil ihre Rollen ein besonderes schauspielerisches Können abverlangen. Platz für Dialoge, die nicht geschichtlich verbürgt sind, oder wahre Menschlichkeit ist hier leider nicht, und genau darin liegt die Schwäche in "Tora! Tora! Tora!".

Das Schlachtengemälde ist zwar eine fast dokumentarisch genaue Aufzeichnung der Ereignisse voller wichtiger und aufschlussreicher Informationen, jedoch hat dies alles den Geschmack eines strengen Dokumentarfilmes. Das menschliche Schicksal, das in der letzten halben Stunde zugrunde gerichtet wird, geht zugunsten der Genauigkeit was die Kriegsumstände betrifft, verloren. Wie in einem formellen Kriegsbericht wird zwar erwähnt, das ein Haufen toller Soldaten ihr Ende bei der Schlacht in Pearl Harbor getötet wurden - berühren tut uns dies allerdings nicht, weil wir nicht wissen, wer diese Männer waren. Ein zusätzliches Ausweiten des Epos wäre hier von Nöten gewesen, um eine wirklich humanistische Note mit einzufügen. Dem zwar überlangen, aber keineswegs langweiligen Film hätte dies nicht geschadet.

So bleibt "Tora! Tora! Tora!" höchst spannende und lehrreiche Geschichtsstunde. Ein bombastisches, pyrotechnisches Spezialeffektgewitter, das zu Rechten mit einem Oscar prämiert wurde. Oberflächlich perfekt, filmisch leider reichlich ungenügend.

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