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Die Normandie am 6.Juni 1944: Alliierte Streitkräfte landen, um das Land von den deutschen Besatzern zu befreien. Die Schlacht geht als eine der blutigsten des Zweiten Weltkriegs in die Geschichte ein. In "Der längste Tag" werden die Geschehnisse aus Sicht der Briten, der Amerikaner und der Deutschen geschildert.

Mit einem Wort: Bombastisch! "Der längste Tag" dürfte zu seiner Zeit so ziemlich der aufwendigste Film überhaupt gewesen sein. Eine derart akribische und imposante Ausstattung ist man von einem Schwarz/Weiß-Film echt nicht gewohnt. Die tollen Kulissen erzeugen eine wahnsinnige Atmosphäre und lassen den Film zu jeder Zeit realistisch wirken, obwohl die wirklichen Gräueltaten des Krieges kaum behandelt werden, dieser Film lebt vielmehr von seinem Staraufgebot und seinem abenteuerlichem Charme.

Dabei bleiben die aufwendig inszenierten Kämpfe immer übersichtlich, häufig werden die Schlachten aus der Totale gezeigt, Nahaufnahmen von abgehackten Gliedern oder leidenden Soldaten werden vermieden, das würde überhaupt nicht zum Charakter des Films passen. Zum besseren Zurechtfinden tragen übrigens häufig auftauchende Texttafeln bei, die den jeweiligen Standort erklären. Das verstärkt die Atmosphäre weiter, "Der längste Tag" ist so ein Film, bei dem man ständig den Drang verspürt, sich ein Geschichtsbuch zu holen und sich ein genaueres Bild vom Geschehen zu machen.

Im Grunde genommen hat dieser Kriegsfilm keinen roten Faden. Der D-Day ist Ausgangspunkt für mehrere, lose im Raum schwebenden Geschichten von Einzelschicksalen. Selten sieht man so viele Subplots auftauchen, so viele Figuren sind zu sehen, von denen jede auf seine Weise die Invasion erlebt, entweder direkt an einem der fünf Küstenabschnitte oder als Fallschirmjäger im Hinterland. Das hat einfach diesen "Opa erzählt vom Krieg"-Charme, denn irgendwie ist jeder dieser vielen Charaktere interessant, obwohl keiner zu ausführlich behandelt wird.

Ein echter Glücksfall, dass die Stimmung fast komplett neutral bleibt, zumindest werden die Soldaten alle nur als Kriegsinstrument gezeigt, nicht als Helden oder als herzlose Schlächter. Das ist man von Filmen wie "Der Soldat James Ryan" ganz anders gewohnt, der zwar die Schrecken des Krieges viel besser zeigt, dafür aber aufgrund des patriotischen Untertons ein Ärgernis darstellt. Bloß in den politischen Handlungssträngen in "Der längste Tag" lässt man die Deutschen ein bisschen zu kurzsichtig dastehen, ansonsten garantieren alleine die verschiedenen Regisseure aus verschiedenen Nationen Neutralität.

Weiterer Pluspunkt ist die ungeheure Anzahl von Weltstars, die sich hier ein Stelldichein geben. Richtig herausstechen tun aber nur Robert Mitchum und John Wayne, der wieder einmal als herrlich-kerniger amerikanischer Cowboy agiert, andere Größen wie Sean Connery, Heinz Reincke, Gert Fröbe oder Richard Burton geraten fast ein wenig in den Hintergrund. Viel Spaß beim Suchen!

Eines ist klar, wenn ich sehen möchte, dass Krieg grausam ist, schau ich mir "Der Soldat James Ryan", "Wege zum Ruhm" oder "Apocalypse Now" an. "Der längste Tag" zeigt die Kämpfe eher als riskantes Männerabenteuer, aber das verdammt gut.
Fast drei Stunden Spannung, imposante Ausstattung, unzählige Stars und eine objektive Sichtweise garantieren einen heute noch eindrucksvollen Kriegsfilm, Pflicht für Cineasten!

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