Da "Arielle, die Meerjungfrau 2: Sehnsucht nach dem Meer" aus einem Trickstudio kommt, das für den DVD-Markt produziert, müssen in Sachen Animationen deutliche Abstriche in Kauf genommen werden, was leider in jeder Szene offensichtlich zu bemerken ist. Zwar sind die Animationen der Figuren sehr flüssig, jedoch sind die Hintergründe mal wieder stocksteif und verschmelzen nicht mit den Figuren, wodurch die Direct-to-DVD-Produktionen derer ähneln, die im TV gezeigt werden. Als Beispiel sei "Bibi Blocksberg" genannt. Das mag für die Zielgruppe wahrscheinlich weniger störend sein, doch wer mit den Disney-Klassikern groß geworden ist und ohnehin mit den Fortsetzungen von großen Kinoproduktionen des Studios so seine Probleme hat, wird auch hiermit nicht wirklich glücklich werden. Zumal der zweite Teil der "Arielle"-Reihe nicht einmal genug Potenzial für einen abendfüllenden Spielfilm bietet. War der Klassiker aus dem Jahre 1989 ein wahres Erlebnis für Groß und Klein, die TV-Serie optisch wie inhaltlich eine runde Sache, überzeugt der Direct-to-DVD-Ableger aus dem Jahre 2000 nur bedingt.
Erst einmal spielt Arielle nur eine Nebenrolle, wodurch der deutsche Titel mal wieder nicht passt und der Versuch, einen Generationskonflikt zu thematisieren, wirkt auf den erwachsenen Zuschauer eher gezwungen und steif. Nun ist es klar, dass "Little Mermaid 2" auf Kinderaugen zugeschnitten wurde, doch bietet die Geschichte im Grunde nur genug Nährwert für eine 40minütige Episode und beinhaltet viele Lückenfüller und uninspirierte Songs, die man alle schon tausendmal gesehen und deutlich besser gehört hat.
Die Geschichte spielt ein paar Jahre nach dem ersten Teil und Arielle und ihr Ehemann Erik sind Eltern geworden. Alles scheint perfekt, und selbst König Triton ist entzückt von der kleinen Melody. Doch das Familienglück hält nicht lange inne, denn Morgana, die durchtriebene Schwester Ursulas, treibt ihr Unwesen und stellt eine Gefahr für die junge Melody dar. Morgana hat Rache für ihre Schwester geschworen, weshalb Arielle sich dazu entscheidet, ihrer Tochter niemals zu erzählen, woher sie stammt. Sie lässt eine Mauer um das Schloss errichten, und Triton raubt der kleinen Meerjungfrau ihre Kräfte, bevor er sich für immer von dem Baby verabschiedet. Einzig Krabbe Sebastian soll ein Auge auf die kleine Melody halten, die sich in all den Jahren immer stärker zum Meer hingezogen fühlt. Sie spricht mit den Tieren, schwimmt wie kein anderes Mädchen und fühlt sich von ihrer Mutter missverstanden.
Wie Kinder so sind, hört sie auch nicht auf das Verbot, ins Meer hinaus zu schwimmen, wodurch schließlich irgendwann die rachsüchtige Morgana auf sie aufmerksam wird und die Gunst der Stunde nutzt, Melodie die Wahrheit zu erzählen und sie gegen ihre Familie auszuspielen. Das klingt spannender als es schlussendlich ist. Der Spannungsbogen ist gerade einmal für 4-Jährige enorm hoch, während ältere Semester schnell ermüden. Aber vielleicht liegt das ja auch am fortgeschrittenen Alter...?
Dass Arielle eine Tochter bekommt, war natürlich die logische Konsequenz nach der TV-Serie und dem Kinofilm, und im Grunde ist dem auch nichts entgegen zu setzen. Doch Morgana, die Schwester von Ursula, einzuführen, grenzt schon an Einfallslosigkeit. Dass man ihr dann aber dann auch noch einen "Mutter"-Komplex verpasst, dürfte bei jedem Zuschauer zu Kopfschmerzen führen, anstelle eines Tränenflusses. Hexe Morgana war das ungeliebte Kind in der diabolischen Tentakel-Familie, weshalb ihre verstorbene Mutter Ursula immer bevorzugt hat. Selbst Morganas, wie immer, äußerst dumme Helfer (ein Hai namens Treibgut und die Rochen Klamm und Heimlich), halten sie für weitaus weniger mächtig als es Ursula war. Der Konflikt zwischen Melody und ihrer Mutter ist nicht sehr innovativ und erinnert an den Ungehorsam Arielles ihrem Vater gegenüber. Die Entwicklung der Figuren ist dabei nicht einmal schlecht und die kleinen Zuschauer werden sich über so viel Einfallsreichtum sicherlich nicht muckieren. Doch etwas mehr Substanz hätte man sich nach 10 Jahren Bildschirmabstinenz bei einem "Arielle"-Film schon gewünscht. Stattdessen fügt Disney neue Charaktere hinzu, die speziell die Kinder erfreuen sollen, wie z. B. Pinguin Tip und Walross Top. Das reicht aber einfach nicht, um das Publikum wirklich mit Interesse an den Bildschirm zu fesseln. Der Spannungsbogen bleibt minimal, gruselig wird es auch nie, wobei natürlich wieder einige Meereskreaturen etwas böser dargestellt werden. Und während sich zu Beginn alles ziemlich zieht, geht das Finale viel zu kurz um und fällt dabei extrem Klischeehaft aus...
"Arielle, die Meerjungfrau 2 - Sehnsucht nach dem Meer" darf als unnötige Fortsetzung des Klassikers von 1989 bezeichnet werden. Nach so viel Jahren erwartet man mehr als eine Drehbuchfassung, die irgendwo aus dem Retorten-Regal entsprungen zu sein scheint. Keine Emotionen, weder in der Handlung, noch in der Musik und ein Spannungsaufbau, der auf Kleinkinder zugeschnitten ist (muss man leider mit leben) und unter dem Strich einer der schlechtesten Fortsetzungen einer Disney-Großproduktion.