Nur den wenigsten Komikern wird die Ehre zuteil, dass man über sie viele Jahre, manchmal sogar Jahrzehnte, hinweg lachen kann. Der größte Teil der Comedy-Stars ist nur eine gewisse Zeit am Sternenhimmel, bevor sich ihr Humor auslutscht und kaum noch einer über sie lachen kann. Die Prollcomedians Erkan & Stefan gehören, erwartungsgemäß, natürlich auch zu dieser Gattung. Vor einiger Zeit, als sie von Michael "Bully" Herbig entdeckt wurden, waren sie Stars und ein Millionen-Publikum konnte über sie lachen. Doch der Abstieg kam schnell, der prollige Türk-Humor kam viel zu schnell aus der Mode. Da der Rubel aber dennoch rollen muss, haben sich die Beiden nun doch noch einmal entschlossen, einen Film zu drehen. Doch hier wird nun auch noch der letzte Fan zugeben müssen, dass ihr Humor veraltet ist, auch wenn er noch hier und da mal zünden kann.
In "Erkan & Stefan - Der Tod kommt krass" werden die beiden Oberloser wieder einmal mit einer ungewohnten Situation konfrontiert. Als Gewinner einer verblödeten Gameshow, werden sie Gäste auf einem Kreuzfahrtsschiff, bei welcher der beliebte Showmoderator Hardy Flanders mit an Bord ist. Aber nicht jeder kann den schleimigen Typen ab und schon bald wird er ermordet auf dem Klo gefunden. Doof nur, das es E & S sind, die ihn gefunden haben! Storymäßig hat das ganze Treiben natürlich wenig zu bieten. Das Skript ist durch die Bank weg so dünn und zerbrechlich wie eine Seifenblase, beinhaltet allerhand Schabernack und wirklich keinerlei Innovation oder Tiefe. Zwar ist die Mischung aus Krimi und Komödie durchaus unterhaltsam, aber eben auch nicht mehr. Allerdings erwartet das sicher auch keiner.
Erwartet wird von den Fans, die sich wohl als einzige den Streifen ansehen werden, natürlich der typische "Erkan & Stefan-Humor", sprich infantilster Blödelhumor im krassen Türk-Deutsch. Und davon ist auch wirklich wieder allerhand vorhanden. Davon gelungen ist aber maximal jeder dritte Gag, wirkliche Brüller sind Mangelware. Ein breites Grinsen erzeugt da z. Bsp. Erkans Kondom-Joke, in dem er eine Ladung mit Kondomen untersucht und dabei auf die abnormsten Formen des Verhüttungsmittels stößt, inkl. gefaktem Sperma. Oder auch Erkans schräge Schlafanzugs-Szene ("In dem schlaf ich schon seit 15 Jahren mehr als gut") oder Stefans Artikulationen und Reaktionen, als er auf die Leiche trifft. Und wenn sich E & S, am VIP-Tisch, wie die feinen Herren benehmen müssen (Erkan ohne seine Mütze ist einfach zum kugeln), dann kann man sich dem ein oder anderen Lacher doch nicht verwehren. Und wie die Beiden mal als Rentner aussehen werden, kriegen man auch noch zu sehen!
Doch der größere Teil der Gags ist entweder vollkommen daneben oder so derartig ausgezutscht, dass selbst der härteste Fan nicht mehr richtig lachen kann. Stefans überdimensionale Dämlichkeit und Erkans ewiger Größenwahn ist nun doch schon so alt, wie ein stinkender Hut geworden. Und ihr ewiges Nachgeifern von "Bunnys", ist man inzwischen irgendwie auch Leid geworden. Des weiteren sind auch die Gags die mit Erkan und Stefan nichts zu tun haben, allesamt mehr als mies. Egal ob man nun den unsympathischen Moderator nimmt, den bösartigen Verlierer der Show, Alex, oder auch Kathrin Schwartau, die Produzentin der Show. Allerhand dusselige Jokes und haarsträubende Dialoge wurden ihnen zugeschrieben, die wirklich allesamt nicht zünden wollen. Auch wenn größtenteils auf Fäkalhumor verzichtet wurde, so sinkt hier das Niveau (wenn überhaupt vorhanden) manchmal wirklich sogar in die tiefsten Niederungen des deutschen Humors. Schade eigentlich!
Und auch was den Krimi-Part des Streifens angeht, hat man größtenteils unbefriedigende Arbeit hinterlassen. Das dieser Teil natürlich nur als Randerscheinung gelten soll, ist sicherlich jedem klar. Trotzdem hätte man das Spannungspotenzial, welches am Anfang durchaus aufgebaut wird, wesentlich stärker reifen lassen können. In den ersten Minuten werden dem Zuschauer viele potenzielle Täter vor die Augen geführt, doch viel zu schnell werden diese auch wieder verheizt und der wirkliche Mörder viel zu schnell enttarnt. Zudem birgt auch das Finale nur ein Klischee nach dem Anderen. Einen wirklichen Krimi hat hier sicher niemand erwartet, doch etwas mehr Spürnasen-Arbeit hätte es doch sein dürfen. Aber nun gut.
Was die inszenierungstechnischen Details angeht, so hat man sich dann aber doch Mühe gegeben. Die Schiffs-Kulissen sind größtenteils wirklich prächtig ausgefallen und können sogar eine gewisse Urlaubs-Atmosphäre aufbauen. Dazu gibt es eine passende Musikuntermahlung, eine gute Kameraarbeit und eine perfekte Auskleidung der Figuren. Und auch der ein oder andere Spezial Effekt kann sich sehen lassen. An einen "Bully" kommt das Ganze zwar noch bei weitem nicht ran, aber über das "Standard-typische" Inszenierungs-Niveau kommt es allemal.
Darstellerisch ist dagegen allerdings wieder so gut wie gar nichts vorhanden, trotz einiger Filmsternchen, die sich hier anscheinend rein verirrt haben. Erkan und Stefan können ihren Humor zwar größtenteils gut rüberbringen, aber das wars dann auch schon, von ihrem "Talent". Andrea Sawatzki wirkt hier, als machtgeile Produzentin, irgendwie total fehl am Platz und ist auch nicht sonderlich überzeugend. Dazu dann noch Ludger Pistor, als schmieriger Moderator, der einem aber auch bald auf den Keks geht. Und zu guter letzt Markus Maria Herbst, in einem Kurz-Cameo, der sich hier aber auch wirklich vollkommen verschenken ließ. Kurzum, was die Schauspieler-Leistungen angeht, sollte man am besten gar nichts erwarten.
Fazit: Allenfalls mittelmäßige Krimi-Comedy, die leider nicht viel mehr zu bieten hat, außer zwei abgebrannte Comedy-Stars, die kaum einer noch wirklich sehen will. Zwar können Erkan & Stefan-Fans schon noch über den ein oder anderen Gag lachen und auch in Sachen Inszenierung wurde alles richtig gemacht, doch wirklich gebraucht hat es diesen Streifen trotzdem nicht. Da ich aber dennoch immer wieder mal schmunzeln musste und auch sonst nichts gegen das Duo habe, vergebe ich mal ganz großzügige 5 Punkte. Wer aber mit E & S noch nie etwas anfangen konnte, der sollte hierdrum wirklich einen riesigen Bogen machen und sich lieber auf "Bully" oder Kalkofe konzentrieren. Denn da wird einem dann doch wesentlich mehr geboten!
Wertung: 5/10 Punkte