Review

Ich hatte die Ehre, Kombat Sechzehn im Beisein des Regisseurs Mirko Borscht und einigen Mitgliedern des Teams im Kino sehen zu dürfen und nach der Vorstellung noch einige Worte mit ihnen zu wechseln. Dadurch wurden mir einige Fragen zum Film beantwortet, allerdings blieb der fade Beigeschmack erhalten, der sich während der Vorführung gebildet hatte.
Mein größtes Problem ist das Drehbuch, welches einen Wust an Vorurteilen, Klischees und Vorhersehbarkeiten enthält. So ist der Osten Deutschlands natürlich ein Sumpf aus Nazis, viele Alternativen gibt es für die Jugendlichen nicht. Die Schule ist ein Ort der Gewalt und extrem überzogen dargestellt, auch dass der Trainer und die Freundin der Hauptperson Schwarze sind - musste das sein? Die Symbolhaftigkeit wird hier stellenweise mit dem Holzhammer in den Zuschauer eingeprügelt.
Ansonsten kommt die Handlung vom Reißbrett und hat mich stellenweise sehr an den ungefähr zur selben Zeit gestarteten "Starwars: Episode 3" erinnert: Es geht um die Verführung eines Jugendlichen durch die "dunkle Seite der Macht" (in dem Fall durch Neonazis). Aufgebaut ist das in beiden Filmen genauso: Die Hauptperson lernt die dunkle Seite kennen, nähert sich ihnen durch Unzufriedenheit im eigenen Leben an, ist aber noch nicht bereit, beizutreten. Dann passiert was mehr oder weniger schreckliches (in Kombat 16: Die arg konstruierte Trennung der Freundin), was der Anstoß ist, ganz zum ehemaligen "Feind" überzulaufen. Im Gegensatz zu Starwars bietet Borschts Werk aber am Ende auch gleich wieder die Läuterung und das daraus folgende Happy End, was von Anfang an abzusehen war.
So sitzt man im Kino und denkt sich nur: Ist denen nicht mal was neues eingefallen? und ist schnell geneigt, den Film in die Schublade: "Unrealistisch, daher reine Unterhaltung." zu stecken. Das ist insbesondere wenn man die Brisanz des Themas und die grandiosen Leistungen der Jungdarsteller betrachtet, sehr schade.
Der Regisseur rechtfertigt das Problem der Klischees, des Übertreibens und des Overactings damit, dass er den Film in Tradition der asiatischen Filme inszenierte, bei denen das ja Gang und Gebe ist. Außerdem zeigt der Film quasi die Sicht des Hauptdarstellers, und auf den wirkt diese fremde Umgebung natürlich erst einmal derart feindlich und fremd.
Das mag natürlich alles stimmen und im Film mit diesen Informationen auch funktionieren, aber wem nützt das was, wenn er den Film ohne eine erklärende Person neben sich sehen muss? Gerade in Anbetracht des Themas wäre an sehr vielen Stellen etwas mehr Subtilität angebracht gewesen.
Ansonsten ist der Film sehr sauber und einfallsreich inszeniert, man merkt, dass der Regisseur Talent hat.
"Kombat Sechszehn" ist in sehr starkem Maße Geschmackssache, ich selbst konnte mich allerdings nicht so recht mit ihm anfreunden. Aber er macht Hoffnung, dass vielleicht das darstellerische als auch das inszenatorische Talent irgendwann mal richtig eingesetzt wird und dabei ein richtig großer deutscher Film heraus kommt.

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