Review

kurz angerissen*

Ist man bei "Herkules" noch gut beraten, den Filmabend für den vollen Genuss mit reichlich Alkohol zu begießen, so ergibt sich diese Notwendigkeit bei "Die Barbaren" nicht - da sieht man bereits ohne Hilfsmittel doppelt. Deodatos Barbaren-Sause ist nicht nur bis zur Kante mit Glitzerkostümen, Plastikschwertern und glänzenden Hinterschinken vollgepackt, sondern klotzt auch noch mit den treudoofen Paul-Brüdern in der Hauptrolle, die es gemeinsam schaffen, das Bild zur Hälfte mit Fleisch füllen. Wie programmierte Rasenmäher-Roboter bewegen sie sich durch das abgesteckte Areal aus Wiesen, Wäldern und Höhlen, genießen Wasserfallbäder auf ihrer Reise ebenso pragmatisch wie weibliche Gesellschaft und röhren jede Gefahr mit dem Brunftschrei einer rolligen Hirschkuh einfach weg. Sowohl Lou Ferrigno als auch Arnold Schwarzenegger hatten ihre peinlichen Momente als stählerne Muskelberge, an das dummdreiste Gebahren der Pauls reichen jedoch beide nicht heran, zumal gespiegelte Doofheit immer besonders grenzenlos erscheint.

Erstaunlich schöne Landschaftsbilder leiten unerwartet die Credits ein, doch kurz darauf folgt bereits eine Actionsequenz im Western-Galopp-Stil, die jegliche Schönheit für immer tilgt. Hinter Paradiesvogel-Outfits, abwegigen Perücken und und dicker Schminke wird eine Gruppe Gaukler eingeführt, die sich gegen angreifende Räuber mit allen Tricks wehrt und doch nicht verhindern kann, dass ein junges Zwillings-Brüderpaar aus ihrer Mitte entführt wird. Vorhang auf für einen der dümmsten Zeitsprünge der Filmgeschichte, an dessen Ende zwei ausgewachsene Stiernacken stehen, die sich aufgrund eines furiosen Villain-Plans zunächst gegenseitig bekriegen, bis sie merken, dass ihnen jeweils das eigene Fleisch und Blut gegenübersteht.

Was geschieht, als die Blutsbrüder sich dann endlich zusammenschließen, ist ein beispielloses Ballett der Grobschlächtigkeit mit der filigranen Gewandtheit eines Jojos. Mit ihrer unverwechselbaren Art, sich gegenseitig voranzutreiben, sprengen sie Schlingen um ihre Hälse, rennen offene Türen ein (und navigieren fast schon in Zeitlupe Richtung Boden), schlitzen Themenparkattraktionen auf, gegen die Siegfrieds Drachenkampf in Fritz Langs „Die Nibelungen“ (1924) wie eine ultrarealistische Naturdokumentation aussieht. Ihr Gegenspieler, von Richard Lynch überheblich wie ein schlechter Star-Trek-Villain präsentiert, schaut sich das Spektakel der Chargierenden weitestgehend aus der Distanz an, um sich in einem High-Noon-Endkampf eins auf die Mütze geben zu lassen. Das Lächeln, das die Pauls sowieso schon über den gesamten Film auftragen, wird in diesem letzten Schritt zur Sonne geadelt: Es ist scheinbar ewig während und unzerstörbar. Zumindest 30 Jahre später hat es nichts von seiner naiven Wirkungskraft eingebüßt.

*weitere Informationen: siehe Profil

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