Review

Catch It If You Can


„Caché“ sieht aus wie aus dem Öffentlich-rechtlichen, hat jedoch Auswirkungen wie ein waschechter, tief vergrabener Alptraum. Irgendwo zwischen „Lost Highway“ und einem von Schuld zerfressenen, rostigen Rasiermesser... Ein Ehepaar mit einem jugendlichen Sohn bekommt seltsame, verunsichernde Videokassetten zugeschickt, die stundenlang ihre Straße und Wohnungstür zeigen. Als der Mann einen Verdächtigen aus seiner Vergangenheit ausfindig macht und bedrängt, laufen sein Leben, seine Familie und seine Ehe jedoch schon längst aus den Bahnen...

Michael Haneke ist ein Regisseur, der an (Schmerz-)Grenzen geht. Ich sage nur „Liebe“. Und „Caché“ ist da als hinterhältiger Thriller und als vernichtendes Familiendrama keine Ausnahme. Selbst wenn einige Zuschauer sicher gar keinen Zugang finden und ihn für einen der langweiligsten Filme überhaupt halten könnten. Verübeln kann man ihnen das nicht. „Caché“ ist ein Mysterium, eine Überraschungsbox voller Fragen und nahezu ohne auch nur einigermaßen zufriedenstellende Antworten. Lynch trifft ARD, Vergangenheit frisst Seele auf. Viel spielt sich außerhalb des Fokus, der Erzählung, des Bildes ab, im Kopf und den dortigen Fäden des knobelnden und immer aufgekratzter werdenden Zuschauers. Allein das letzte Bild bzw. die Szene, über die schon der Abspann läuft (!), ändert nochmal sehr viel und deutet etliche Möglichkeiten, Variationen und Kombinationen an. Oder sie bedeutet gar nichts und man bleibt leer und unbeeindruckt. Jedem das seine. Ich bin von diesem vor allem psychologisch und emotional brutalen Vexierspiel überaus angetan. Und Juliette Binoche geht eh immer. 

Fazit: ein verstörender Klassiker der Subtilität und Intimität. Abartig und fies, ungemütlich und genial, versteckt und offen. Haneke in voller Pracht. Eindringlich ohne Ende. Unerklärlich spannend. Minimal und monströs. Filmisches Giftgas mit Himbeergeruch. Love or Hate. 

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