Mittwoch, 18. Mai 2005, 20 Uhr. Der Vorhang in Kino 1 öffnet sich, auf der Leinwand erscheint: Werbung…na toll. Eine halbe Stunde voller Trailer und Wahlwerbespots. Erste Buhrufe sind zu vernehmen, als Jürgen Rüttgers zum dritten Mal auf der Leinwand erscheint. „Soll DAS etwa Darth Vader sein?!“, ruft jemand. Doch schnell verhallt sein Protest, denn dann verdunkelt sich der Saal vollends und es wird still. Sehr still. Alle wissen, was kommt und trotzdem ist dies ein monumentaler Augenblick. Auf einmal erscheint der charakteristische Schriftzug auf der Leinwand, brachial begleitet von der berühmten Star Wars-Melodie. Die Zuschauer toben, klatschen und zücken ihre Lichtschwertattrappen, die wild umhergefuchtelt den Saal erhellen. Es beginnt.
George Lucas stand vor einer denkbar schweren Aufgabe. Er musste eine glaubwürdige Verknüpfung zwischen den einzelnen Episoden herstellen. DIE Verknüpfung in DER entscheidenden und mit immenser Spannung erwarteten Episode seines Jahrhundertwerks Star Wars. „Episode 3 – Die Rache der Sith“ war der vermutlich am schwersten zu inszenierende Teil der Weltraumsaga, die Millionen fasziniert und seit ihrem Anfang in den 80er-Jahren unzählige Menschen in die Lichtspielhäuser lockte. Die entscheidende Frage ist: Werden die Fans nach den zwiespältig aufgenommenen ersten beiden Episoden mit dem dritten und (vorläufig) finalen Puzzleteil zufrieden sein? Ist die Macht mit George Lucas?
Ein visuelles Meisterwerk
Die Inhaltsangabe bahnt sich ihren schrägen Weg in die Weiten des CGI-Alls und sofort beginnt die Action. Der Zuschauer wird hineingeworfen in eine wilde Raumschlacht zwischen Gut und Böse. All das sieht unglaublich schick und gewaltig aus, alles in akribischer Detailarbeit programmiert. Bit für Bit. George Lucas drehte, wie auch die beiden Episoden zuvor, ausschließlich digital. Das bedeutete zwar für die Schauspieler, dass sie die meiste Zeit über vor Blue-Screen im Studio spielen mussten, für den Zuschauer bedeutet es jedoch einen atemberaubenden Augenschmaus. Feurige Explosionen und ausladende Actionszenen stellen auch den noch so großen Gigantomanen ausnahmslos zufrieden. ILM, Lucas´ eigene Special-Effects-Firma hat hier hervorragende Arbeit geleistet. Nur, was wären die Effekte ohne gute Story und Schauspieler? Garnichts. Bei Episode 3 tritt dieser Fall jedoch nicht ein. Die Akteure überzeugen allesamt in ihren Rollen. Wer damals noch an Hayden Christensen`s Besetzung zweifelte und ihm den schwierigen Part des Anakin Skywalker/Darth Vader nicht zutraute, der sei hier eines besseren belehrt. Er spielt die Zerrissenheit, Unsicherheit und Verzweiflung des jungen, ungestümen Jedi und die spätere Verwandlung in seinen bösen Alter Ego mit Bravour. Ewan McGregor spiegelt die Enttäuschung und Überraschtheit des Obi-Wan über seinen missratenen Lehrling glaubhaft wider und gehört mit zu den Highlights des Films. Die Story war ja vorher schon bekannt, entscheidend ist, „wie“ die Geschichte erzählt wird. Und das gelingt George Lucas auf ganzer Linie. Alles wirkt logisch und plausibel. Die Spannung ist in jeder Szene vorhanden, mal unterschwellig, mal offensichtlich. Der Aufbau der Dramaturgie bis hin zum entscheidenden Finale zwischen Obi-Wan und „Darth Anakin“ ist perfekt. Zwar arbeitet der gesamte Film darauf hin, wirkt dabei aber nie zu langatmig. Nun zu den Sachen, die weniger schön waren: Die Wookies kommen viel zu kurz und dienen lediglich als Kanonenfutter der Droidenarmeen und werden dann auch noch unnötig lächerlich gemacht. Warum müssen sie, wenn sie sich schon mit Lianen auf Wasserpanzer schwingen, unbedingt einen inbrünstigen Tarzanschrei dabei loslassen? Zudem wirk Natalie Portman teilweise als der nervende Part, den Jar-Jar Binks in Episode 1 einnahm. Ihre Rolle ist nicht mehr die der starken Senatorin von Naboo, die ihr gut zu Gesicht stand, in Teil 3 wird sie zum weinerlichen Heimchen degradiert. Ein paar weniger rührselig-kitschige Szenen hätten hier dem Drama keinen Abbruch getan. Bis auf diese wenigen Ausfälle kann man wirklich nur Positives über den Abschluss der ersten Trilogie sagen. Witz, teilweise schon Slapstick (vor allem durch R2-D2) stellt einen wohltuenden Gegenpol zur sonst überwiegenden dunklen Tragödie dar, die Schauspieler überzeugen und die Story ist die bisher beste. Zumindest bei den ersten drei Teilen. Kurzum: Wer den Film nicht gesehen hat, verpasst wirklich eines der überwältigendsten und spannendsten Filmevents des neuen Jahrtausends.
Ein würdiger Abschluss
Die einzige Frage, die sich jetzt noch stellt, ist, ob George Lucas damit sein Star Wars-Imperium vollendet hat oder ob er tatsächlich noch irgendwann die möglichen Teile 7, 8 und 9 dreht, die den eigentlichen Abschluss darstellen (wozu gäbe es sie sonst wohl?). Ob Lucas sich das in seinem Alter jenseits der 60 noch antut? Das weiß höchstens Meister Yoda. Und solange der seinen Schöpfer zu einer Zusage bewegen kann, bleibt uns allen nur eine Macht: Die Macht der Hoffnung.
Satte 8 von 10 Laserschwertern