Review
von Psst!
George Lucas macht dem Spuk ein Ende
Es ist schon vieles zur "Episode III" geschrieben worden. Und einem großen Teil davon mag ich nicht zustimmen, wenngleich auch ich diesen Teil hier von der Prequel-Quälerei am erträglichsten finde. Ich habe ihn nun mit Abstand von 10 Jahren zum zweiten Mal gesehen und mich letztlich wie bei den Vorgängern auch wieder nur versichert, dass ich diese Filme aus meinem eigenen Filmkosmos getrost löschen kann.
Die beiden Vorgänger waren natürlich unglaublich dünne und plakative Schundfilmchen, so dass der hiesige, teils düsterere Ton vielen wohl schon reichte, um in Lobeshymnen auszubrechen. Aber mal ehrlich: Dieses talentbefreite Lausebübchen, das die ganze Zeit wirkt wie ein spätpubertierendes Scheidungskind, dessen Vater und Mutter leider nie Rücksicht genommen haben, was sich jetzt in der Schule durch aufsässiges und auch gewalttätiges Verhalten bemerkbar macht, also dieser Lauser soll Darth Vader sein? Der Darth Vader, der durch eine Rauchwolke Leias Konsularschiff betritt? Der Darth Vader, der an Bord eines Supersternzerstörers ins All blickt und so eine stoische und unterschwellige, aber stets kontrollierte Bedrohlichkeit ausstrahlt? Das könnt ihr eurer Omma erzählen! Und auch nur, wenn die nie einen Originalfilm gesehen hat...Da können dann auch Kinder gemetzelt werden, es bleibt bei Bemühungen, die am gesamten Produktionssetting scheitern müssen.
Wenn dann am Schluss die erwartete Überinszenierung von Darth Vaders Umtopfung endlich kommt und er aufersteht wie Boris Karloff anno 1931, dann bekommt der Fan die Butter gaaaaanz dick aufs Brot geschmiert. Und George Lucas wäre nicht der Lucas Schorsch, wenn er auch hier nicht mit einer dämlichen und infantilen Drehbuchidee um die Ecke käme. Im Film hört man an der Stelle noch jemanden schreien, der den Ernst der Lage um das Verhunzen dieser Schlüsselszene erkannte: "Nooooooooooooooooo!"- Aber da war es schon zu spät...
Sein Vorhaben hätte Lucas Mitte der Neunziger frühzeitig an ein geeignetes Team abgeben müssen, das mehr Verständnis für das Verhältnis Mensch - Star Wars hat. Disney (und es schmerzt, das zu sagen) macht es wesentlich besser. Der Wiederaufguss der ursprünglichen Elemente in "Das Erwachen der Macht" beruhigte wohl diejenigen, die Epsiode I-III unsäglich fanden. Ich für meinen Teil habe "Rogue One" sehr genossen. Wieso das Rad neu erfinden? Eigentlich sind Fans von "Krieg der Sterne" ganz leicht zufrieden zu stellen. Wenn man etwas Neues will, dann reist man eben nicht in eine weit, weit entfernte Galaxis, die man bis dahin schon mehrmals jährlich angesteuert hatte...
Als würde man in sein Lieblingshotel kommen und die 70 Jahre alte Hotelbar und der schnurrbärtige Barkeeper wurden gegen so eine Katalog-Kunstlederlounge und einen Studenten ausgetauscht, der Bourbon nicht von Scotch unterscheiden kann. Weils halt modern ist...