*** SPOILERWARNUNG ***
„Revenge of the Jedi“ sollte das Finale der originalen Trilogie mal heißen. Die Idee ließ man damals aber wieder fallen, da Jedi nun einmal keine Rache nehmen. Sith allerdings schon und so fand dieser Titel nun hier seine Verwendung. In dem Finale der Prequel-Trilogie, für welches das erzählerische Korsett von vornherein recht eng war, weiß man von Beginn an, wo es enden wird und welche Wegpunkte genommen werden müssen. Wie diese erreicht werden, das schmückt Schöpfer George Lucas aus, aber das Ziel ist klar. Und vielleicht ist deswegen „Episode III“ innerhalb seiner Trilogie auch der gelungenste Beitrag. Vielleicht war das hierdurch nur begrenzt mögliche Einbinden von ausufernden Schlenkern hilfreich bei der Verwirklichung. Denn für sowas bleibt schlicht keine Zeit. Kreative Freiheit muss sein, aber hier wurde sie schon im Entstehungsprozess kanalisiert, musste strikter gelenkt werden und das Ergebnis ist eine überwiegend auf die wichtigen Stationen fokussierte Geschichte mit passendem Verbindungsmaterial dazwischen.
Kam George Lucas beim direkten Vorgänger erst kurz vor knapp mit einem fertigen Skript an, so startete er für „Revenge of the Sith“ noch vor Erscheinen von „Attack of the Clones“ mit dem Schreibprozess. Sofern man nach den letzten Szenen aus „Episode II“ nun die Klonkriege selbst erwartete, wurde man enttäuscht. Die Geschichte setzt an deren Ende ein und schnell macht Lucas klar, dass der Fokus hier auf der Transformation liegt. Von Anakin Skywalker, den Machtstrukturen und der Existenz der Jedi. Darauf arbeitete die Prequel-Trilogie schließlich hin. Auf Vader, das Imperium und die große Tragödie, die zu der Galaxie führt, die man aus der Urtrilogie kennt. Das Abenteuer beginnt aber auf gewohnte Weise mit der blauen Schrift, dem vom musikalischen Hauptthema begleiteten Schriftzug und dem Lauftext, bevor die Kamera schließlich wieder (klassisch) nach unten schwenkt.
Hoch über Coruscant toben Feuergefechte und mittendrin folgt man den beiden Jedi Obi-Wan Kenobi und Anakin Skywalker auf ihrer Mission, den Obersten Kanzler Palpatine zu retten. General Grievous von den Separatisten, mit denen sich die Republik immer noch im Krieg befindet, hält diesen auf seinem Schiff gefangen. Es ist nur der Auftakt zu einem Spiel, das der anfangs immer noch aus dem verborgenen agierende Darth Sidious treibt. Denn Grievous, Kenobi, die Klonarmee und vor allem Anakin sind nur Figuren, die der Sith-Lord in Stellung bringt, um den endgültigen Untergang der Republik und die Machtergreifung durch die dunkle Seite umzusetzen.
Man konnte vor Kinostart damals angeregt diskutieren, was denn hier alles untergebracht werden müsse. Einiges war offensichtlich, spannend blieb der Weg dahin. Und dieser ist gespickt mit interessanten Punkten und manch gänsehauterzeugenden Momenten.
Schon die Einleitung ist mitreißend. Coruscant kommt ins Bild, ein Sternzerstörer der Venator-Klasse schwebt darüber, die Kamera folgt zwei kleinen Jägern über diesen hinweg und gibt das Bild auf eine gigantische Raumschlacht im Orbit des Stadtplaneten frei. Weiter geht es durch Laserfeuer und Explosionen hindurch, bis sich auf einen der beiden Jäger fokussiert und weiter mit Anakin und Obi-Wan auf ihre diesen Film eröffnende Mission gegangen wird. Eine tolle Eingangssequenz, die einen gleich mitten ins Geschehen wirft und ein hohes Tempo vorlegt. Welches der Film auch über seine gesamte Laufzeit nicht einbüßt. „Episode III“ ist vollgepackt. Es müssen schließlich viele Ereignisse untergebracht und Verbindungen zur Urtrilogie geschaffen werden. Das wirkt manchmal, vor allem im letzten Drittel, wie das Abhaken einer Liste. Als Fan will ich aber auch genau diese Sachen hier sehen und bin froh um jede eingebrachte Verknüpfung.
Im Vordergrund stehen dabei Untergang und Geburt. An Anakins Weg zur dunklen Seite wird durchgehend gearbeitet, auf mehreren Ebenen, die Hand in Hand gehen. Palpaitines Manipulationen sickern in den jungen Jedi ein. Erst noch eher subtil, später dann vollkommen enthemmt. Und letztlich sieht man hier aufgehen, was der Finsterling schon in „The Phantom Menace“ begonnen hat zu säen. Anakins Zuneigung zu Padmé macht ihn dabei verwundbarer und empfänglicher für das Einflößen der Angst. Solche Bindungen machen eben angreifbarer und Anakin ist von Haus aus schon nicht die stabilste Persönlichkeit, was der von Palpatine angedachten Entwicklung in die Karten spielt. Die Angst treibt den Jedi um, dazu die Abweisung durch den Rat der Jedi, das stete Einflüstern des Sith-Lords - und irgendwann kippt es endgültig.
Auch die Politik spielt wieder eine nicht unwichtige Rolle, schließlich wird man Zeuge der Umformung des Systems und ist es auch eine recht simplifizierte Darstellung, die Hintergründe ausspart, wohnt man letztlich hier einer Demokratie in ihren letzten Zügen bei. Und gleichsam der Entstehung einer Diktatur. Die Geburt des Imperiums unter tosendem Applaus ist der Beginn der Herrschaft, mit deren Auswirkungen das damals noch unwissende Publikum im ersten Film der Saga konfrontiert wurde. Dazu gehört auch das Auslöschen der Jedi mittels der Order 66, durch welche sich auf Befehl des Imperators die Klontruppen gegen die Jedi wenden. Lucas bereitet dies schrittweise vor, lässt sich die Figuren über alle möglichen Welten verteilen, was über die zunehmende Anzahl an Hologrammen im Jedi-Rat deutlich wird. So lassen sich die einzelnen Mitglieder leichter beseitigen. Das Dahinmeucheln der Jedi und das Zerbrechen dieser Ära wird hier auf eine traurige Art zelebriert. Ein effektvolles wie dramatisches Ereignis, eine Art Urknall im „Star Wars“-Universum mit weitreichenden Folgen. Eine der großen Szenen des Films und der Trilogie.
An einprägsamen Momenten ist das Werk nicht arm und gibt es auch hier noch ein paar ungelenk formulierte Zeilen, so ist das kein Vergleich mehr zu „Episode II“. Vieles ist hier auf den Punkt geschrieben, Dialoge über Politik, Misstrauen, Manipulation, Liebe und Ängste bestimmen die Wortwahl. Auch die Prophezeiung wird thematisiert, wobei an dieser hier Zweifel geäußert werden. Interpretationssache, denn Anakin bringt tatsächlich ein Gleichgewicht in die Macht. Die Vernichtung der Jedi (weil Überzahl) ist da ein Schritt, erreicht wird es allerdings erst am Ende von „Return of the Jedi“. Von einem gewissen Standpunkt aus.
Auch die Sequenz im Galaxies Opera House zwischen Palpatine und Anakin bleibt im Gedächtnis. Auch, weil hier die Midi-Chlorianer wieder erwähnt werden. Im Vorgänger noch ausgespart sind sie hier Teil der Erschaffung von Leben. Ein interessantes Detail, geben Palpatines Ausführungen nicht nur mehr über die Sith und die Nutzung der Macht preis, sie bringen ihn auch als „Vater“ von Anakin ins Spiel. Überall mag man nun Bausteine seines die Dekaden überspannenden Plans erkennen, die Interpretationen bleiben jedem selbst überlassen.
Aber auch abseits dessen setzt sich das Skript etwas intensiver in Gesprächen mit dem Blick auf die Macht, die Jedi und die Sith auseinander. Wobei die Jedi generell in den Prequels auch als fehlerbehaftet dargestellt werden. Bereicherungen am Rande, gerne genommen. Dazu schafft das Werk hier, was dem Vorgänger weniger vergönnt war – es ruft Emotionen hervor. Mehr als einmal packen die Ereignisse mich und lassen mich kaum noch los. Da mag auch meine Fanbrille ob dieser großspurigen Seifenoper über manches hinwegsehen helfen, aber wenn man in diesem Universum so drinsteckt, geht gerade in diesem Teil einiges nicht spurlos an einem vorbei.
Der Erzählfluss ist merklich gelungener. Wie zuvor wechselt Lucas zwar mitunter häufig zwischen den einzelnen Schauplätzen hin und her, doch ist dies stimmiger montiert und mit einem besseren Timing versehen als noch in „Episode II“.
Es schließen sich erzählerische Kreise – und das in der Mitte. Die generelle Richtung ist abwärts, daran lässt die Tonalität keinen Zweifel. Humor gibt es noch in der ersten halben Stunde etwas, dazu hier und da ein paar launige Kommentare von Obi-Wan. Und natürlich verlieren Leute wieder ihre Hände. Ansonsten ist „Revenge of the Sith“ eine angemessen ernste Angelegenheit, schließlich geht auch alles den Bach runter. Bis zum Ende, bei welchem man gleich mehreren Geburten beiwohnt. Die Zwillinge Luke und Leia erblicken das Licht der Welt und beginnen ihre Reise, die einem schon so vertraut ist. Die Wiedergeburt Vaders ist da ein weit weniger feierliches Ereignis, das macht nicht nur die versehrte Optik des einstigen Jungen von Tatooine klar, auch John Williams lässt mit seiner musikalischen Untermalung hieran keine Zweifel. Der Tod von Padmé und die Geburt dieses Monstrums teilen sich die gleichen Klänge.
Und so endet diese Trilogie mit der Ankunft der Zwillinge in ihren neuen Heimstätten, den dazugehörigen musikalischen Zitaten und einer Reverenz an eines der ikonischen Bilder des allerersten Films – den Binary Sunset. Ein großartiger Abschluss, ein wehmütiger Schlussakkord.
Wie schon zuvor bereist man einige Welten und dieser Teil dürfte innerhalb der Prequels die meiste Abwechslung bieten. Dabei gibt es mehr vom Planet Coruscant zu sehen und wieder ist dieser für mich in seinem Design so stimmig und faszinierend, wenn sich hier auch im Verlauf ein dunkler Schatten über ihn legt. Gerade die Szenen in der Nacht sind voller Schönheit, die Ansichten der Stadt immer beeindruckend, auch im Tageslicht oder im Sonnenuntergang.
Nicht ganz neu (aber irgendwie doch) ist Kashyyyk, die Heimat der Wookies, die hier nach dem berüchtigten „The Star Wars Holiday Special“ (1978) endlich einmal en détail zu sehen ist. Das Auftauchen der Wookies ist natürlich auch ein kleines Geschenk, insbesondere dieses einen Gesellen, den man vielleicht schon mal irgendwo gesehen hat.
Vorher nicht zu sehen war Utapau mit seinen eindrucksvoll gestalteten Bewohnern. Hier kommt es nicht nur zum Duell zwischen Kenobi und Grievous, der Jedi-Meister wird auch mit den Auswirkungen der Order 66 konfrontiert. Utapau sieht nicht einladend, aber hervorragend gestaltet aus. Die Schluchten, die sich darin befindlichen Höhlen mit den Überbauten aus Skeletten und die dort stattfindenden Aktionen machen diesen Handlungsort beachtenswert.
Der Planet Mustafar tauchte schon in manchen Ideen zur Urtrilogie auf, bekommt aber hier nun seinen großen Auftritt. Diese Welt aus Lava, Stein und Feuer bildet den Schauplatz für Anakins Verderben und ist visuell eine Wucht. Die ihn einhüllende Finsternis als Spiegelbild Vaders bietet mit der fast spürbaren Hitze eine großartige Kulisse.
Überdies bekommt man noch andere Welten zu sehen, einige in der Sequenz rund um die Order 66, wenn auch jeweils nur kurz. Und doch lässt diese Montage die Galaxie gleich wieder ein ganzes Stück größer und umfassender wirken. Die kurzen Abstecher nach Naboo, Tatooine oder Alderaan (noch da) runden das ab.
Die Drehorte beinhalteten dieses Mal die Schweiz, Thailand, China, Tunesien und Sizilien. Dazu belagerte man noch die Elstree Film Studios und die Shepperton Film Studios in England.
Nicht unterschlagen darf man die wieder einmal sehenswert gestalteten Kostüme, geradezu verschwenderisch wirken die oft nur kurzen Auftritte in diesen. Auch die Raumschiffe, Fahrzeuge und Orte wie das Opernhaus, der Senat oder die Terrains sind fantastisch in ihrem Konzept. Das Design selbst ist hier über jeden Zweifel erhaben, Lucas und alle daran Beteiligten sind fantastische Weltenbauer.
Von den handelnden Figuren erwartbar im Zentrum steht Anakin Skywalker, wieder gespielt von Hayden Christensen, dessen Weg auf die dunkle Seite der Macht hier in ihre entscheidende Phase tritt. Seine sich ausbreitende Angst wird angetrieben durch Visionen von Padmés Tod. Diese hatte er schließlich auch von seiner Mutter und sie stellten sich als wahr heraus. Er ist zunehmend verblendet, getrieben von Unsicherheit und Furcht, er radikalisiert sich ob der Umstände. Dabei steht er zwischen den Fronten, es wird an ihm gezerrt und letztlich zerbricht er unter der Last von allem. Die Wandlung bis dahin zieht sich durch den Film und ist immerhin nicht so holprig inszeniert und vorgetragen wie sie sich im Vorgänger schon anbahnte. Man merkt ihm an, dass beim Wiedergeben der Jedi-Ideale nicht volle Überzeugung mitschwingt. Hier spricht immer die Ambivalenz aus einer Figur, die hin- und hergerissen ist. Zwischen zwei Vaterfiguren, zwischen Pflicht und Wunsch sowie zwischen der Zugehörigkeit zur hellen Seite der Macht und der dunklen, die seine Liebste retten könnte, was sich Palpatine Schritt für Schritt zunutze macht. Das sickert langsam wie beständig in Anakin hinein, beispielhaft ist hier die Szene in der Oper.
Mochte man in „Episode II“ ob seines trotzig-kindischen Benehmens in ihm kaum bis gar nicht den späteren Sith-Lord in der schwarzen Rüstung erkennen, so agiert er hier immerhin ein Stück beherrschter. Wobei man die ihn umtreibende Unsicherheit und auch Wut durchaus erkennt und er immer wieder mal in alte Muster verfällt. Zudem ist er immer noch nicht die hellste Kerze auf der Torte, was die Bindung an die Figur nie so stark werden lässt, wie es Lucas vermutlich beabsichtigt hatte. Dazu hätte er spätestens hier noch erwachsener und kontrollierter auftreten müssen.
Christensen spielt hier wahrnehmbar besser als im Vorgänger, im Ensemble bleibt er dennoch ein Schwachpunkt. Seine verstärkte Physis hilft dagegen etwas und tatsächlich agiert er etwas nuancierter, die Ausbrüche werden hier besser in den Kontext der Geschichte gesetzt. Seine Wandlung nährt sich aus der Angst und der Wut, aus seinem Stolz und auch seiner Arroganz. Man kann mit der Darstellung leben, letztlich muss man es.
Frei von Kritik ist wieder einmal Ewan McGregor als Obi-Wan Kenobi. Der Mentor, der seinem Schüler auch freundschaftlich verbunden ist (was man in der „The Clone Wars“-Serie mehr spürt), muss mitansehen, wie dieser immer weiter auf die dunkle Seite gezogen wird. McGregor schafft es dabei, Kenobis Verzweiflung hierüber, seine Sorge und auch das Misstrauen gegenüber Palpatine auf die Leinwand zu transportieren. Er bleibt ein großer Gewinn für die gesamte Trilogie, sein Spiel und „sein“ Kenobi werten die Werke spürbar auf. Die teils trockenen Kommentare runden die Figur und ganze Szenen ab.
Auch Meister Yoda stellt sich gegen die dunkle Bedrohung, wieder als animierte Figur bekommt er einige Auftritte. Seine Zeilen haben mitunter Gewicht, sein Kampf gegen Darth Sidious erinnert bisweilen an den Flummi aus „Episode II“, seine Flucht ins Exil spannt einen weiteren Bogen zur Urtrilogie. Seine Szenen sind hier gehaltvoller als im Vorgänger und man kann sich die Filme ohne ihn nur schwerlich vorstellen.
Prominenter als zuvor ins Bild kommt Jedi-Meister Mace Windu. Samuel L. Jackson liefert in seinen Szenen ab, in jeder davon sehe ich ihn gerne. Ist ihm auch ein tragisches Schicksal beschieden, so hinterlässt er einen bleibenden Eindruck.
Natalie Portman spielt als Padmé Amidala einen Dreh- und Angelpunkt, ist ihre Beziehung zu Anakin doch einer der Auslöser für dessen Wandlung. Portman scheint wieder durch das Skript limitiert zu werden, außer der leidenden Liebe scheint der Vorlage nicht viel einzufallen. Zwar ist sie durch den Zustand ihrer Figur etwas eingeschränkt, mehr als meist Zuhause sitzen und auf ihren Sith in spe warten hätte es dennoch sein dürfen. Was sie an ihrem Anakin findet, das erschließt sich mir immer noch nicht. Aber das hat Lucas einfach schon in „Episode II“ verbockt, das lässt sich hier nicht mehr retten. Dennoch liefert sie im ihr gegebenen Rahmen eine ansprechende Vorstellung.
Nicht fehlen dürfen die beiden Droiden C-3PO (Anthony Daniels) und R2-D2 (auch Kenny Baker), wobei sie relativ wenig Zeit auf der Leinwand verbringen. Dankenswerterweise hat man ihre Witzeinlagen sehr stark heruntergefahren, sie spielen hier generell nur eine Nebenrolle.
George Lucas selbst hat einen Kurzauftritt in der Opern-Sequenz, Chewbacca (Peter Mayhew) schaut mal vorbei, Jimmy Smits spielt wieder Senator Bail Organa und darf Leia am Ende nach Alderaan mitnehmen, während Luke bei Owen (Joel Edgerton) und Beru Lars (Bonnie Piesse) auf Tatooine landet. Temuera Morrison mimt wieder die Klonsoldaten, wobei diese hier überwiegend aus dem Rechner zu kommen scheinen. Eine Erwähnung noch für Bruce Spence als den Administrator auf Utapau, von dem ich gerne mehr gesehen hätte.
Auf der dunklen Seite gehört die Show Ian McDiarmid als Kanzler, Imperator und Sith-Lord. Es ist schon ein faszinierender Gedanke, dass es immer noch der gleiche Darsteller ist, der schon 1983 auf dem Todesstern diese Rolle innehatte. Und McDiarmid spielt seine erweiterte Zeit auf der Leinwand mit einem einnehmenden Charisma und sichtlich mit Genuss. Auch seine Figur bekommt ihre Transformation, kommt aus dem Schatten und tritt ins Dunkel. Die Trilogie ist die Umsetzung seines Plans und hier verwirklicht er mit der Machtergreifung diesen, führt ihn aus und noch weiter. Zu sehen, wie seine Saat aufgeht, wie er weiter die Seiten gegeneinander ausspielt ist faszinierend und tragisch zugleich. Dabei lässt er hier seiner Durchtriebenheit freien Lauf. Auch das wieder mit einem Verweis auf die Szene in der Oper, in welcher sein Selbstbewusstsein bzw. seine Überheblichkeit ihn immer weiter aus der Deckung kommen lassen. Man merkt, wie sehr sich Palpatine in den letzten Jahren verändert hat, wie sicher er sich seines Plans ist, dass er Anakin sogar mit Legenden der Sith konfrontiert. Dessen Interesse bestärkt ihn nur, mit seinem Aufstieg zum Imperator krönt er sich letztlich selbst und sieht sich am Ende einer Etappe. Die nächste etabliert Lucas auch gleich, wenn er und Vader den Bau ihrer neuen, ultimativen Waffe begutachten.
McDiarmid spielt all dies variabel, gibt den Kanzler ebenso wie den Sith-Lord und letzteren lässt er mit seiner Stimme immer wieder durch den Film hindurch anklingen. Defizite treten allerdings beim Umgang mit dem Lichtschwert zutage, das sieht leider dilettantisch aus. Dennoch ist er ein Gewinn für die Reihe, das war er schon in der Urtrilogie.
Christopher Lee bekommt als Count Dooku nur einen kurzen Auftritt, seine Zeit ist schnell um und letztlich ist er nur ein Bauernopfer für Palpatine, der ihn in kalter Berechnung von Anakin hinrichten lässt. Dennoch kann Lee auch hier wieder mit seiner Ausstrahlung punkten, wenn er nicht gerade gedoubelt wird.
Dookus Nachfolger als Nebenantagonist ist General Grievous, der seinen ersten Auftritt in „Clone Wars“ (ohne „The“) hatte. Über diesen Cyborg bekommt man zwar kaum Hintergrundinformationen, aber die Figur schafft es, dass man diese gerne hätte. Wobei das Design schon die halbe Miete ist, es hinterlässt einen gewissen Eindruck. Und das, obwohl er eben nur der Episoden-Zweitschurke ist, der irgendwann aus dem Weg geräumt wird und dieser Film keinen weiteren großen Bösewicht nötig hat. Aber jemanden, der einfach Ärger macht, Kenobi beschäftigt und diesen von Anakin fernhält. Das schafft der die Lichtschwerter seiner Gegner sammelnde Kaleesh allemal und sieht dabei für eine reine CG-Figur immer noch ziemlich gut aus.
Daneben tummeln sich noch diverse Kampfdroiden oder Neimoidianer, die aber letztlich nur dem Zweck dienen, beseitigt zu werden.
Mit Darth Vader bekommt die dunkle Seite hier ihren wohl prominentesten Neuzugang, der sich so bekannt und doch eben neu anfühlt. Viel Zeit verbringt er in seiner schwarzen Rüstung nicht, dafür bekommt er bei seiner Entstehung noch einen Gänsehautmoment mit auf den Weg, wenn sich die Maske langsam über sein Gesicht legt und das bekannte Atmen die Stille füllt. Lucas weiß, dass dies prominent in Szene gesetzt werden muss und so spendiert er diese Großaufnahme. Sein anschließender Ausbruch ob seiner vermeintlichen Schuld am Tode seiner Geliebten, das Grinsen des Imperators und die Zerstörung der Umgebung beenden seine Entstehung. Das überflüssige „Nooo“ darf man da gerne ignorieren.
Actionreich ist das Finale dieser Trilogie geraten, spielt es doch auch in der finalen Zeit der Klonkriege. Schon die Schlacht hoch oben über Coruscant zu Beginn ist bildgewaltig, da schreit sogar der Wilhelm. Aber auch auf Kashyyyk und Utapau, im Senat und bei den Lichtschwertduellen fetzt es. Über mangelnden Krawall kann man sich nicht beschweren, Lucas verteilt diesen auch in ansprechender Weise über die Laufzeit. Da werden die Figuren von einer Gefahr in die nächste geschickt, was erzählerisch den alten Serials Rechnung trägt, aus denen „Star Wars“ einst erwuchs. Dabei sticht die Order 66 mit ihren Sprüngen von Ort zu Ort nochmals heraus, auch auf emotionaler Ebene. Materialschlachten gibt es einige, das Duell zwischen Obi-Wan und Anakin auf Mustafar ist dann aber doch noch eine Ecke dramatischer. Hier ist die Choreographie des Kampfes mit dem aus „The Phantom Menace“ gleichauf, dazu teils unglaublich flott und auch abwechslungsreich. Es geht durch verschiedene Areale, bis es zum endgültigen Schwertstreich kommt. Und alles vor dieser dunklen wie feurigen Kulisse. Ein Duell, das seiner Bedeutung gerecht wird. Passend zum generellen Ton ist die Action auch etwas ruppiger geraten, da macht man auch vor dem Auslöschen von Jünglingen oder einer verbrennenden Hauptfigur nicht halt.
Unterstützt wird alles von massenhaft Effekten. Ohne geht es nicht und war die Optik in „Attack of the Clones“ noch ein großer Kritikpunkt, so sieht „Episode III“ im direkten Vergleich viel besser aus und das in so ziemlich jeder Hinsicht. Das Bild wirkt sichtbar plastischer, nicht mehr so weich, die Interieurs wenigstens manchmal nicht mehr so künstlich, die Ausleuchtung und auch das Compositing sind gelungener. Überhaupt ist der Look wieder etwas haptischer, wenn man auch oft noch die Herkunft aus dem Rechner erkennen kann. Gerade bei lebendigen Schöpfungen, aber selbst die sehen oft durchaus in Ordnung aus. Obwohl mich die Geräusche dieses Varactyl auf Utapau nerven. Ansonsten lässt sich das Sounddesign wieder hören, wenn auch so eine Leuchtturm-Szene wie das Podrace oder die seismischen Bomben fehlt. Audiovisuell ist das hier dennoch ein gelungenes Gesamtwerk.
Und über allem thront die Musik von John Williams. Er bleibt die Konstante in der Reihe und seine Arbeit auch in „Revenge of the Sith“ hörenswert. Sogar noch mehr als das. Mit „Battle of the Heroes“ untermalt er gekonnt das den Höhepunkt bildende Duell zwischen Anakin und Obi-Wan und liefert erneut einen gelungenen Hauptsong ab. Und ist dieser auch nicht so prägnant wie das frühere „Duel of Fates“, so ist der Score zu „Episode III“ in seiner Gesamtheit ein Highlight. Nicht nur ist er von den Alben der Prequels an der Spitze, er gehört auch zu den besten der gesamten Saga. Hier reihen sich so viele gelungene Stücke aneinander, so viele Melodien gehen ins Ohr und von dort ins Herz, sind so atmosphärisch oder mitreißend. „Anakin's Betrayal“, „Palpatine's Teachings“, „Anakin's Dark Deeds“, „The Immolation Scene“ etc. Und immer wieder die Tonfolge des „Imperial March“, die untrennbar mit Anakin und Vader verbunden ist. Auch ohne den Film funktioniert der Score bestens und reiht sich in Williams' grandioses Œuvre auf den oberen Rängen ein. Man kann sein Wirken innerhalb von „Star Wars" nicht hoch genug bewerten.
„I feel lost.“
Das Finale der Prequels ist dann auch der stärkste Teil der Trilogie. In dieser dritten Episode findet Lucas, vielleicht auch durch das hier schon von vornherein feststehende Ziel, seine Formel für ein mitreißendes, actionreiches und dramatisches Abenteuer. Dabei packt er hier alles in teils wagnerianischen Bombast, was dieser Weltraumoper auch gut zu Gesicht steht. Der Abschluss der Trilogie bietet einige memorable Szenen, von der Werdung eines Darth Vader bis zum Fall der Republik und der Geburt des Imperiums. Temporeich und mit einer filmischeren Optik als im Vorgänger versehen rast Lucas auf das erwartete Ende zu, wobei hier der Weg das Ziel ist. Darstellerisch ist das immer noch zwiespältig, wenn Christensen auch besser agiert als im Vorgänger. Die Highlights sind aber Ewan McGregor und Ian McDiarmid, die jeweils auf ihrer Seite brillieren und jede Szene aufwerten. Die Weltraumoper bekommt eine angemessen dunkle Seite verpasst, weg vom Klamauk und jedweder Niedlichkeit. Jar Jar Binks ist hier nicht mehr der Rede wert.
Wieder sind Parallelen zur Machtergreifung zu erkennen sowie zur irdischen Historie. Auch abseits dessen sorgen manche Szenen für Gänsehaut und man bekommt viel von dem, worauf man gewartet hat. Aber es gibt auch wieder manch hölzerne Dialoge und nicht immer überzeugende Effekte präsentiert. Es hält sich in Grenzen, vielleicht auch wegen des hier sehr viel mehr gelungenen Drumherum. Denn alles hier sieht einfach so viel besser aus als im Vorgänger.
„Revenge of the Sith“ ist das Finale, das diese Trilogie gebraucht hat, der logische Schluss nach dem vorangegangenen Aufbau. Nachdem die beiden vorigen Episoden nicht die Erwartungen erfüllen konnten, liefert „Episode III“ einen angemessenen Höhepunkt, wenn auch nicht ohne Schwächen. Dennoch funktioniert hier alles besser als im Vorgänger, sieht ebenso ansprechender aus und versucht sich am Brückenschlag zur Urtrilogie. Dazu liefert John Williams einen der besten Scores der Saga ab und Lucas entlässt den geneigten Fan mit diesem damals finalen Film in eine neue Hoffnung.
— Zur Prequel-Trilogie —
Nach Erscheinen war diese den Klassikern inhaltlich vorhergehende Trilogie nicht allzu gut gelitten. Die Kritikpunkte lagen auf der Hand, teilweise wurde sich aber auch über Details echauffiert, die man bei der liebgewonnenen Original-Trilogie gerne übersieht. Das Fandom ist kritisch bis toxisch, soweit nichts Neues.
Und sehe auch ich die Prequels mit weniger verträumtem Blick, so kann man ihr eines nicht vorwerfen. Und das ist Planlosigkeit. Natürlich wurde mit dem 1977er Film das Ergebnis vorgegeben, doch der Weg dahin birgt sichtbar eine Idee, einen roten Faden und eine Entwicklung. Das muss man Lucas lassen. Denn ist er mitnichten ein überragender Regisseur oder Dialogschreiber, so weiß er aber, wie man eine Idee auf- und ausbaut. Er hatte einen Plan. Und dieser, mit all seinen politischen Verstrickungen, seinen neuen Figuren und Schauplätzen geht für mich in seiner Gesamtheit auf vielen Ebenen auf. Dass der Look ob des massiven Einsatzes von künstlichen Hintergründen und Figuren artifizieller wirkt, dass es dramaturgisch und auf der Dialogebene knirscht, dass Lucas' Stärke nicht in der Führung eines Ensembles liegt – alles leicht erkennbar.
Und doch gibt es immer wieder die Szenen, die Ereignisse und Orte, die mich packen, staunen lassen und letztlich das machen, was ein „Star Wars“-Film soll. In eine fremde Welt mitnehmen, in diese eintauchen, sich in dieser verlieren. Mit der Geschichte von Anakin bis Vader bekam diese Figur mehr Drama und Tiefe – im Rahmen der erzählerischen Möglichkeiten. Wobei ein Einstieg mit einem schon älteren Anakin mit der ersten Episode im Hinblick auf die Wandlung der Figur eventuell sinnvoller gewesen wäre. Gerade „Episode III“ wirkt fast schon zu vollgepackt und etwas gehetzt und leidet unter den Versäumnissen des direkten Vorgängers.
Neben dem Faust‘schen Fall des Anakin befasst sich die Trilogie auch noch mit dem Untergang eines politischen sowie religiösen Systems und darüber hinaus auch mit einem Mann und seinem Plan, die Macht an sich zu reißen. Sie ist damit ebenso die Geschichte von Sheev Palpatine.
Ich empfinde die Prequel-Trilogie im Gesamten für nicht so schlecht, wie so oft gemacht wird und gefühlt hat sich das Verhältnis zu dieser auch allgemein etwas gewandelt. Viele sind mit dieser statt der klassischen Trilogie aufgewachsen und für diese Leute war dies die Initialzündung, so wie es für die älteren Semester wie mich die Urtrilogie war. Und für alles zwischen den Episoden II und III lohnt sich ein Blick in die sehenswerte Animationsserie „Star Wars: The Clone Wars“.
Das hier ist eine neue Trilogie für ein neues Publikum. Und Lucas schuf etwas Neues und wiederholte nicht einfach seine früheren Erfolge. Auch das sollte man ihm anrechnen. Es ist keine einfache Variation, es ist wirklich eine Vorgeschichte. Mit einem eigenen Design und mit einer eigenen Entwicklung, die dennoch immer wieder wie ein Spiegelbild zur Urtrilogie fungiert. Mit einem lobenswerten Sounddesign und mit dem Wunsch nach wieder bahnbrechenden Effekten. Letzteres ist nicht immer gelungen, auch das sollte man nicht verschweigen. Dennoch ist der rasante Fortschritt auf diesem Gebiet sichtbar.
Für mich ist die Prequel-Trilogie trotz all ihrer Schattenseiten eine weitestgehend sinnvolle Erweiterung, die zwar lange nicht den Stellenwert der alten Filme hat und einige verpasste Chancen beinhaltet, aber mit dem Niedergang der Republik und der Jedi, der Entstehung der schurkischen Ikone Darth Vader und dem unaufhaltsamen Abgleiten in die Dunkelheit einen sehenswerten Eintrag in dieses Universum darstellt.