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Hinterholz 8 - Düringer baut. So begrüßt uns die Stimme aus dem Off, wenn wir die DVD eingelegt haben. Hinterholz 8 ist die nette sympathische Adresse mitten in der Botanik, eben dort, wo Düringer alias Herbert Krcal bauen möchte.

Krcal ist der typische Vertreter des Häuslebauerklientels: Verheiratet, Kind, eingeengt zur Miete wohnend und einen ganz passablen Job, während sich Frau um Haushalt und Kind kümmert und von der Villa im Grünen träumt. Schnell ist ausgerechnet: Spitz auf Knopf geht es sich vermutlich gerade so aus, dass der Traum vom Eigenheim nicht länger nur ein Traum bleiben muss, sondern sich verwirklichen lässt. Allerdings begeht Krcal einen folgenschweren Fehler gleich zu Beginn: statt wie ursprünglich geplant zu bauen hört er auf seine zwei windigen Kollegen und kauft eine baufällige Hütte mitten in der Pampa, Adresse: Hinterholz Nummero 8. Hauptsache billig.

Das gesparte Geld reicht locker zum Herrichten, so der Plan. Am Ende hat man dann was anderes, was außergewöhnliches, und eben kein 08/15-Reihenendhaus in einer Vorstadtsiedlung. Sondern richtig abseits was kuscheliges Romantisches... Dass dies natürlich gründlich in die Hose gehen muss liegt auf der Hand, sonst hätten wir keine wundervolle zynische Komödie in typischer österreichischer Art.

Natürlich wimmelt es in üblicher Manier vor lauter Klischees: die unangenehmen Dorfbewohner (in einer Nebenrolle zu entdecken: Maria Hofstätter, ganz gewohnt in "Hundstage"-Manier), der bauernschlaue Bürgermoaster, der tumbe Wiener der sich übers Ohr hauen lässt, die beiden daueralkoholisierten Kollegen die der Ehefrau nachstellen und natürlich was nicht fehlen darf: das liebe Geld. Achja, auch der Quotentschusch darf nicht fehlen.

Alles kostet mehr als geplant, alles geht schief. Letztlich ist dieser Film nur die Darstellung unserer tief verborgenen Ängste, z.B. der Ehefrau (eine gewohnt phantastische Nina Proll): "Schau, wenn dir was passiert, steh ich mit dem Philipp alleine da!"

Die Baukosten übersteigen bald die finanziellen Möglichkeiten der Familie, obwohl auch die Frau wieder Vollzeit arbeiten geht. Alles zerbricht nach und nach: Das Haus, die Ehe, der Job.

In einer super Nebenrolle glänzt Alfred Dorfer als schmieriger Banker: "Kredit ist ja eigentlich eine Sparform, nur dass Sie das Ersparte gleich einmal auf die Hand bekommen und nicht erst in 20 Jahren."

Der Untergang der Familie ist so vorprogrammiert, Krcal wird förmlich dazu gedrängt unter zu gehen und man fragt sich: wer hat eigentlich schuld? Ist es wirklich nur die Naivität des Möchtegernbauherrs oder ist nicht die Gesellschaft mit ihrem Zwang zum Eigenheim daran schuld? Lässt sich das alles verhindern? Ist lebenslange Verdammnis zur Miete nicht doch eine Lösung? Bildlich manifestiert sich der ganze Verlauf bis zum bitteren Ende an der Zerstörung des Familienautos, ein finanzierter Neuwagen, ein typisches Spackenauto ("made in Japan, destroyed in Sulz im Wienerwald").

Eine Warnung an alle Häuslebauer mit mehr Wahrheit als viele sehen wollen: Planung ist die halbe Miete, denn sie ist eh für die Katz. Erstens kommt alles anders und zweitens erst recht beim Hausbau.

(7/10)

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