„Das Glück ist eine französische Hure!“
Steven Spielbergs „Der weiße Hai“ war ein solcher Erfolg, dass er das Subsubgenre der Fishploitation begründete. Filmemacher wie beispielsweise das Duo Roger Corman (Produktion) und Joe Dante (Regie) fühlten sich berufen, ebenfalls fiese Fischlein in ihren Filmen wüten zu lassen und drehten den Low-Budget-Horrorfilm „Piranhas“. Dies wiederum inspirierte auch die Italiener, die Antonio Margheriti („Satan der Rache“) ins Rennen schickten, um ebenfalls einen Film mit Piranhas zu drehen. Das Ergebnis wurde nur ein Jahr nach „Piranhas“ in italienisch-US-amerikanisch-britisch-brasilianischer (!) Koproduktion realisiert, lautet im Original „Killer Fish“ und wurde in Deutschland unter dem Titel „Piranhas II - Die Rache der Killerfische“ dreist als direkte Fortsetzung zu Dantes Film vermarktet.
Eine feiste Ganovenbande um Juwelenräuber Lasky (Lee Majors, „Ein Colt für alle Fälle“) erbeutet in einem spektakulären Coup wertvolle Edelsteine und versenkt diese in einem brasilianischen See, wo sie sicher lagern sollen, bis etwas Gras über den Diebstahl gewachsen ist. Doch nicht jedes Bandenmitglied möchte teilen, so dass der eine oder andere heimlich nach dem Schatz taucht. Was sie jedoch nicht wissen: In ebenso weiser wie grausamer Voraussicht hat der Kopf der Bande, Paul Diller (James Franciscus, „Die neunschwänzige Katze“), blutrünstige Piranhas im See ausgesetzt, so dass sich die Anzahl der teilungsberechtigten Partner nach und nach reduziert…
„Piranhas II – Die Rache der Killerfische“ hat mit Joe Dantes Film – wie nicht anders zu erwarten – nicht viel gemein, vielmehr handelt es sich um eine Gangster-Abenteuergeschichte im Gewand eines Fishploitationers. Ein schmissiger Disco-Song als Titelmelodie und ein explosiver, feuriger Beginn, für den wieder einige Margheritis berüchtigter Miniaturbauten dran glauben müssen – und schon ist man im Geschehen. Doch so unheimlich viel geschieht eigentlich gar nicht, stattdessen wird man Zeuge eines unfassbar langen, komplett fischfreien Vorgeplänkels. Das ist dramaturgisch mau, versetzt aber immerhin in exotische Urlaubsstimmung, insbesondere in Kombination mit dem Soundtrack. Im sonnigen, sommerlichen Brasilien lässt man nun verdammt viel Gequatsche, darunter eine Menge Dummschwätzerei, über sich ergehen und erfreut sich vielleicht am einen oder anderen hübschen Mädel. Doch Obacht, trotz einer albernen Fotomodell-Nebenhandlung inkl. einer komödiantischen Nebenrolle in Form des „lustigen dicken“ Fotografen tendiert der Sleaze-Faktor gegen null – was ungewöhnlich ist für einen italienischen Genrefilm.
Viel besser weiß da eine gut gemachte Tauchszene zu gefallen, die nach rund 50 Minuten mit dem Fund einer skelettierten Leiche einhergeht. Für die außerordentliche Aggressivität der Piranhas hat man sich erst gar keine Erklärung überlegt, die sind einfach so und endlich kommt es nun auch einmal zu einer Attacke. Bis zu einer grafisch expliziten Umsetzung muss man jedoch rund 75 Minuten (!) warten, und allgemein wurden die blutigen Spezialeffekte sehr simpel gelöst. Das mehr oder minder dramatische Unwetter auf dem See wurde glatt von „Der weiße Hai“ gemopst, Margheritis niedliches Miniaturboot allerdings gab es dort nicht. Endlich hat der Film an Fahrt gewonnen und zelebriert eine imposante Zerstörungsorgie nach einem Dammbruch, die wie ein Finale wirkt, obwohl der Film noch eine ganze Weile läuft… Ein recht gelungener, doppelbödiger Epilog indes wertet den Film dann ein Stück weit auf, indem er ihn zu einem angenehmen, versöhnlichen Ende bringt. Nein, weder Drehbuch, noch technische Umsetzung haben sich sonderlich mit Ruhm bekleckert, das Interessanteste an „Piranhas II – Die Rache der Killerfische“ ist stattdessen die schauspielerische Besetzung: Diese weist eine gewisse Klasse auf und macht mit Stuntman Lee Majors, der katzenäugigen Karen Black („Haus der 1000 Leichen“) und dem tragischen Italo-Western-Helden Anthony Steffen („Django und die Bande der Bluthunde“) durchaus Spaß und ist gerade rückblickend betrachtet eine interessante Konstellation. James Franciscus als Aquarianer und Fiesling sieht nicht nur aalglatt und schmierig aus, sondern spielt auch so und wirkt unsympathisch wie nur was, ohne dass er viel dafür tun müsste – in gewisser Weise auch eine Leistung. Alles in allem ist „Piranhas II – Die Rache der Killerfische“ aber leider nicht so richtig Fisch, viel eher zähes Fleisch.