Review
von Alex+
Ein interessantes Phänomen ist, dass aus zweitklassigen oder trivialen Romanen, durchaus hervorragende Spielfilme entstehen - im Gegenzug aus brillianten literarischen Stoffen meist nur mittelmäßige.
Unbeachtet der Tatsache, dass diese Gatsby-Verfilmung aus dem Jahre 1974 ist und alleine schon deshalb etwas Patina angesetzt hat, fehlt es dem Liebesdrama aus dem Jahre 1925 des amerikanischen Schriftstellers F. Scott Fitzgerald an Glaubwürdigkeit, Spannung und Tempo.
Der Roman fasziniert (aus heutiger Sicht) durch seine Gesellschaftskritik an den "Roaring twenties" und seinem brillianten Schreibtil.
Letzteres lässt sich selbstverständlich nicht auf die Leinwand adaptieren, deshalb müssen Bilder, Szenen, Einstellungen und Schauspieler die Geschichte transportieren. Dies kann man jedoch nur als bedingt gelungen bezeichnen. Auch wenn die Verfilmung annähernd werktreu ist, kommt sie doch recht bieder und schwerfällig daher.
Während Robert Redford als Gatsby überzeugen kann, ist die Darstellung von Mia Farrow als Daisy völlig unpassend. Man fragt sich als Zuschauer, wie dieser smarte clevere Mann, diesem (zwar ganz hübschen) aber hohlen und etwas dümmlich wirkenden Frauenzimmer verfallen kann?!
Der schmalzig wirkende optische Einsatz des Weichzeichners, sei dem Entstehungsjahr 1974 geschuldet.
Faktisch bleiben ein paar wenig gute Szenen - meist mit den Nebendarstellern - und ein gelungenes Dekor.
Über viele Filmminuten herrscht jedoch nur Mittelmaß.