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Der schüchterne Shinji wird eines Tages von einer Gruppe Jugendlicher unter der Führung eines homosexuellen Sadisten überfallen. Sie fordern von ihm eine Menge Geld, damit sie ihn in Ruhe lassen. Als er sich von ein paar Freunden die Summe leiht, verlangt die Gruppe noch mehr. Da Shinji nicht zahlen kann, werden er und seine Freunde entführt und auf brutalste Art und Weise gefoltert. Schließlich brennen bei dem Jungen die Sicherungen durch; er startet einen gnadenlosen Amoklauf und macht dabei keinen Unterschied mehr zwischen Freund und Feind.

„All Night Long 2“ verlangt dem Zuschauer eine ganze Menge ab. Dabei ist nicht primär die ohne Zweifel grenzüberschreitende graphische Gewaltdarstellung gemeint, sondern vielmehr die Negation jeglicher Menschenwürde. Die Gruppe der jugendlichen Straftäter geht mit ihren Opfern um, als wären sie Schlachtvieh. Auf die Frauen wird uriniert, sie werden vergewaltigt und schließlich auf brutalste Art und Weise getötet.

Trotzdem ist der Film mehr als eine reine Schlachtplatte. Der Anführer will Shinji zu einem Mitstreiter machen, ahnt jedoch nichts von dem mörderischen Potential seines Auserwählten. Der nackten Gewalt und Folterung augesetzt, ergreift Shinji schließlich selbst die Initiative und wendet sich nicht nur gegen seine Peiniger, sondern ebenfalls gegen seine Freunde. Mitten in Blut und Gedärmen bringt er die Quintessenz der Gewaltspirale auf den Punkt: „meaningless“, bedeutungs- und vor allem sinnlos.

Die Aussage, so plakativ und schlicht sie auch klingen mag, wird in „All Night Long 2“ in kaum zu überbietender Radikalität absolut konsequent umgesetzt. Gewalt wird hier nicht verherrlicht, sondern sitzt wie ein Schlag in die Magengrube. Das ist auch der Grund, warum Gorehounds möglicherweise wenig gefallen an dem Streifen finden werden. Die Authentizität wird verstärkt durch den fast schon reportagehaften Filmstil, verbunden mit einer ganz speziellen Videooptik. Genau diese kann man dem Film allerdings auch ankreiden, er wurde mehr als offensichtlich für den Videomarkt und nicht für die große Leinwand produziert. Meines Erachtens wirkt die „Umfunktionierung“ des Minimalbudgets zum Kunstmittel hier allerdings wunderbar.

Eine Empfehlung auszusprechen, ist bezüglich „All Night Long 2“ sicherlich nicht einfach. Er ist nicht angenehm anzusehen, hat keinen Helden und ist in tiefstem Sinne menschenverachtend. Aber eines ist „All Night Long 2“ ohne Frage: Verstörend. Wer auf der Suche nach einem kranken Film ist und kein Problem damit hat, sich etwas tiefer mit der Aussage desselben auseinander zu setzen, kann auf jeden Fall einen Blick riskieren.
6/10 Punkten

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