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Die Seven - Ups, eine Spezialeinheit der New Yorker Polizei unter Leitung von Buddy Manucci [ Roy Scheider ], bedient sich im Einsatz gegen gefährliche Verbrecher auch fragwürdiger Mittel, um ans Ziel zu kommen...

Polizeifilm, der sich direkt an den zwei Jahre vorher entstandenen Oscargewinner French Connection von William Friedkin anschliesst und noch eher als dessen offizielle Fortführung wie ein Nachfolger dazu anfühlt. Oder noch eher wie ein Bootleg davon, sowohl in der Geschichte und der Umsetzung als auch von den Herstellungsdaten her. Dort hat man mit dem ehemaligen Polizisten Sonny Grosso als Berater, Philip D'Antoni als Produzent und Roy Scheider in der Besetzung gleich drei Mitwirkende der Erfolgshits dabei; D'Antoni fungiert hier auch als Regisseur und ist augenscheinlich darauf angelegt, die Formel noch einmal gewinnbringend zu wiederholen. [ Im Inter-Pathé Katalog 1981 wird der Film sogar als "French Connection 3" aufgeführt ]

Gelingen tut ihm eine Anpeilung auch durchaus, vielleicht nicht auf kompletter Linie, aber wem der eine Film zugesagt hat wird auch hier Gefallen daran finden. Zumal French Connection 2 nicht jedersmanns Sache ist.
D'Antoni, der vorher Bullitt produzierte und hinterher mit Strike Force - Die Spezialeinheit dem Thema weiterhin treu blieb, sorgt auch hier für die gelungene Aufbereitung des Kampfes der Polizei gegen die in allen Belangen übermächtige Verbrecherorganisationen, wobei die Gesetzeshüter die legalen Wege verlassen müssen, um ihrem Ziel ein Stück näher zu kommen. Der Zweck heiligt dabei die Mittel; die Verpflichtung auf die Richtlinien ist hinfällig geworden, solange die Methoden ihren Erfolg bringen.
Die Seven - Ups sind extra dafür geschaffen worden, um in Krisenregionen das Problem in den Griff zu bekommen; sie agieren dabei in Zivil und heben sich nicht nur dadurch von normaler Polizeiarbeit ab. Mit etwaigen rechtlichen Konsequenzen ihres nicht ganz legalen Tuns haben sie erstmal auch nicht zu rechnen; nur als sie zuviel Staub aufwirbeln und die ersten Toten auf eigener Seite zu beklagen sind, droht ihnen von oben die Abmahnung.

Der Film konzentriert sich schnell und nihilistisch auf den Faktor der Konfrontation zwischen beiden Seiten des Gesetzes. Im Mittelpunkt der Handlung der Zusammenprall moralischer Welten, die schon aufgrund gegensätzlicher Interessen und gleicher Vorgehensweisen unweigerlich aufeinanderstossen müssen; dabei fungiert die komplette erste Hälfte als Aufbau dieser Gegenüberstellung. Dort werden beide Teilnehmer mitsamt ihrem Kodex anskizziert und die Ursachen für den späteren Gewaltausbruch vorgezeichnet; manchen mag dies vielleicht etwas zu lange dauern und durch scheinbare Nichtigkeiten rausgezögert erscheinen. Aber im richtigen Moment ist die Mischung für die Zündung so exakt und präzise vorbereitet, dass sie nur noch explodieren kann und ein verheerendes und gleichzeitig berauschendes Ergebnis nach sich zieht.

Bis es soweit ist, vergehen gute 50min und zwischendurch denkt man manchmal auch, dass es mittlerweile doch losgehen könnte; bis dahin kann man sich aber an einem realistisch - unfreundlichen Bild von New York und ihrer Bewohner erfreuen. Auch hier wird bevorzugt in einem dokumentarisch orientierten Stil direkt auf der Strasse und ohne Glamour gedreht. Touristen bekommen bei dem mitgelieferten Aufnahmen der unwirtlichen Gegend sicherlich wenig Lust auf eine Pauschalreise durch die lärmende, dreckige Metropole und ihren abgestorbenen Ecken.

Dabei befasst man auch mit realistischeren Details und glaubhaften Porträts von sowohl Beteiligten als auch Umgebung und hält die Geschichte und ihre Inszenierung relativ klein und schnörkellos.
Buddy trägt statt Familienbilder ein Notizbuch mit Verbrecherfotos herum; Privatleben ist komplett aussen vor, allein der Job zählt und damit für alle Personen bloss die Beschäftigung mit der ungeschminkten Kriminalität.
Nur von unterschiedlicher Warte aus.

Auf der Seite der Seven - Ups hat man das Problem, dass man mit vier Mann und ungenügendem technischen Material keine grossen Sprünge machen kann und dabei auch auf Informationen der anderen Seite angewiesen ist. Diese bekommt Buddy von seinem ehemaligen Schul- und Kindheitsfreund Vito Lucia [ Tony Lo Bianco ], der ihm immmer mal zusteckt, was wann wo passiert und überhaupt Sache ist. Allerdings ist dieser Austausch für Vito nicht ganz uneigennützig; dieser bezieht nur nicht selber Wissen und Auskünfte von seinem Kumpel, sondern erzählt ihm auch nur die Dinge, die ihm das eigene Geschäft erleichtern. Vito hat sich nämlich selbstständig gemacht und nimmt insgeheim die eigenen Bosse aus; er lässt sie kidnappen und gegen hohes Lösegeld wieder freikaufen.

Da die Freiheitsräuber sich dabei als Polizisten ausgeben und auch mit den entsprechenden Marken ausweisen, stehen sowohl die wahren Gesetzeshüter als auch die so erpressten Mafiabosse mit dem Rücken zur Wand: Die Seven - Ups geraten selber unter Verdacht und werden vom FBI beobachtet und an den Pranger gestellt, was die Arbeit sicherlich nicht einfacher macht.
Die Mafia dagegen lässt die Cops normalerweise soweit wie möglich in Ruhe, da sie sich denken können was los wäre, wenn sie einem von ihnen schaden. Aber nun können sie nicht mehr echte von falschen unterscheiden und fühlen sich bedroht; die Seven - Ups geraten mitten in die Schusslinie: Ansel [ Ken Kercheval ] wird bei einer Observierung geschnappt, der Erpressung verdächtigt, der entsprechenden Behandlung unterzogen und soll dann im Kofferaum abtransportiert und beseitigt werden. Wird aber zuguterletzt noch mehr aus Versehen von den plötzlich auftauchenden richtigen Kidnappern erschossen, die eigentlich nur ihr Geld aus dem Wagen holen wollen.

Nun folgt mit einer Autojagd der wichtigste Bestandtteil des ganzen Filmes; man merkt auch schnell, dass alles was vorher geschah genau daraufhin angelegt war. Die gesamte bisherige Anspannung wird in dieser einen Actionszene entladen, die dann auch eine ungeheure Geschwindigkeit verpasst bekommt. Mit Vollgas wird die halbe Stadt abgerast, ohne Bremsen durch die Rush Hour, eine Gruppe von Schulkindern, eine eilig aufgestellte Polizeisperre hindurch. Ähnlich wie auch bei Bullitt und French Connection ist die zehnminütige Sequenz in seiner puren Destruktionswut das Herz des Filmes und ähnlich wie dort ist auch die Umsetzung und damit auch die Wirkung. Keinerlei Musik, nur das Quietschen der Reifen, das wütende, fanatische Hupen, der röhrende Motor des jagenden Pontiac und das kreischende Metall, wenn die Autos ineinander crashen und in ihre Bestandteile auflösen.
Die 70er machten die Autoverfolgung zu dem Spezialeffekt schlechthin; das hier dargebotene Exemplar muss sich keinesfalls hinter den anderen Variationen [ siehe auch Die Superschnüffler oder Spur der Gewalt ] verstecken.

Der Film ist damit noch nicht zu Ende, lässt aber nun notgedrungen lockerer; um dann am Schluss noch die finale Begegnung zwischen dem individualisierten Vertreter der law and order Auffassung und seinem Spiegelbild aufzuzeigen. Sicherlich bietet der Schluss samt seinem vorhergehenden Geschehen keine moralische Rechtfertigung für eine Selbstjustiz oder ein Argument für eine rabiatere Verbrechensverhütung, aber darum ging es den Produzenten offensichtlich auch überhaupt nicht. Ein Diskussionformat wie bei Dirty Harry mit seinen etwaigen antiliberalen, rechtsradikalen Tendenzen wird auch nicht geboten, dafür ist man viel zu sehr purer Genrefilm. Großstadtwestern.
Rauhbein Scheider wirkt dabei in seiner Einsilbigkeit ebenso wie die anderen Darsteller authentisch in allen den Dingen, die sie zu erledigen haben; sowieso ist die Besetzung auch in Nebenrollen mit Richard Lynch oder Joe Spinell durchweg vorzüglich angepasst.

Die Oscars sollten hierbei nicht purzeln, wurden noch nicht einmal in Erwägung gezogen; dafür frönt man auch zu sehr gängiger Konventionen. Kraftvolles, reines Polizeikino in schönster 70er Jahre Manier wird vielleicht gerade deswegen dennoch abgeliefert.

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